<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752</id><updated>2011-05-19T01:10:08.216-07:00</updated><category term='Emigration'/><category term='Berlin-Wedding'/><category term='Literatur'/><category term='Klimaschutz'/><category term='Beuys'/><category term='Restaurant Pasternak'/><category term='Erwin Goldberg'/><category term='Berlin-Blockade'/><category term='Internetwetten'/><category term='Denkmalschutz'/><category term='Berlin'/><category term='Buschkowsky'/><category term='Nazis'/><category term='Anonymous'/><category term='Sekte'/><category term='Nazi-Verfolgung'/><category term='Heiner Müller'/><category term='NS-Mord'/><category term='Europäische Jugendforen'/><category term='NS-Verfolgung'/><category term='Tom Cruise'/><category term='Altbau'/><category term='Leben mit Aids'/><category term='Berliner Juden'/><category term='Bücherverbrennung'/><category term='Pferderennen'/><category term='Christine Becker'/><category term='Türken'/><category term='Shoa'/><category term='zocken'/><category term='Islam'/><category term='Stasi'/><category term='Verfolgung'/><category term='HI-Virus'/><category term='Wiesenburg'/><category term='Jurek Becker'/><category term='Neukölln'/><category term='Berliner Opernplatz'/><category term='Integration sozialschwach'/><category term='Europäisches Parlament'/><category term='Galeristin'/><category term='Kampagne'/><category term='Zeitzeuge'/><category term='Aids'/><category term='Jakob der Lügner'/><category term='Tempelhof'/><category term='Antisemitismus'/><category term='Juden'/><category term='Henry Ries'/><category term='Europawahl 2009'/><category term='Berliner Philharmoniker'/><category term='Zocker'/><category term='Das Leben der Anderen'/><category term='Anschlag'/><category term='EU-Richtlinie'/><category term='Lena Brüning'/><category term='Fleischer'/><category term='Scientology'/><category term='Jamlitz'/><category term='Massengrab'/><category term='jüdische Philanthropen'/><category term='Türkische Christen'/><category term='Alicja Kwade'/><category term='Hellmut Stern'/><category term='Therapie'/><category term='Hohenschönhausen'/><category term='Wahlkampf'/><category term='Luftbrücke'/><title type='text'>André Glasmacher Publizistik</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>34</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-3593180813748477156</id><published>2009-04-02T14:01:00.000-07:00</published><updated>2009-04-28T10:02:08.495-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kampagne'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europäisches Parlament'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europawahl 2009'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Wahlkampf'/><title type='text'>Europawahl goes 2.0</title><content type='html'>&lt;object width="425" height="344"&gt;&lt;param name="movie" value="http://av.sr-online.de/index.php?a=12228"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://av.sr-online.de/index.php?a=12228" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Im Juni 2009 wird das Europäische Parlament gewählt. Bisher wissen das EU-weit  nur wenige Wähler. Eine EU-Wahlkampagne, die jetzt gestartet wurde, soll das ändern. Für das Europäische Parlament geht es dabei um viel: Seit Jahren sinkt die Wahlbeteiligung.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bleich und großporig liegt das gerupfte Huhn in einer weißen Styropor-Schale, fest eingeschweißt in Zellophan. Kein Aufkleber teilt mit, wo das Geflügel produziert wurde; kein Aufkleber informiert, wo Käufer sich beschweren können, wenn sie Gammelfleisch vermuten. Anders das verbraucherschutzkonforme »EU-Huhn.« Zwar liegtt es auch bleich und unappetitlich in einer weißen Schale, doch zahlreiche Aufkleber machen Angaben über Herkunft, Produktion oder warnen vor Ekelfleischgefahr. Hier weiß der Käufer also, worauf er sich einlässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Hühner sind seit April europaweit auf den offiziellen Wahlplakaten des Europäischen Parlaments zu sehen - textlich angepasst an das jeweilige Land. In Deutschland heißt es auf den Plakattafeln »Verbraucher schützen – aber wie?«, in Frankreich steht »Quelles informations sur les étiquettes?”. Auch das Wahllogo – ein gelber, handgezeichneter Europastern – wurde sprachlich angepasst. In Deutschland heißt der Slogan »Deine Entscheidung«, in Frankreich »A vous de choisir.«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist eine konzertierte Kommunikationskampagne im großen Ausmaß, mit dem das Europäische Parlament einen Abwärtstrend stoppen will. Seit den ersten Europawahlen 1979 sank die Wahlbeteiligung in der EU von 62% auf zuletzt 45,5 %. In Deutschland gingen 2004 nur 43% der Wahlberechtigten zu den Urnen, in Frankreich knapp 43%. Dass bei dieser Wahl die Beteiligung bedeutend höher sein wird, ist bisher nicht zu erwarten. Eine europaweite Meinungsumfrage von Eurobarometer im Januar 2009 fand heraus, dass nur 26 % der Befragten überhaupt wussten, dass im Juni Europawahlen stattfinden werden. Und: nur 51 % gaben an, dass sie dem Europäischen Parlament vertrauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kampagne soll deshalb erst einmal kommunizieren, dass Europawahlen stattfinden und in einem zweiten Schritt auf die Bedeutung des Europäischen Parlaments hinweisen. Die Wähler könnten dabei unmittelbar darüber entscheiden, welche politische Richtung die EU nehme und wie etwa die Energiepolitik der Zukunft aussehen solle, brachten es im März die Vize-Präsidenten des Europäischen Parlaments, Alejo Vidal-Quadras und Mechtild Rothe bei Vorstellung der Kampagne auf den Punkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SdUwMCtgFnI/AAAAAAAAAMA/K4SnkDs1g3Q/s1600-h/Europawahl+2009.jpg"&gt;&lt;img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer; width: 400px; height: 284px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SdUwMCtgFnI/AAAAAAAAAMA/K4SnkDs1g3Q/s400/Europawahl+2009.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5320211518252390002" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:85%;" &gt;Gut verpackter Verbraucherschutz: Wahlwerbung zur Europawahl 2009&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;15.000 Anzeigentafeln in 100 Städten der EU sollen Awareness wecken. Vier Meter hohe 3-D-Installationen im Freien, Multimedia-Boxen, in denen die Wählerinnen und Wähler ihre Ansichten zu unterschiedlichen Themen per Video aufnehmen lassen können und TV- und Radio-Spots ergänzen die rund 18 Millionen € teure Kampagne, die durch die deutsche Werbeagentur Scholz &amp;amp; Friends konzipiert wurde. Die Wahlkampagne des Europäischen Parlaments ist dabei rein informativ. Sie macht nur auf die Wahlen aufmerksam, wirbt nicht für einzelne Parteien. Die müssen ihren eigenen Wahlkampf führen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Budgets dafür sind bedeutend kleiner. In Deutschland haben die Grünen 1 Millionen € eingeplant, 1,4 Millionen € die FDP. Europawahlen sind dabei immer noch so genannte »low-key-Kampagnen«, weiß die Erlangener Kommunikationswissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha in der Wochenzeitung &lt;a href="http://www.das-parlament.de/2009/12/Themenausgabe/23863929.html"&gt;Das Parlament&lt;/a&gt;. Wahlkampf ist teuer und im Superwahljahr sparen deutsche Parteien lieber die Ressourcen für den Herbst – dann ist nämlich Bundestagswahl. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie vermuteten, mit Europathemen keine Wähler mobilisieren zu können, so Holtz-Bacha weiter. »Viele wissen gar nicht, was das Europäische Parlament ist und was es tut.«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;object width="425" height="344"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/cUw1I44FkwE&amp;amp;hl=de&amp;amp;fs=1"&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/cUw1I44FkwE&amp;amp;hl=de&amp;amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:85%;" &gt;Sprinten für Europa: Spot des Berliner Seants zur Europawahl 2009&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Unkenntnis hat Tradition. Ebenso wie die Geringschätzung des Plenums. Jahrzehntelang machte in Deutschland sogar der Spruch »Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa« die Runde – verbunden mit der populären Vorstellung, abgehalfterte Landes- oder Bundespolitiker würden generall nach Brüssel entsorgt. Das Europäische Parlament galt als machtlose, also überflüssige Instanz. 1958 konstituierte sich das Parlament erstmals – als eine Art parlamentarische Versammlung innerhalb der Montan-Union, der Urzelle der heutigen EU. Damals wurden die Abgeordneten von den Regierungen entsandt und waren meist nationale Parlamentsvertreter, die über doppelte Mandate verfügten und allenfalls Kontroll- oder Informationsrechte geltend machen konnten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Davon kann heute längst nicht mehr die Rede sein. Das Europäische Parlament ist gemeinsam mit der EU-Kommission und derMinisterrat der 27 EU-Regierungen&lt;br /&gt;ein einflussreicher Teamplayer im europäischen Führungs-Dreigestirn. Die 785 Europaabgeordneten teilen sich mit dem Ministerrat die Gesetzgebungsgewalt und entscheiden bei über zwei Dritteln der EU-Gesetzesvorschläge gleichberechtigt mit. In Bereichen wie Umweltpolitik, Verkehr, Konsumentenschutz, Einwanderung und allen Angelegenheiten, die den Binnenmarkt betreffen, kann das Parlament Gesetzesvorschläge der EU-Kommission annehmen, abändern oder ablehnen. So lehnten die Abgeordneten beispielsweise im Juli 2005 einen Vorschlag der Kommission zur Patentierbarkeit von Software-Erfindungen ab – was das Aus für zahlreiche kostenlose »Open-source«- Programme bedeutet hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angesichts der Tatsache, dass schon heute die nationalen Parlamente in wesentlichen Politikbereichen nicht mehr frei entscheiden können, weil EU-Recht bereits in wesentlichen Teilen einzelstaatliches Recht bestimmt, lohnt es sich also durchaus, ein Kreuzchen auf dem Europawahlschein zu machen. Und hier setzt auch die Europawahlkampagne inhaltlich ein, indem sie versucht, den Gestaltungsspielraum des Parlaments zu kommunizieren. Die Kampagne konzentriert sich auf wichtige gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Kernbereiche, in denen die Wähler die Richtung vorgeben können. Es geht um Fragen wie: Soll es mehr oder weniger Sicherheit geben? Wie viel Kontrolle soll über die Finanzmärkte ausgeübt werden? Wird Europa eine Festung, um sich gegen illegale Einwanderer abzuschotten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei setzt das Europäische Parlament auf den »Obama-Effekt«: Der amerikanische Präsidentschaftsbewerber war in sämtlichen Social-Media-Sites präsent, mobilisierte so gerade auch Jungwähler und gab sich ein trendy-sexy Image. Das soll jetzt bei den Europawahlen funktionieren. MySpace, Facebook oder Flickr sollen Stimmen bringen – gerade auch unter Jungwählern. Einen eigenen TV-Kanal bei Youtube hat das Parlament bereits. In anderen Social-Media-Sites ist allerdings noch nicht viel Parlamentsaktivität zu sehen. Allein das österreichische Informationsbüro des Europäischen Parlaments hat einen aktiven Account bei Facebook – mit 846 geaddeten Nutzern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daneben gibt es aber auf Facebook noch weitere Accounts mit Parlamentsbezug. Die haben allerdings User angelegt. Zwei Gruppen spielen etwa auf die jahrelange Diskussion an, ob das Parlament weiter sowohl in Frankreich als auch in Belgien tagen soll. Zur Zeit liegt Straßburg im Rennen: die Gruppe »Pour que le Parlement Européen reste à Strasbourg« hat 1,037 Mitglieder, die Gruppe »Pour que le Parlement Européen reste à Bruxelles« nur 349. Eine andere Gruppe hat eine klare Botschaft: »Fuck the European Parlament«. Hier sind zur Zeit nur 15 Nutzer Mitglied. Noch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Links: &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die offizielle Wahlseite des Europäischen Parlaments: &lt;a href="http://www.europarl.europa.eu/elections2009/default.htm?language=de"&gt;Hier&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Seite des Informationsbüro für Deutschland: &lt;a href="http://www.europarl.de/export/index.html"&gt;Hier&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Das Europäische Parlament auf Wikipedia: &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Parlament"&gt;Hier&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-3593180813748477156?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/3593180813748477156/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=3593180813748477156' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3593180813748477156'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3593180813748477156'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2009/04/die-europawahl-das-unbekannte-wesen.html' title='Europawahl goes 2.0'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SdUwMCtgFnI/AAAAAAAAAMA/K4SnkDs1g3Q/s72-c/Europawahl+2009.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-3039954151692350889</id><published>2009-02-17T00:02:00.000-08:00</published><updated>2009-04-02T14:46:10.743-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europäisches Parlament'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Klimaschutz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europäische Jugendforen'/><title type='text'>Europa-Politikexperten für einen Tag</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Jugendliche diskutieren mit Europaabgeordneten über Klimapolitik: Das ist das Prinzip der &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Europäischen Jugendforen&lt;/span&gt;. Im Dezember 2008 fand die Veranstaltung in Potsdam statt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SZpwFfdp9CI/AAAAAAAAALo/Ffgu9bw63fY/s1600-h/Europ%C3%A4isches+Jugendforum_Glante.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5303674750829720610" style="margin: 0px 10px 10px 0px; float: left; width: 320px; height: 213px;" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SZpwFfdp9CI/AAAAAAAAALo/Ffgu9bw63fY/s320/Europ%C3%A4isches+Jugendforum_Glante.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Erklärte Europapolitk: MdEP Norbet Glante (SPD)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: normal; font-style: italic;font-size:100%;" &gt;&lt;br /&gt;Beitrag für &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span style="font-style: italic;font-size:100%;" &gt;&lt;a href="http://www.blogger.com/www.europarl.de"&gt;www.europarl.de&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Jonas hat eine dringende Frage. Der 19-jährige Gymnasiast steht im Landtag Brandenburg in Potsdam, hält ein Mikrofon in der Hand und fragt mit selbstbewusster Stimme: „Sie haben in Straßburg Strafgebühren gegen Spritfresser beschlossen, gleichzeitig aber eingebaut, das Gesetz in ein paar Jahren kippen zu können. Warum machen Sie denn so etwas, wenn Sie das Klima retten wollen?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Norbert Glante, Europaabgeordneter (SPD) hat interessiert zugehört. Er sitzt hinter einem braunen Rednerpult, rechts die Europaflagge, links die Landesflagge. Neben ihm sitzt Jens Klocksin, Landtagsabgeordneter (SPD) und Mitdiskutant. Vor den beiden sitzen heute 98 Schülerinnen und Schüler von fünf Potsdamer Gymnasien und warten gespannt auf eine überzeugende Antwort. „Ich sehe nicht, dass das Gesetz gekippt wird", erklärt Glante freundlich. Man habe lediglich Review-Klauseln eingebaut, um das Gesetz 2013 überprüfen zu können. „Wir haben auch nicht die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Politik ist Trial and Error."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Politik verständlich machen – das ist das Ziel der Veranstaltungsreihe &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Prima Klima? Europäisches Jugendforum&lt;/span&gt;, die das deutsche Informationsbüro des Europäischen Parlaments seit Herbst 2008 organisiert. Die Reihe richtet sich an Erst- und Jungwähler und wird in Kooperation mit den Landtagen der Bundesländer durchgeführt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wichtigster Bestandteil der Foren sind Diskussionen mit Europa-Abgeordneten sowie Abgeordneten der Landtage zum aktuellen Thema „Energie und Klimaschutz." Jugendlichen soll dabei vermittelt werden, dass aktuelle Probleme Lösungen auf regionaler und europäischer Ebenen erfordern – und durch konstruktive Arbeit gelöst werden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Veranstaltungen fanden bisher mit viel Erfolg in Mainz, Schwerin und Potsdam statt. Nächste Station ist Erfurt, gefolgt von Kiel und Bremen. Vorgesehen ist, dass in jedem Bundesland ein Jugendforum stattfindet. Die Jugendlichen werden dabei im Vorfeld durch einen Referenten mit der Problematik vertraut gemacht und erhalten eine Materialmappe. Damit erarbeiten die Jugendlichen einen gemeinsamen Standpunkt, der anschließend mit den Europaabgeordneten diskutiert wird. Im Anschluss an die Diskussion findet eine Abstimmung statt – also fast so wie in der richtigen Politik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SZpwxibRXjI/AAAAAAAAALw/SK1Riu6QZgc/s1600-h/Europ%C3%A4isches+Jugendforum_Potsdam.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5303675507539271218" style="margin: 0px 10px 10px 0px; float: left; width: 320px; height: 213px;" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SZpwxibRXjI/AAAAAAAAALw/SK1Riu6QZgc/s320/Europ%C3%A4isches+Jugendforum_Potsdam.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Klare Meinung: Jugendliche auf dem Forum&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei diskutierten die Jugendlichen kontrovers und erkennen klar die Probleme rund um das Thema &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Biokraftstoffe und CO2-Reduzierung&lt;/span&gt;. So erklärte eine Schülerin, dass sie keinen Klimaschutz zu Lasten der Dritten Welt wolle: „Wenn wir mehr Biodiesel verbrauchen, verhungern in Afrika die Leute, weil dann die Lebensmittelspreise steigen." Ein Schüler fragte kritisch, ob auch nur einer bereit sei, wirklich auf Konsum zu verzichten, um das Klima zu retten. „Ehe wir große Reden halten, sollten wir bei uns selbst anfangen." Der Meinung war auch der Europabgeordnete Glante an und sagte, dass er eine Jahreskarte des öffentlichen Nahverkehrs besitze. „So senke ich persönlich meinen CO2-Ausstoß."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass im Prinzip nur durch den Verzicht auf Konsum das Klima gerettet werden kann, darüber waren sich die Nachwuchs-Politikexperten zum Abschluss des ganztägigen Forums bei der Abstimmung einig. Auch Jonas hat am Ende für den Konsumverzicht gestimmt. „Ich werde jetzt versuchen, mehr Äpfel aus der Region zu essen anstatt Bananen aus Übersee."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Links:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.europaeisches-jugendforum.de/web/"&gt;http://www.europaeisches-jugendforum.de/web/&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.europarl.de/export/jugend/Jugendforen/Europaeisches_Jugendforum.html"&gt;http://www.europarl.de/export/jugend/Jugendforen/Europaeisches_Jugendforum.html&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Landtag Brandenburg (Potsdam)&lt;/em&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-3039954151692350889?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/3039954151692350889/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=3039954151692350889' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3039954151692350889'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3039954151692350889'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2009/02/prima-klima-politikexperten-fur-einen.html' title='Europa-Politikexperten für einen Tag'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SZpwFfdp9CI/AAAAAAAAALo/Ffgu9bw63fY/s72-c/Europ%C3%A4isches+Jugendforum_Glante.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-4376812811198128972</id><published>2008-08-16T04:55:00.001-07:00</published><updated>2009-03-29T11:50:27.029-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tom Cruise'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sekte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Anonymous'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Scientology'/><title type='text'>Die Schatten der Scientologen</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Wo immer Scientology einen Stand aufbaut sind sie nicht weit: Die Anonymous-Leute kämpfen gegen die Organisation, die ihre deutsche Repräsentanz in Charlottenburg eröffnet hat - mit Masken, falschen Namen und Informationen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SKbBMKFVQqI/AAAAAAAAAI4/D7YwTPoOLOA/s1600-h/226102_1_Scientologen.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235084031474090658" style="margin: 0px 10px 10px 0px; float: left;" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SKbBMKFVQqI/AAAAAAAAAI4/D7YwTPoOLOA/s320/226102_1_Scientologen.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;F oto: Dirk Laessig/Tagesspiegel&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;(Tagesspiegel, 16.08.08)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz vor 16 Uhr hat die Suche ein Ende. Robert Tonlein*, 27 Jahre alt, schwarzer Anzug, akkurat geknüpfte Krawatte, das Gesicht hinter einer Faschingsmaske versteckt, hat die Scientologen endlich entdeckt. Am Ku’damm oder auf dem Potsdamer Platz, wo sie bisher jeden Samstag standen, hat er sie nicht gesehen. Die Anhänger haben heute ausnahmsweise am Alexanderplatz ihren Infostand aufgebaut. Dort versuchen sie, Passanten davon zu überzeugen, einen „Stresstest“ zu machen. Der endet dann mit der Diagnose von Schwächen – und dem Angebot, Scientology könne mit Kursen helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Hilfe bietet die Organisation, die sich als „Religion“ versteht, nicht ganz uneigennützig an. Mehrere Tausend Euro kosten einzelne Kurse – Aussteiger werfen der Organisation vor, Anhänger finanziell auszuplündern. „Wir halten Scientology für eine Psychosekte, die massiv Menschenrechte verletzt“, sagt Tonlein. „Wir möchten potenzielle Opfer schützen, indem wir über Scientology aufklären – mit friedlichen Mitteln.“Gemeinsam mit drei Mitstreitern, auch sie in schwarzen Anzügen und mit Maske vorm Gesicht, bezieht er unweit des Standes Position. Mit lauter Stimme warnen die Maskenträger Passanten davor, einen Stresstest zu machen oder die grellbunten Flyer anzunehmen. Die Passanten gucken amüsiert bis irritiert. Der Stand, auf dem zwei Stresstest-Geräte stehen – simple „Lügendetektoren“ – bleibt verwaist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SKbD5mma9-I/AAAAAAAAAJA/loUgPvpjxVg/s1600-h/bild.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235087011246438370" style="margin: 0px 10px 10px 0px; float: left;" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SKbD5mma9-I/AAAAAAAAAJA/loUgPvpjxVg/s320/bild.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                Foto: markonymous/Flickr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Februar 2008 kämpft die weltweit agierende Protestgruppe „Anonymous“ gegen Scientology. Damals tauchte im Internet ein Video auf, das den Schauspieler und bekennenden Scientologen Tom Cruise vor fanatisierten Anhängern zeigte. Da die Rhetorik des Hollywood-Idols an Reichspropagandachef Goebbels erinnerte, bemühte sich die Sekte, das Video zu zensieren und aus dem Internet zu entfernen. „Anonymous“ gründete sich spontan in einem Internetforum und legte wenig später die Homepage der Organisation lahm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von illegalen Aktionen hat sich die Gruppe aber inzwischen verabschiedet. An Aktionstagen, die weltweit stattfinden, treffen sich die Maskenträger stattdessen zu Demonstrationen – meistens direkt vor den jeweiligen Hauptsitzen von Scientology. Am heutigen Sonnabend findet der Protest schon zum siebten Mal statt. In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart werden die „Men in black“ protestieren. In Berlin gehören etwa 100 Mitstreiter zu „Anonymous“. Der Name gehört bei den Sektengegnern gewissermaßen zum Programm. Aus Sorge vor Infiltrationsversuchen wahren die Aktivisten nämlich strikte Anonymität – selbst untereinander. Sie haben spezielle Handynummern, reden sich nur mit Spitznamen an und verabreden sich nur durch anonymisierte E-Mail-Verteiler.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tonlein, der als Webmaster arbeitet, ist von Anfang an dabei. Er sagt, dass er sich engagiere, weil er jede Art der Zensur ablehne – so wie seine Mitstreiter. Ein persönlicher Grund sei auch ein Onkel: Der geriet einst in die Fänge der Organisation. „So habe ich hautnah miterlebt, wie Scientology Familienbindungen zerstört und Menschen psychisch vernichtet.“ Deshalb nimmt er ein- bis zweimal pro Woche an sogenannten „Blitz-Raids“ teil: Aktionen, bei denen Werbeversuche der Scientologen auf der Straße behindert werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So wie heute.Scientology nimmt die Maskenträger offensichtlich ernst. Nur 20 Minuten, nachdem sie Position bezogen haben, fährt ein Polizeiwagen vor. Der Beamte spricht kurz mit dem Chef des Standes. Der beklagt sich über die massive „Werbebeeinträchtigung“ durch die Maskenaktivisten, und dass dadurch rund 70 Prozent weniger Interessierte kämen. Der Polizist nickt, geht dann zu Tonlein und weist ihn freundlich darauf hin, mehr Abstand zum Infostand zu halten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Rechtlich gesehen bewegen wir uns in einer Grauzone, aber die Polizei hat glücklicherweise etwas Ermessensspielraum“, sagt Tonlein später und drückt gleichzeitig einer jungen Mutter einen Infozettel in die Hand. Auch eine ältere Dame will jetzt einen Infozettel und klopft ihm wohlwollend auf die Schulter, Jugendliche lassen sich mit ihm fotografieren und wollen wissen, wo es die „coolen Masken“ gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei sind die kein Gimmick, sondern purer Selbstschutz. Scientology sei dafür bekannt, Gegner mit Mitteln wie Rufmord zu bekämpfen. Deshalb hat Tonlein am Arbeitsplatz und im Freundeskreis sein Engagement öffentlich gemacht. Er will so möglicher Gerüchteverbreitung entgegentreten. Ein Scientologe habe schon versucht, ihn bis zu seinem Auto zu verfolgen. Seine Maske ist bewusst gewählt. Sie stammt aus dem Science-Fiction-Film „V wie Vendetta“, wo ein einsamer Held gegen ein totalitäres System kämpft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der heutige Aufklärungskampf der vier Maskenträger scheint erfolgreich zu sein. Eine knappe Stunde nach ihrer Ankunft packen die Scientologen ihren Infostand zusammen. „Die heutige Aktion war ein echter Erfolg“, sagt Robert Tonlein und steckt sich eine Zigarette unter der Maske an. „Normalerweise bleiben die drei Stunden länger.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;*Name geändert&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-4376812811198128972?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/4376812811198128972/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=4376812811198128972' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4376812811198128972'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4376812811198128972'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/08/die-schatten-der-scientologen_16.html' title='Die Schatten der Scientologen'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SKbBMKFVQqI/AAAAAAAAAI4/D7YwTPoOLOA/s72-c/226102_1_Scientologen.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-3345044906568321912</id><published>2008-06-23T11:13:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T11:51:14.145-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Henry Ries'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin-Blockade'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tempelhof'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Luftbrücke'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><title type='text'>Mann für besondere Momente</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Henry Ries verlässt 1938 seine Heimat Berlin. Zehn Jahre später dokumentiert der Fotograf die Luftbrücke. Er hat die Stadt geliebt, sagt seine Witwe. Eine Begegnung.&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:85%;" &gt;(Jüdische Allgemeine, 19. Juni 2008)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SGOhxlD1xpI/AAAAAAAAAGE/JvZxo7eH-3E/s1600-h/ries.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5216190666559047314" style="margin: 0px 10px 10px 0px; float: left;" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SGOhxlD1xpI/AAAAAAAAAGE/JvZxo7eH-3E/s320/ries.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold; text-align: left;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Foto: Henry Ries/DHM&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;"&gt;Ehe sie nach oben geht, hält sie für einen Augenblick inne. Sie setzt sich auf die Marmorbank, die an der Seitenwand eingelassen ist und schaut auf weiße Säulen, die sich in sechs Metern Höhe im Halbdunkel verlieren. Ihr rechter Arm liegt auf der Lehne, die Hand streicht liebevoll über den Marmor. „Schön, nicht? So etwas Kostbares wird&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;heute wohl nicht mehr gebaut“, sagt Wanda Ries, 62. „Auf der Bank hat sich Henry als kleiner Junge die Rollschuhe angezogen. Daran denke ich oft."&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Wanda Ries, das "R" rollt die gebürtige Münchnerin mit amerikanischem Akzent, sitzt in der Eingangshalle eines Mietshauses unweit des Berliner Kurfürstendamms. Hier wurde Henry Ries, der „Fotograf der Luftbrücke“, 1917 als Heinz Ries geboren. Oben im vierten Stock besaß sein Vater, liberaler Jude und Leinenfabrikant, eine weiträumige Wohnung. Das imposante Jugendstilhaus hat den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden.&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;Seit 1987 residiert in der 15-Zimmerwohnung die Berliner Aids-Hilfe. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Im einstigen Salon der Ries’ gibt es Veranstaltungen, im ehemaligen Kinderzimmer von Henry Ries suchen HIV-Erkrankte Hilfe. „Er hat sich sehr gefreut, dass seine ehemalige Wohnung einem gemeinnützigen Zweck dient“, erzählt Wanda Ries, als sie später auf dem hellen Lindenparkett des einstigen Raucherzimmers steht. Heute sitzen hier die Besucher der Beratungsstelle an Tischen, trinken Kaffee oder blättern in Zeitschriften. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Wanda Ries lebt heute in New York. Dort verbrachte sie 29 Jahre an der Seite von Henry Ries. 2004 starb der Fotograf. Seine Urne liegt auf dem Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf. Deshalb kommt sie regelmäßig an die Spree. Oft sucht sie dann auch die einstige Wohnung auf. „Ich spüre hier ganz stark seine Gegenwart“, sagt sie, während sie durch die Räume schlendert. „Das, was mich hierher zieht, ist die Vorstellung, wie Henry als Jugendlicher durch die Wohnung getobt ist. Er war ein sehr sportlicher Mensch, eigentlich bis zuletzt.“ Oft denke sie dann an die Anekdoten, die er ihr aus seiner Jugend erzählt habe. „Zum Beispiel hat er in den weitläufigen Fluren mit seinem Bruder Fußball gespielt. Dabei wurde einmal eine kostbare Vase zerstört. Ärger gab es nicht, er hatte ein tolerantes Elternhaus und eine glückliche Kindheit.“ &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Daran erinnert eine kleine Fotodokumentation, die Wanda Ries in den Räumen der Aids-Hilfe organisiert hat. Die Ausstellung spannt einen Bogen um sein ganzes Leben. Da zeigt ein Bild den kleinen Henry mit den zwei Geschwistern, ein anderes die Mutter mit Perlenkette und modischem 20er-Jahre-Kurzhaarschnitt. Und der Vater sitzt mit Zigarre und Fliege auf einem Gartenstuhl. Eine ganz normale deutsche Familie, die Weihnachten einen Tannenbaum mit Lametta im Salon aufstellte, aber eben auch Pessach feierte. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Die kulturelle Symbiose nimmt 1933 ihr Ende. Henry Ries, der hervorragend Klavier spielte, wollte eigentlich Dirigent werden. Daraus wird nichts nach der Machtübernahme der Nazis. Wie so viele jüdische Deutsche erlebt Henry die schleichende Ausgrenzung und Entrechtung in der eigenen Heimat. Seit 1937 versucht er deshalb, mit der Familie Deutschland zu verlassen. Die Einreise in die USA gelingt aber erst 1938. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Dort schlägt sich Henry Ries mit Gelegenheitsarbeiten durch. Als die USA dem „Dritten Reich“ den Krieg erklären, will er in die amerikanische Armee eintreten. Doch Ries gilt als „feindlicher Ausländer“. Am Ende wird er sich aber durchsetzen. Ries kämpft allerdings nicht in Europa, sondern im Südpazifik – und ohne Waffe. Er ist Fotoaufklärer und dokumentiert Bombenschäden. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Das Kriegsende erlebt Ries in Kalkutta. Schon bald wird er nach Europa beordert und erhält einen Spezialauftrag. In einer österreichischen Salzmine werden 36 Holzkisten gefunden: das „Geheimarchiv" von SS-Chef Heinrich Himmler. Henry Ries soll mit einem Übersetzerteam den Fund sichten und reist nach London. In den Kisten befinden sich die Berichte der SS-Ärzte, die Himmler über den Fortgang ihrer Experimente an KZ-Häftlingen informieren. „Das hat ihn sehr aufgewühlt“, sagt Wanda Ries. „Es war für ihn unvorstellbar, dass es einen solchen Morast an moralischer Verkommenheit überhaupt geben konnte.“ Als Ries dann erfährt, dass seine Großmutter nach Theresienstadt verschleppt und seine Tante in Auschwitz ermordet wurde, steht für ihn fest, nie wieder nach Deutschland zu gehen. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Doch im Herbst 1945 wird der Soldat Ries nach Berlin versetzt. „Er musste also zurückkommen. Als er das ganze Ausmaß der Zerstörung sah, all die Elendsgestalten, bekam er Mitleid. Henry war im Grunde ein überzeugter Humanist, glaubte an das Gute im Menschen.“ Und er realisierte, dass nicht alle Deutschen Überzeugungstäter und Mitläufer waren, sagt seine Witwe. Er selbst habe es immer als eine Gnade empfunden, Jude zu sein: „So konnte er nicht zum Täter werden.“ &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Henry Ries hatte aber auch Schuldgefühle. „Er fragte sich, warum gerade er überlebt hatte, obwohl doch so viele Millionen ermordet wurden.“ Wirklich auseinandergesetzt habe er sich mit dieser Frage aber erst in seinen letzten Lebensjahren. Ries reist nach Auschwitz und Theresienstadt, sucht Spuren seiner ermordeten Verwandten und dokumentiert, wie an die Schoa erinnert wird (Auschwitz, 1997). In einem anderen Fotoband (Abschied meiner Generation, 1992) porträtiert er die Generation, der auch er angehört. Ries reist durch Deutschland, trifft ehemalige Wehrmachtssoldaten, unverbesserliche Nazis und Opfer des NS-Regimes. Mit der Kamera hält er fest, wie sich die Geschichte in ihre Gesichter gegraben hat. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Diese Fotoarbeiten stehen immer noch im Schatten der Bilder, die er während der Berliner Blockade schuf: Im Juni 1948 sperren die Sowjets den Zugang zu den Westsektoren. Stalin will die Ruinenstadt hinter den Eisernen Vorhang zwingen. Die Amerikaner antworten mit der Luftbrücke: Elf Monate lang fliegen sie, mit Unterstützung der Briten, mehr als zwei Millionen Tonnen Lebensmittel und Brennstoffe ein (siehe Infokasten). &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Henry Ries, der seit April 1946 als Fotoreporter für eine Nachrichtenillustrierte der US-Army arbeitet, hetzt zwischen den verschiedenen Schauplätzen der Blockade hin und her. Er lichtet startende und landende Flugzeuge ab und freundlich winkende Piloten. Die Bilder erscheinen großformatig auf den Titelseiten der Illustrierten. So dokumentiert er den Bau des Flughafens Tegel, zeigt die Trümmer abgestürzter Flugzeuge inmitten von Häuserruinen, und wie die Westberliner mit der Blockade leben. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Die Luftbrücken-Bilder begründeten Ries’ Ruhm als Pressefotograf. Sie fanden Eingang in das kollektive Gedächtnis auf beiden Seiten des Atlantiks. Der deutschamerikanische Verbrüderungsmythos: Henry Ries, der vertriebene deutsche Jude, gab ihm sein Gesicht. 2008, das Jahr des 60. Jubiläums der Luftbrücke, ist also auch „Henry-Ries-Jahr“. Immer dann, wenn irgendwo an die Luftbrücke erinnert wird, findet sich Ries’ Bild des Rosinenbombers, der über eine Gruppe fröhlich winkender Kinder fliegt. Millionenfach reproduziert, wurde es zu einer Ikone.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Das Bild selbst sei wie alle seine Aufnahmen eine bewusste Momentaufnahme gewesen, sagt Wanda Ries. „Er hat nie einfach drauflosgeknipst, sondern lange eine Situation beobachtet und dann komponiert. Er ließ sich vom Augenblick inspirieren, suchte das Einmalige im Alltäglichen. Sein Ziel war es, aus der Masse das Individuum herauszuarbeiten.“ Auf das Rosinenbomber-Bild sei Henry besonders stolz gewesen. Er sei der Einzige gewesen, der auf die Trümmerhügel rund um Tempelhof hinaufkletterte und ein solches Motiv aufgenommen habe. „Als der Rosinenbomber angeflogen kam, hat er die Kinder gebeten, nicht in seine Richtung zu schauen. Nur ein Mann dreht sich um und blickt direkt den Betrachter an. So schließt sich ein Kreis. Vielleicht macht das die Einmaligkeit des Bildes aus.“ &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;1955 zieht sich Ries aus dem Journalismus zurück und eröffnet in Manhattan ein Studio für Werbefotografie. Rund 20 Jahre dauert es, bis er wieder nach Berlin kommt. Er habe eigentlich mit Deutschland abgeschlossen, erzählt Wanda Ries. „Er fühlte sich als Amerikaner, sprach kein Deutsch mehr.“ Doch 1973 kommt Post aus Berlin. Zum 25. Jahrestag der Blockade plant die Landesbildstelle eine Ausstellung mit seinen Fotos, Henry Ries wird eingeladen. Zum ersten Mal sieht er die Mauer, für ihn eine absurde, kafkaeske Monstrosität. So enstehen zahlreiche Bilder des „antifaschistischen Schutzwall“, den die SED-Oberen quer durch Berlin gezogen haben.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Für eine Ausstellung seiner Mauer-Fotos sucht der Fotograph eine Assistent. Freunde vermitteln ihm Wanda Ries. So eloquent sie heute aus Henry Ries’ Leben berichtet, so diskret ist sie, wenn es um ihr Privatleben geht. „Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt“, sagt sie freundlich, aber bestimmt. Alles, was sie sagt, ist, dass ihr Großvater als Gegner des NS-Regimes in Dachau war und dass sie keine Jüdin ist. Sie hat Kunstpädagogik studiert, später dann noch einmal Kunst in New York. Heute sichte sie vor allem den Nachlass ihres Mannes. Der soll bald komplett in der deutschen Hauptstadt aufbewahrt werden. „Das war Henrys Wunsch. Er wollte das alles in Berlin wissen. Er hat diese Stadt geliebt.“ &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Info &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Die Luftbrücke 1948/49&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Wenige Tage nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen wird die D-Mark auch in den Westsektoren Berlins eingeführt. In der Nacht zum 24. Juni 1948 sperren daraufhin sowjetische Truppen alle Zufahrtswege nach West-Berlin. Doch auf Initiative von Militärgouverneur Lucius D. Clay stellen die USA und Großbritannien über eine Luftbrücke die Versorgung der Stadt sicher. Mit mehr als 270.000 Flügen werden rund 2,3 Millionen Tonnen Fracht transportiert. Alle zwei bis drei Minuten landet eine Maschine in Berlin. „Rosinenbomber“ nennt der Volksmund die Flugzeuge. Die Blockade endet am 12. Mai 1949. &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;&lt;b&gt;Ausstellungen: &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;„Brennpunkt Berlin: Die Blockade 1948/49. Der Fotojournalist Henry Ries“. Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin. Noch bis zum 21. September, täglich 10 - 18 Uhr&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Fotoausstellung über Henry Ries in den Räumen der Berliner Aidshilfe, Meinekestraße 12, 10719 Berlin. Montag bis Donnerstag 10 - 18 Uhr, Freitag 10 - 15 Uhr&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Die Autobiografie:&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="text-align: left;"&gt;Henry Ries: „Ich war ein Berliner. Erinnerungen eines New Yorker Fotojournalisten“. Parthas Verlag, 220 Seiten, 35 Euro &lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-3345044906568321912?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/3345044906568321912/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=3345044906568321912' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3345044906568321912'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3345044906568321912'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/06/mann-fr-besondere-momente.html' title='Mann für besondere Momente'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SGOhxlD1xpI/AAAAAAAAAGE/JvZxo7eH-3E/s72-c/ries.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6377388691713652875</id><published>2008-06-23T10:56:00.001-07:00</published><updated>2009-03-29T12:02:32.508-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='NS-Mord'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Massengrab'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nazis'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Shoa'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Jamlitz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Juden'/><title type='text'>Das unentdeckte Massengrab</title><content type='html'>&lt;b&gt;Auf einem Grundstück in Brandenburg vermuten Historiker ein Massengrab aus der NS-Zeit. Der Eigentümer verhindert seit Jahren eine Erforschung. Bisher erfolgreich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/b&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Jüdische Allgemeine, 21. Februar 2008)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SF_msK30ThI/AAAAAAAAAF8/0xn2ho-LJLA/s1600-h/P1010037.JPG"&gt;&lt;img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SF_msK30ThI/AAAAAAAAAF8/0xn2ho-LJLA/s320/P1010037.JPG" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5215140540025425426" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/b&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:78%;" &gt;Foto: André Glasmacher&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;Der rote Trabbi, der auf dem Nachbargrundstück hinter Maschendrahtzaun verrottet, ist Bernd Boschan schon lange ein Dorn im Auge. „Das ist kaum der Würde des Ortes angemessen“, sagt der 50-jährige und lässt missbilligend den Blick über das gammlige DDR-Vehikel schweifen.    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Bosch trägt graumeliertes Haar ein gepflegten Schnauzer und ist Amtsdirektor der 611-Gemeinde Jamlitz im Oberspreewald. Mehr Ärger als der roter Trabbi macht ihm seit Jahren  ein verwahrlostes Grundstück, an dem er jetzt steht. Hier sollen Historikern zufolge die Überreste von 750 jüdischen KZ-Häftlingen liegen – das größte noch unentdeckte Massengrab aus der NS-Zeit.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Seit Jahren versucht Boschan den Verdacht zu klären, doch der Besitzer des Terrains hintertreibt erfolgreich alle Aufklärungsversuche. Bereits im April 2007 wandte sich Boschan an das Amtsgericht Guben, um eine einstweilige Grabungsverfügung zu erhalten – die zuständige Richterin lehnte dies ab. &lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Dagegen reichte Boschan eine Beschwerde beim Cottbuser Landgericht  ein – die wurde jetzt zurück gewiesen. Das Gericht betonte, dass es einen „hohen moralisch-ideellen Wert“ gebe, die Opfer zu bergen, machte aber deutlich, dass keine rechtliche Grundlage gebe, auf dem  Grundstück gegen den Willen des Besitzers graben zu lassen. Boschan wird das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, „vorrausichtlich“ beim Brandenburgischen Oberlandesgericht anfechten.  &lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Warum sich der Besitzer gegen eine Aufklärung des Massenmords wehrt, kann Boschan dabei nicht sagen. „Mal berief er sich darauf, dass durch Grabungen der Erholungswert seines Grundstückes gemindert würde. Dann wollte er eine Zusage, dass auf keinen Fall keine Gedenkstätte eingerichtet wird“, erzählt der Amtsdirektor und schüttelt ratlos den Kopf.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Hans Hirtinger selbst ist an diesem Frühlingstag nicht auf seinem Grundstück anzutreffen. Kein Zufall – der 50-jährige lebt schon seit Jahren in Bayern. In Jamlitz wird der Baustoffvertreter nur noch selten gesichtet. Sein Haus, das sich als dunkler Punkt gegen den düsteren Himmel abhebt, wirkt unbewohnt. Von den Fensterrahmen platzt der Lack ab, die Glasscheiben sind verdreckt, Klingel und Namensschild fehlen.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Das Jamlitzer Massengrab beschäftigt auch den Zentralrat der Juden. „Es ist sicher, dass es in Jamlitz ein Massengrab gibt. Doch die Erforschung wird verhindert. Es ist unglaublich“, sagt Peter Fischer, zuständig für Gedenkstätten und Erinnerung. Fischer wundert sich, mit welcher Vehemenz sich der Grundstückbesitzer gegen Grabungen sperrt: „Man kann eigentlich nur Antisemitismus vermuten.“ &lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ob Hans Hirtinger ein Antisemit ist, darüber will Boschan nicht spekulieren. „Dazu kenne ich den Mann zu wenig.“ Er hat einmal mit ihm telefoniert und beschreibt ihn als „zurückhaltend.“ Nachbarn erzählen, dass Hirtinger „seltsam“ sei. Ansonsten wird viel gemunkelt: Als Hirtinger-Senior in den 50er Jahren das Haus baute, sei er beim Anlegen der Fundamente auf die Überreste der KZ-Häftlinge gestoßen und habe das Ganze vertuscht. Solche Gerüchte will Boschan nicht kommentieren.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Dass sich tatsächlich ein Massengrab auf dem Grundstück befinden könnte, ist zumindest plausibel. Hirtingers Haus, ebenso wie die gesamte Siedlung, stehen auf einem ehemaligen Außenlager des KZ Sachsenhausen. Zwischen 1943 und 1945 waren hier etwa 8.000 Häftlinge interniert. Dort, wo heute gepflegte Bungalows und Rosenstöcke stehen, dort wo sich akkurat geharkte Wege um Gartenzwerge schlängeln, standen einst die Holzbaracken der KZ-Häftlinge.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Im Frühjahr 1945 wurde das Lager aufgelöst. Die marschfähigen Häftlinge, etwa 1.600 Männer, mussten sich auf einen 100 Kilometer langen Todesmarsch in Richtung Sachsenhausen begeben. Kranke und Geschwächte blieben im Lager zurück. Unmittelbar nach dem Abmarsch der Häftlingskolonne begann SS-Truppen mit ihrer Ermordung.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Massaker und Geschichte des Außenlagers sind heute auf Informationstafeln dokumentiert, die seit 2003 in Jamlitz über das Geschehen aufklären. Bis dato erinnerte in dem Dorf nichts an das KZ, die Lager-Geschichte wurde zu DDR-Zeiten verdrängt. Nach 1945 nutzte nämlich die sowjetische Besatzungsmacht das ehemalige KZ zur Internierung von Nazi-Verbrechern und vermeintlichen „Spionen.“ Tausende kamen in dem Lager um.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Eine richtige Suche nach den SS-Opfern beginnt erst im November 1970. Ehemalige Häftlinge des KZs fahren nach Jamlitz, um zu erkunden, ob man hier eine Gedenkstätte einrichten könnte. Sie stoßen auf ein Gerücht: In der Gegend, vielleicht sogar auf dem Gelände des Außenlagers, gebe es ein Massengrab.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nun setzt eine groß angelegte Suche ein. In einer alten Kiesgrube, in der bereits 1959 einige Skelette gefunden wurden, wird erneut gegraben. Schon bald liegen Hunderte von Skeletten frei – insgesamt 577. Einschusslöcher an den Hinterköpfen und Reste gestreifter KZ-Kleidung zeigen, dass es die ermordeten Häftlinge sind.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ein Gutachten von Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, kommt zu dem Schluss, dass im Februar 1945 insgesamt 1.342 Häftlinge ermordet wurden. Bisher fand man 589 Körper. Die restlichen 758 Toten vermutet Morsch unter Hirtingers märkischer Gras-Steppe. Dort, wo Boschan nicht graben lassen darf.&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn es nach Heinz Stempel (Name geändert) ginge, dann könnte noch heute gegraben werden. „Dann wär´ das endlich geklärt“, ruft er über den Zaun. Der 70-jährige Rentner trägt eine graue Arbeitsjoppe und arbeitet in seinem Garten. Sein Haus steht an der Stelle, an der sich einst die Baracken der SS-Blockführer befanden. &lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Eigentlich redet der Rentner nicht mehr mit Journalisten, die sich schon zahlreich durch die Siedlung interviewt haben. „Neulich war ein Amerikaner da. Der wollte wissen, ob wir alle Antisemiten sind!“, empört sich Stempel. Heinz Stempel selbst hätte auch nichts dagegen, wenn die Überreste der KZ-Häftlinge ausgegraben würden, sagt er immer wieder. „Dann wär´ endlich Ruhe hier.“&lt;/p&gt;      &lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn er sich da mal nicht täuscht: Amtdirektor Boschan will bei einem Fund eine Gräbergedenkstätte auf Hirtingers Grundstück anlegen. „Wir wollen die Opfer durch ein sichtbares Zeichen ehren.“ Wenn er denn graben dürfte.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6377388691713652875?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6377388691713652875/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6377388691713652875' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6377388691713652875'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6377388691713652875'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/06/das-unentdeckte-massengrab.html' title='Das unentdeckte Massengrab'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SF_msK30ThI/AAAAAAAAAF8/0xn2ho-LJLA/s72-c/P1010037.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-3041463847781580745</id><published>2008-06-23T10:56:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T11:52:45.145-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fleischer'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='EU-Richtlinie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><title type='text'>Die letzte Wurst</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;b&gt;Fleischermeister Hermann Görlitz muss nach vierzig Jahren schließen. Er kann eine neue EU-Richtlinie nicht umsetzen. Bericht vom letzten Tag&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText3"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Heute morgen war alles so wie immer. Hermann Görlitz (56) ist um 4 Uhr 30 aufgestanden, hat Brot mit Marmelade gegessen, dazu einen Kaffee getrunken und in der Zeitung geblättert. Dann fuhr er in seine Fleischerei. Um 6 Uhr kommt der Kühltransporter und bringt schlachtfrische Schweinehälften. Es wird heute das letzte Mal sein. Morgen wird Görlitz den Laden schließen. Die EU will es so. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Görlitz steht jetzt auf der Hofeinfahrt am Rosenthalerplatz in Berlin-Mitte. Er ist hager, das Haar ist noch voll. Er trägt einen weißen Kittel und eine braune Brille mit dickem Rand. Links ist seine Fleischerei. Im Schaufenster klebt ein Angebot: „1 Kilo Rinderbraten, 5,99 €.“ Ein guter Preis, findet Görlitz. „Und die Qualität stimmt auch. Können Sie meine Kunden fragen.“&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Seit 30 Jahren arbeitet Görlitz in dem Ladengeschäft. Zu DDR-Zeiten gehörte es zur Handelsorganisation (HO). Görlitz war nur Angestellter, arbeitete aber so, „als wär´ dit meine Fleischerei“, erzählt er, während seine Gesellen und der Lehrling die Schweinehälften vorbei tragen. „Ich bin mit Leidenschaft Fleischer.“ Nach der Wende übernahm er dann den Laden. Die Kunden kamen weiterhin. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Damit wird ab morgen Schluss sein. Dann wird Görlitz umziehen müssen. Eine neue EU-Richtlinie, die sich die Eurokraten in Brüssel ausgedacht haben, schreibt vor, dass Fleischereien, die mehr als 600 Kilo Fleisch im Monat verarbeiten, einen Mindeststandard an Kühltechnik brauchen. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Die teuren Umbaumaßnahmen kann sich Görlitz nicht leisten. Zwar brummt in seinem Kühlhaus moderne Technik, doch die Räume selbst sind nicht aus Aluminium, sondern verkachelt. Zu unhygienisch, sagt Brüssel. „Quatsch“, sagt Görlitz. „In 30 Jahren ist noch keiner an unserem Fleisch gestorben.“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Für ein längeres Gespräch hat er jetzt keine Zeit, er muss die Schweine zu Wurst verarbeiten. „Je frischer das Fleisch verarbeitet wird, desto besser schmeckt es“, sagt er und verschwindet in den Arbeitsräumen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Dort riecht es säuerlich nach Eisen - der Geruch von rohem Fleisch und frischem Blut. Auch ein würziger Geruch nach Pfeffer und Knoblauch liegt in der Luft. Es ist die Gewürzmischung, die der Wurst erst den richtigen „Pfiff“ gibt. Görlitz mischt sie selber an. „Nach einem Geheimrezept – habe ich von meinem Meister.“ Görlitz hält auf Tradition. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Die Arbeitsräume sind an den Wänden weiß gekachelt. Silbrig glänzende Metallgeräte, so groß wie Kühlschränke, stehen in der Mitte. Der Fleischer schneidet die Schweinehälften in Faust große Stücke, die dann durch den Fleischwolf gedreht werden.&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Görlitz lässt sich gerne bei der Arbeit zusehen. „Ich hab´ nüscht zu verbergen. Bei mir kommt nur Qualität in die Wurst“, sagt er. Er steht jetzt vor einem fassgroßen Kessel, in dem ein Rührhaken steckt. Dort kommt die Wurstmasse hinein und wird eine Stunde lang durchmischt. „Ich arbeite ohne Reifemittel und Fertigwürzmischungen.“ Das sei auf-wändig – und werde deshalb nur noch selten gemacht. „Aber hinterher schmeckt man das.“&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Weil er weiß, dass hier die Wurst schmeckt, steht Manfred Herbell vorne an der Verkaufstheke. Der 62-jährige Rentner wohnt ein paar Häuser weiter und kauft hier seit Jahren ein. Hinter der Theke steht Monika Görlitz (45), klein und mit blondierter Dauerwelle. Sie wirkt niedergeschlagen. „Das geht einem schon irgendwie nahe“, sagt sie während sie 150 gr. Jagdwurst abwiegt. „Seit Jahren sind wir hier und jetzt ist einfach Schluss.“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Der Kunde findet drastischere Worte. Manfred Herbell, ein untersetzter Mann mit Halbglatze und Schnurrbart regt sich über „die in Brüssel“ auf, die „den deutschen Mittelstand“ ruinieren. „Es kann doch nicht sein, dass ein Laden nur wegen solcher Schreibtischheinis schließen muss.“&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Hermann Görlitz sieht das ähnlich, will sich aber nicht äußern. „Da kochen sonst die Emotionen hoch.“ Ganz vor dem Nichts steht er aber nicht: Er wird jetzt in Berlin-Pankow etwa 15 km entfernt, eine Fleischerei übernehmen, deren Besitzer in Rente geht. Deshalb blickt er „beruflich eigentlich zuversichtlich in die Zukunft.“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;      &lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left; line-height: normal;" align="left"&gt;&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;Wäre da nicht Frau Dammenhayn. Die 84-jährige wohnt auf der anderen Straßenseite. „Eine alte Kundin von uns.“ Die Rentnerin kann nicht mehr gut gehen. Görlitzs haben auch eine Warmtheke und bringen ihr jeden Mittag ein warmes Essen. „Mal ist es Erbsensuppe, dann Eisbein mit Sauerkraut“, erzählt Görlitz. Damit ist jetzt auch Schluss. Zeitlich wird er das nämlich nicht mehr schaffen.&lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-3041463847781580745?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/3041463847781580745/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=3041463847781580745' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3041463847781580745'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3041463847781580745'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/06/anonymer-protest.html' title='Die letzte Wurst'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-4989455304184913331</id><published>2008-06-16T10:37:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T11:53:13.807-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='zocken'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zocker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Internetwetten'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Pferderennen'/><title type='text'>Die globalen Zocker</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Früher wurde an der Rennbahn um die Ecke gezockt, heute um die ganze Welt. Die Gewinnchancen bleiben weiter gering.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nervös zieht Gerd Grabow (63) an der Zigarette und durchblättert einen Stapel Wettscheine. Er blickt immer wieder auf den Bildschirm, der in Augenhöhe an der Wand gegenüber hängt – unter einem vergilbten Foto, auf dem ein Jockey grinsend einen Goldpokal schwenkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über den Bildschirm blinken Zahlenreihen. Quoten, Sieger und Verlierer wechseln sich ab. Grabow knallt den Zettelhaufen auf den Tisch und brüllt "hätte, hätte, hätte!" Hätte er bloß nicht auf „Dream to me“ gesetzt, sondern auf „Sharifa“ – dann wäre der Zettel, den er jetzt zerknüllt, 600 € wert. „War mal wieder nüscht“ brummt er und nimmt sich einen neuen Wettschein. In 30 Minuten startet das nächste Rennen. Und Grabow wird wieder setzen. „Dies mal wird´s was,“ ist er überzeugt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grabow sitzt mit rund 70 weiteren älteren Zockern im verräucherten „Trabertreff“ auf der Pferderennbahn Berlin-Mariendorf. Es ist Samstagnachmittag. Im Wettbüro stehen Tische aus weißem Resopal, tief hängen Lampen mit goldenen Fransen auf die Tische, die Wände sind dunkel vertäfelt. Der Boden ist gekachelt – er dient auch als „Aschenbecher.“ Zwischen den Tischen und den sechs Schaltern, hinter denen freundlich lächelnde Mädchen die Wetten annehmen, herrscht ein hektisches Hin- und her.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dort, wo keine Bildschirme angebracht sind, auf denen die Quoten blinken, hängen die Kurszettel von Rennen, die heute rund um den Globus ausgetragen werden. In Mariendorf setzen die Zocker global – so wie Grabow. Verliert er in Frankreich, besteht noch in Singapur Hoffnung. Dann ist Istanbul dran – und dann wieder Berlin. Und so weiter. Am Ende eines langen Wetttages hat er manchmal ein Plus – und oft auch ein Minus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit es auf jeden Fall ein Plus wird, schwört Grabow auf die Dreierwette: drei bestimmte Pferde müssen in einer Reihenfolge einlaufen. Zwar bestehen dafür geringe Chancen, doch die Quote ist hoch. „Da lohnt sich dit so richtig“, sagt er. „Dit Wetten.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben Gerd Grabow sitzt Lothar Heineke. Der 59-jährige hat schütteres Haar, das er sorgsam über die kahlen Stellen kämmt, die Bundfaltenhose ist frisch gebügelt. Neben ihm steht eine Sporttasche. Heineke macht in den Wettbüros die Runde und verkauft „Puhma, Raybeen und Gutschi-Sonnebrillen.“ Alles original und zur Hälfte billiger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heinke und Grabow sind „Kumpels.“ Seit Jahren treffen sie sich, wetten, verlieren, gewinnen manchmal und kalauern über „lahme Krücken“ und „dicke Dinger.“ Beide zocken schon seit Jahrzehnten, Heinke weniger intensiv als Grabow. Der schätzt, dass er „sicher ne halbe Million“ verloren hat. Warum er dann nicht aufhört? Er zuckt mit den Achseln. „Aus Langeweile.“ Er wisse nicht, was er sonst in seiner Freizeit tun soll. „Hier sind meine Kumpel, hier gibt´s Bier.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grabow sei „eindeutig spielsüchtig“ sagt Heinke, als „sein Kumpel“ zum Wettschalter springt. Er wettet heute nicht, jedes zweite Wochenende nimmt er eine Auszeit. „Gewinnen tut doch nur der Buchmacher und die Rennstahlbesitzer.“ Er kennt das System, hatte selbst jahrelang einen kleinen Trabrennstall. „Da wird gemauschelt, was dit Zeug hält.“ Gewinne ein Außenseiter, dann sei das kein Zufall. „Dit is allet abgesprochen“, sagt er und winkt abfällig ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grabow kommt jetzt zurück. Über dem karierten Hemd hüpft sein Bierbach, im Mundwinkel hängt eine Zigarette. Er setzt sich und zeigt Heineke, der diesmal nicht wettet, den Schein. „5, 6 und 10 bei 34 auf 7.“ sagt er. „Todsicher.“ Heineke nickt und übersetzt das Zockerkauderwelsch: „Dit erste sind die Pferdenummern, 34 ist die Quote und 7 ist die Rennbahnnummer.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Tipp hat Grabow von Micha, der hier als „Zocker-Legende“ gilt. Micha versucht, das zu berechnen, was eigentlich nicht berechenbar ist: das Glück.„Der studiert nächtelang die Rennlisten, guckt sich ganz genau an, wie die Pferde gelaufen sind“, sagt Grabow und breitet jetzt die Arme aus, zeigt eine Spanne so breit wie eine Sixpack Bier. „Der kommt mit Ordnern, die sind so dick. Der kennt sich aus.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Micha Schmidke, der Glücksmathematiker sitzt mit gekrümmten Rücken, vier Tische weiter. Er ist um die sechzig, das graue Haar ist voll und streng zurück gekämmt. Vor ihm liegt ein dicker Ordner. Daneben akkurat angeordnet, Leuchtmarker. Schmidke schaut mit mürrisch herunter gezogenen Mundwinkeln auf die Bildschirme über ihm. Hin und wieder blättert er in den Ordern, kritzelt auf einem Blatt Papier und tippt auf einem Taschenrechner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hat eine spezielle Formel. „Aus den USA“, sagt er. Tipps gibt er nur gegen Prozente. „Auf Handschlag.“ Micha Schmidke wuchs „quasi“ auf der Trabrennbahn auf. Schon als kleiner Junge half er beim Stallausmisten, später fuhr er selbst im Sulky Trabrennen. Einen Beruf „in dem Sinne“ hat er nicht gelernt. Heute lebt Schmidke davon, dass er Tipps verkauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Reich wird man davon auch nicht“, sagt später Lothar Heinke, der jetzt eindeutig schlechte Laune hat. Heute hat er auch kein Glück. Er hat keine einzige Brille verkaufen können. Er wird jetzt in einem anderen Wettbüro sein Glück versuchen. Aber vorher will er noch wissen, ob Grabow mit dem Tipp von Micha Schmidke gewinnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hocken sich an die Resopaltische, hängen seltsam angespannt und schlaff zugleich in den Stühle, den Blick fest auf den Bildschirm. Der überträgt jetzt live aus Paris. Grabow reißt ein frisches Päckchen Zigaretten auf und wirft einen unruhigen Blick auf seinen Zettel, murmelt sorgenvoll vor sich hin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Pariser Rennpferde, die sich jetzt als braun gescheckte Masse auf dem Bildschirm abzeichnen, hetzen einmal um die Rennbahn. Dann stehen die Sieger fest: „Vorne ist die 10 dann die 4“, liest Heinke vor. Grabow zerknüllt den Zettel. Wieder verloren. „Nicht mal auf Micha kannste dich verlassen“, sagt er und schaut für einen Augenblick entmutigt vor sich hin. Dann nimmt er sich einen neuen Wettschein.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-4989455304184913331?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/4989455304184913331/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=4989455304184913331' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4989455304184913331'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4989455304184913331'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/06/die-globalen-zocker.html' title='Die globalen Zocker'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-141563006295890638</id><published>2008-05-09T11:41:00.001-07:00</published><updated>2009-03-29T11:53:58.399-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücherverbrennung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berliner Opernplatz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Erwin Goldberg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zeitzeuge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nazi-Verfolgung'/><title type='text'>Eingebrannt ins Gedächtnis</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Erwin Goldberg sah vor 75 Jahren bei der Bücherverbrennung der Nazis zu. Der 95-Jährige ist einer der letzten lebenden Augenzeugen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Der Tagesspiegel, 10. Mai  2008)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gebrüll hat er nie vergessen können. Erwin Goldberg schließt die Augen, sein freundliches Lächeln verschwindet. „Wir übergeben den Flammen die Bücher von Erich Kästner und Bertold Brecht...“, zitiert er mit heiserer Stimme und stützt sich fest auf seinen Gehstock.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Goldberg, inzwischen 95 Jahre alt, steht auf dem Bebelplatz neben der Staatsoper, wo Nazis und Studenten heute vor 75 Jahren Tausende von Büchern verbrannten. Er war dabei – unfreiwillig. Damals war er 19, arbeitete als Chorsänger in der Staatsoper. Am Abend des 10. Mai 1933 soll er dort auftreten; in Wagners „Meistersingern“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Goldberg kommt an diesem regnerischen Abend nicht auf die Bühne. Schon von Weitem sieht er die Menschenmenge, die Hakenkreuzfahnen und hört Nazi-Marschlieder. „Die verbrennen die Bücher der Kommunisten und Juden“, erfährt er von Passanten. „Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt zur Arbeit soll – als Jude hatte ich große Angst,“ erinnert er sich. Doch schließlich siegt sein „preußisches“ Pflichtgefühl. „Die haben doch auf mich gezählt!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Goldberg versucht sich durch die aufgeheizte Menschenmenge durchzuarbeiten, SA-Männer verstellen ihm den Weg: Sie richten einen Scheiterhaufen auf – Goldberg steht direkt daneben. Er kommt weder vor, noch zurück, sieht die Stapel von Büchern. Geschäftige Braunhemden rempeln ihn an: „Du stehst im Weg Volksgenosse.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Goldberg hat Angst, als Jude identifiziert zu werden, doch niemand erkennt ihn. „Wie denn auch?! Niemand konnte uns doch von anderen Deutschen unterscheiden“, sagt er heute. Dennoch sei er damals von einer „irrsinnigen Angst“ erfüllt gewesen. „Ich dachte, die werfen mich mit ins Feuer. Es war abscheulich. Ich war umringt von wilden Tieren, die als Menschen verkleidet waren.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch das Fanal, das die Nazis an diesem Abend setzen wollen, lässt sich nicht so leicht entzünden. „Wegen des Regens musste die Feuerwehr mit Benzin nachhelfen“, erinnert sich Goldberg. Als die ersten Bücher unter Gejohle in die Flammen fliegen, atmet er den beißenden Qualm ein, sieht die zum „Hitlergruß“ gestreckten Arme aus der Menge ragen. Ihm gelingt es nicht, dem dichten Gedränge auf dem Bebelplatz zu entkommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst nach Ende des grausigen Spektakels eilt er „wie im Fieber“ nach Hause. Erwin Goldberg wohnt damals in der Choriner Strasse. Auf dem Weg dorthin kommt er durch die Spandauer Vorstadt, wo viele Juden leben. „Dort wussten das schon alle. Wir haben uns gefragt ob das der Anfang vom Ende ist“, sagt Goldberg und blickt nachdenklich auf den Boden, wo man unter einer Plexiglasscheibe einen Raum mit leeren Büchergestellen sieht – ein Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullmann, das auf dem Bebelplatz seit 1995 an das Ereignis erinnert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Goldberg markiert die Bücherverbrennung den Anfang einer Kette von Demütigungen. Besonders schmerzt ihn, dass er 1934 nicht mehr in der Staatsoper arbeiten darf. „Es war ein Gefühl des Verstoßenseins aus der deutschen Kultur. Ich wusste, dass ich aus Deutschland heraus muss.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis 1938 hält er noch durch, dann flüchtet er vor einer drohenden Verhaftung nach Argentinien, wo er sich ein neues Leben aufbaut. Er wird Lehrer an einer Schule deutscher Kolonisten, er heiratet – und träumt weiter von Berlin. „Ich hatte ein solches Heimweh, das glauben Sie gar nicht!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er 1945 erfährt, dass sein Bruder in Auschwitz ermordet wurde, schwört sich Goldberg, nie wieder einen Fuß nach Deutschland zu setzen. Bis ihn im Sommer 1972 ein Brief aus Berlin erreicht. Absender ist der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Schütz, der einstige jüdische Bewohner zum Besuch in ihrer früheren Heimatstadt einlädt. Erwin Goldberg ist jetzt 60 Jahre alt. Er habe lange überlegt, mit Freunden diskutiert. Schließlich habe er die Einladung als „Geste der Versöhnung begriffen“, sagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er in Tegel aus dem Flugzeug gestiegen sei, habe er sich sofort wieder zu Hause gefühlt. „Hier wurde ich geboren, hier habe ich gelitten. Das bleibt meine Stadt“, sagt Erwin Goldberg. Er sucht die Stätten seiner Kindheit, flaniert über den Kurfürstendamm. Und er fährt auch einen Tag nach Ost-Berlin. Am meisten erschüttert habe ihn damals der Anblick der Ruine der Synagoge in der Oranienburger Straße, wo er einst Albert Einstein Geige spielen gesehen hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während seines Besuchs erhält Goldberg das Angebot als Musiklehrer an einer Weddinger Grundschule zu unterrichten. Er nimmt das Angebot an, lässt sich nach 35 Jahren Exil wieder in Berlin nieder. Erst 1996 kehrte Erwin Goldberg nach Buenos Aires zurück. Seine Frau sei in Berlin nie heimisch geworden. „Sie vermisste das offene Herz der Menschen.“ Erwin Goldberg kann sie bis heute gut verstehen. „Wenn ich in Argentinien Freunde sehen möchte, dann gehe ich einfach vorbei. Hier muss ich immer erst anrufen, dann blättern sie im Terminkalender.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals dachte Erwin Goldberg, es sei ein Abschied für immer. Doch es zieht ihn jedes Jahr an die Spree zurück: „Ich bin wie ausgehungert“, erklärt er mit leuchtenden Augen. „Nach Theater, Musik und Kultur!“ Dieses Mal hat er auch seine Autobiographie mitgebracht. „Wirbelstürme des Schicksals“ heißt das Buch, das bei einem kleinen Hamburger Verlag erschienen ist. „Ich will mit meiner Lebensgeschichte zeigen, dass man immer Hoffung haben muss, die Zuversicht nicht verlieren darf“, sagt er. „Ich lebe noch – und Hitler nicht. Das zählt.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-141563006295890638?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/141563006295890638/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=141563006295890638' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/141563006295890638'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/141563006295890638'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/05/eingebrannt-ins-gedchtnis.html' title='Eingebrannt ins Gedächtnis'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-145830255656584308</id><published>2008-04-30T09:21:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T11:55:20.544-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Denkmalschutz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='jüdische Philanthropen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Wiesenburg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin-Wedding'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Altbau'/><title type='text'>Einstürzende Altbauten</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Die „Wiesenburg“ war bis zum Ersten Weltkrieg Berlins größtes Obdachlosenasyl, finanziert durch jüdische Bürger. Heute zeugen nur noch Ruinen von der Vergangenheit. Eine Ortserkundung &lt;/span&gt;&lt;p class="MsoNormal" style="font-weight: bold;"&gt;(Jüdische Allgemeine, 1. Mai 2008)&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die schwarze Drossel, die emsig in einem Schutthaufen herumpickt, weiß nichts von der Gefahr, die ihr droht: Über ihr hängt ein Backstein lose aus der Mauer und könnte&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;jederzeit herunterfallen. Doch Joachim Dumkow hat ihn sofort&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;entdeckt. „Vorsicht! Da fällt gleich was“, ruft der 41-Jährige energisch, während er schwungvoll über einen Schutthaufen steigt und riesige Farnwedel beiseite streift, die einen Mauereingang verbergen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;Dahinter befinden sich noch mehr Schuttberge, umgeben von bröckelnden Mauerkronen. Wilder Wein fällt über leere Fensteröffnungen, von oben scheint die Frühlingssonne durch knospende Birkenzweige – im Berliner Bezirk Wedding liegt für einen Moment Caspar-David-Friedrich-Stimmung&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;in der Luft.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt; &lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Romantik beschränkt sich jedoch auf ein 13.000 qm großes Mauerlabyrinth zwischen der kanalisierten Panke und der Berliner Ringbahn. Ansonsten dominieren in diesem Stadtteil eher triste Betonfassaden, Telefonshops oder Männer, die mit Bierflaschen auf Bänken sitzen – die Prozentzahl der Hartz-IV-Empfänger liegt im „Kiez“ im zweistelligen Bereich. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;All das vergisst man hier – obwohl auch hier einst das Elend Berlin anzutreffen war. Heute zwitschern in den Ruinen des einstigen Obdachlosenasyls Vögel, und eine dicke Spinne krabbelt über den Boden, direkt neben Dumkows Turnschuhen, der gerade den losen Stein entfernt hat. Er steht in den Überresten der Schlafsäle, in denen einst 500 Menschen eine Bleibe fanden. Es ist das, was von einem sozialen Modellprojekt übrig geblieben ist – maßgeblich initiiert und finanziert durch liberale Berliner Juden während der Kaiserzeit. Im Zweiten Weltkrieg weitgehend durch Bomben zerstört, verfällt das Gebäude seitdem von Jahr zu Jahr. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die „Wiesenburg“ – das ist ein vergessenes Kapitel Berliner Sozialgeschichte. Ebenso wie deren jüdische Stifter. Selbst Chana&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;Schütz, eine der besten Kennerinnen der jüdischen Geschichte Berlins und Kuratorin zahlreicher Ausstellungen im Centrum Judaicum, ist überrascht, von der „Wiesenburg“ zu erfahren. Für Schütz ist das Engagement selbst dabei wenig überraschend. „Es gab im Kaiserreich viele solcher Stiftungen, wie etwa die der Familie Mosse, die eine Ausbildungsstätte für Handwerker einrichtete. Zu erinnern wäre auch an James Simon, der die erste gemeinnützige Badeanstalt in Berlin-Mitte gebaut hat.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Motive für das jüdische Engagement waren dabei vielfältig, meint Schütz – wie etwa der Wunsch , die Gesellschaft mitzugestalten und sozialen Missständen entgegenzuwirken. „Die Wiesenburg als Zeugnis einen solchen Engagements ist aber eine interessante&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;Neuentdeckung.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn die Ruinen der „Wiesenburg“ weiter so zerfallen wie in den letzten Jahren, wird allerdings nicht mehr viel übrig bleiben. Wäre da nicht Joachim Dumkow. Er versucht, diesen Prozess aufzuhalten. „Das ist eine Sisyphus-Arbeit – im wahrsten Sinne des Wortes“, seufzt er und schiebt seinen gelben Bauhelm zurecht, den er gegen Steinschlag trägt. Mauere&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;er heute einen Stein fest, falle morgen an anderer Stelle einer herunter. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Joachim Dumkow ist eigentlich kein gelernter Maurer, sondern Therapeut in einer Berliner Lungenklinik. Er ist auf dem Gelände aufgewachsen,&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;das einstige villenartige Verwaltungsgebäude des Asyls ist noch bewohnbar. Dort lebt er heute mit Partnerin und Eltern. Seine Mutter ist die Nachfahrin eines jüdischen Stifters. Die Geschichte der „Wiesenburg“ ist also eng mit seiner eigenen Familiengeschichte verbunden. „Deshalb schmerzt es mich, wie Berlin das alles hier verkommen lässt“, sagt Dumkow und blickt auf eine rissige Backsteinwand, aus der eine junge Birke wächst.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Was Berlin genau verkommen lässt, das erklärt er nach einem ersten Rundgang an einem weißen Campingtisch, den er zwischen den Ruinen aufgebaut hat. Eine Thermoskanne steht in der Mitte, daneben zwei Plastikbecher, aus denen Dampf zieht. Vor ihm liegt ein Buch, ein dicker Ordner mit Fotokopien und alten Bildern, die zeigen, was die „Wiesenburg“ einmal war.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Geschichte der heutigen Ruinenlandschaft beginnt 1868. In Berlin herrscht Wohnungsnot, Obdachlosenasyle gibt es nicht. Deshalb initiiert die Kaufmannsgattin Berta Hirsch-Neumann die Gründung eines Vereins, der sich um die Errichtung eines Obdachlosen-Asyls kümmern soll. Prominentestes Gründungsmitglied: Rudolf Virchow. Auch Paul Singer, Mitbegründer der SPD, ist von Anfang an dabei. Der Verein eröffnet 1870&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:0;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;im Berliner Scheunenviertel, dort, wo heute das Theater der Volksbühne steht, ein erstes Asyl. Mit der Reichsgründung 1871 wird Berlin zur größten Industriestadt Europas, die Bevölkerungszahl nimmt rasant zu – ebenso die Wohnungsnot. Die bisherigen Kapazitäten reichen nicht mehr aus. Im Oktober 1893 erscheint in der „Vossischen Zeitung“ ein von 24&lt;br /&gt;Personen unterzeichneter Aufruf, in dem der Verein zu Spenden für ein neues Asyl aufruft. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Neben zahlreichen Geldspenden treffen auch antisemitische Postkarten ein. Abgedruckt sind diese in einem Buch über die Berliner Sozialgeschichte. Dumkow blättert in dem Band, zeigt&lt;br /&gt;Fotoreproduktionen mit krakeliger Kanzleischrift. Auf einer Karte heißt es, dass angesichts der fast „ausschließlich jüdischen Aufruf-Unterzeichner“ kein Betrag gezahlt werde. Auf einer anderen Karte heißt es: „Einem Verein, dem ein ‚Singer’ angehört, zahle ich keinenSilberling!“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Hirschfeld, Arons oder Cohn – jüdische Familiennamen finden sich in derTat unter dem Aufruf. Ein Abgleich der Namen mit den Wahllisten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin von 1892 zeigt sogar, dass im Vorstand des Vereins zahlreiche Gemeindemitglieder saßen. Und letztlich war es auch eine größere Geldspende des Arztes Moritz Gerson, die es 1896 ermöglichte, das seinerzeit größte und fortschrittlichste Asyl Deutschlands zu eröffnen, das wegweisend in der Betreuung von Obdachlosen werden sollte. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Bis 1914 bot die Einrichtung diesen Menschen kostenlose Unterkunft und eine warme Mahlzeit. Im Volksmund erhielt das Asyl bald den Namen „Wiesenburg.“ Revolutionär für die Zeit war, dass Obdachlose nicht als „öffentliches Ärgernis“ begriffen wurden, dem man durch Repressionen abhelfen wollte, sondern als Menschen, die vor allem eines brauchten: Hilfe.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Während des Ersten Weltkriegs wurde das Asyl für das Militär requiriert. Nach dessen Ende hatten viele Stifter finanzielle Probleme, der Asyl-Betrieb wurde mit Unterstützung der Stadt Berlin weitergeführt. Ab 1926 verpachtete man dann das gesamte Gebäude an die Jüdische Gemeinde zu Berlin – zu welchem Zweck, darüber gibt es keine Unterlagen. 1935 scheint das Gebäude von den Nazis enteignet worden zu sein, Rüstungsbetriebe ziehen in die „Wiesenburg“ ein.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn es um die NS-Zeit geht, könnte Joachim Dumkow „vor Wut ausrasten.“ Warum, das erklärt er in der 90 qm großen ehemaligen Eingangshalle der „Wiesenburg.“ Er zeigt jetzt nach oben, wo man in 30 Metern Höhe Reste des Kassettendachs sieht, das von Einschusslöchern zersiebt ist. Mildes Licht fällt durch Glasreste, und Dumkow schildert in drastischen Worten, wie die Nazis hier „verschandelnde Betonwände und eine hässliche Zwischendecke“ eingezogen haben. Alles sei ihnen recht gewesen, um die soziale und jüdische Vergangenheit der „Wiesenburg“ auszulöschen, zürnt Dumkow. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Bis zur Zerstörung im Frühjahr 1945 wurden hier Rüstungsgüter produziert. Ein Hausmeister, das „Wiesenburg-Faktotum“, der während der NS-Zeit auf dem Gelände beschäftigt war und hier bis zu seinem Tod in den 80er-Jahren lebte, berichtete von Zwangsarbeitern, die im umfangreichen Kellersystem des Asyls „wie die Tiere eingesperrt“ gewesen seien – und dort wohl auch ermordet wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zogen ausgebombte Familien in das einzige erhaltene Gebäude – wie die Mutter von Joachim Dumkow. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Der Rest des Geländes blieb Kriegsruine. Diesen speziellen Charakter nutzten in den 70er- Jahren die Regisseure Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder. Schlöndorff drehte hier Szenen der „Blechtrommel“, Fassbinder Teile seines Filmes „Lili Marleen.“ Davon zeugt noch die weiße Inschrift „Zum Luftschutzbunker“ auf einer zerschossenen Backsteinmauer. „Übrigens echte Schüsse“, sagt Dumkow. Im April 1945 sei in dieser Gegend erbittert gekämpft worden.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Eigentumsfrage des Wiesenburg-Geländes ist bis heute nicht abschließend geklärt. Dumkow sagt, dass die Anlage dem 1961 reaktivierten „Asyl-Verein“ gehört, in dem er selbst auch Mitglied ist. Ein freundlicher Herr aus dem Bezirksamt sieht das anders. Günter Reimann sitzt in einem Büro, in dem der Besucher vor Papierstapeln kaum Platz findet. Reimann ist Sachbearbeiter im Bereich Denkmalschutz. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Seit Jahren&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;besteht ein Rechtsstreit zwischen dem Bezirksamt und den „Wiesenburgern.“ Und es gibt ein Urteil: Dem Verein wurde vor einigen Jahren die Gemeinnützigkeit aberkannt. „Das Gericht hatte den Verdacht, dass der heutige Asylverein nur gegründet wurde, um einen Zugriff auf das Gelände zu haben“, erklärt Reimann.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Dumkows Familie hat gegen das Urteil Einspruch eingelegt, eine endgültige Entscheidung steht also noch aus. Den Verdacht selbst weist Joachim Dumkow entschieden als „Quatsch“ zurück. „Unsere Besitzansprüche sind nachgewiesen“, sagt er mit merklich lauterer Stimme. 1961, kurz vor ihrem Tod, habe seine Großtante, die das letzte Vorstandsmitglied des Vereins gewesen sei, die Rechte auf seine Mutter übertragen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Und der Verein habe die gleichen Grundsätze wie damals, sagt Dumkow: „Hilfe für Bedürftige“. Dass es derzeit nicht allzu viele Projekte gibt, die finanziert werden, gibt Dumkow allerdings freimütig zu. „Alle Einnahmen des Vereins fließen in den Erhalt der Wiesenburg – sonst steht hier in ein paar Jahren nichts mehr.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Für soziale Zwecke würde Joachim Dumkow gerne die ehemalige Eingangshalle in Stand setzen. „Hier könnte man ein interkulturelles Begegnungszentrum einrichten.“ Doch das Denkmalamt stellt sich quer. „Die geben uns keine Baugenehmigung.“ Sein Verdacht: Es gäbe Grundstücksspekulanten, die ein Auge auf das Gelände geworfen hätten und mit dem Senat „verfilzt“ seien, sagt er. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Konkrete Namen will – oder kann – Dumkow allerdings nicht nennen. In den Siebzigern hätte seine Familie bereits Versuche abgewehrt, Hochhäuser auf dem Gelände der „Wiesenburg“ zu errichten. Die gäbe es doch schon ausreichend in Berlin, meint Dumkow spöttisch – die Wiesenburg jedoch sei einzigartig. „Sehen Sie sich nur um“, sagt er dann mit einem versonnenen Blick. „Was man hier Schönes draus machen könnte – und das in Wedding! Das wäre auch im Sinne der Stifter.“&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-145830255656584308?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/145830255656584308/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=145830255656584308' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/145830255656584308'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/145830255656584308'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/04/einstrzende-altbauten.html' title='Einstürzende Altbauten'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-4054178179910196050</id><published>2008-01-18T07:06:00.000-08:00</published><updated>2009-03-29T11:55:57.319-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Beuys'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Galeristin'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Alicja Kwade'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lena Brüning'/><title type='text'>Die Nachwuchsgaleristin</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Ihr Großvater entdeckte einst Joseph Beuys. Heute ist seine 27-jährige Enkelin &lt;span style="font-size:100%;"&gt;Lena Brüning eine Berliner Nachwuchsgaleristin auf Erfolgskurs&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/R5DA0WdqTZI/AAAAAAAAAFU/LEca1MZvH50/s1600-h/Br%C3%83%C2%83%C3%82%C2%83%C3%83%C2%82%C3%82%C2%BCning.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5156833578954935698" style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/R5DA0WdqTZI/AAAAAAAAAFU/LEca1MZvH50/s320/Br%C3%83%C2%BCning.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:85%;" &gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kunst fest im Blick:&lt;br /&gt;Lena Brüning in ihrer Beliner Galerie&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Foto: &lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;Christian Reister&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:85%;" &gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Rote Klebe-Punkte, an denen potentielle Käufer erkennen, dass ein Bild schon verkauft ist, sucht man bei Lena Brüning vergebens. Das ist aber kein Indiz dafür, dass ihre Galerie in Berlin rote Zahlen schreibt. Die aktuelle Ausstellung „Junge Sterne Rauchen“ von Alicja Kwade, die Brüning gerade ausstellt, „ist  komplett verkauft“, sagt die Nachwuchsgaleristin stolz und zeigt nachdrücklich auf die großformatigen Fotos an den weißen Wänden und auf eine chromüberzogene Wanduhr. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Im Berliner Scheunenviertel, einem der trendigsten Szene-Viertel in der Bundeshauptstadt eröffnete die 27-jährige Düsseldorferin vor zwei Jahren ihre eigene Galerie – auf nur 55 qm. Die Gegend ist typisch für Ost-Berlin: graue Plattenbauten aus DDR-Zeiten stehen neben frischrenovierten Altbauten – das Straßenpflaster ist von vielen Winterfrösten aufgeplatzt. Für manche Sachen hat man in Berlin eben kein Geld. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Lena Brüning mag die Gegend. „Ich liebe dieses rockige und wilde Berlin  – gerade weil das so ein großer Kontrast zu Düsseldorf ist.“ Doch auch das Rheinland lässt sie nicht los, meint sie dann breit lächelnd: „Spätestens zum Karneval bin ich wieder da!“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Die meiste Zeit des Jahres ist Lena Brüning aber in ihrer Berliner Galerie, die unter Sammlern und Kunstkritikern schon längst als Geheimtipp gilt. Wer bei ihr so einkauft, sagt sie aber, ganz der Profi, nicht: Sie lächelt nur freundlich und fragt, ob man einen Café möchte. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Berlin ist der Ort, an dem es europaweit die meisten Galerien gibt. Rund 400 Kunstvermarkter bemühen sich um eine internationale und solvente Kundschaft. Die Zahl der Künstler und Künstlerinnen, die nicht zuletzt auch wegen der billigen Mieten in Berlin lebt, ist unüberschaubar. Aus diesem Überangebot als Galerie hervorzustechen und unter dem Überangebot an Künstlern die Talente ausfindig zu machen – daran ist schon Mancher gescheitert. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Doch Lena Brüning behauptet sich. Sie hat einen Startvorteil, den sie eigentlich gar nicht gerne betont – sie möchte nämlich nicht auf die „Enkelinnen-Sache“ reduziert werden. „Ich möchte lieber das eigene Profil herausstreichen.“ Jedenfalls: Ihr Großvater ist der legendäre Düsseldorfer Galerist Alfred Schmela. Mit einer Ausstellung des damals noch unbekannten Yves Klein eröffnete Schmela einst seine eigene Galerie in der Düsseldorfer Altstadt. Als 2007 das fünfzigjährige Geschäfts-Jubiläum gefeiert wurde, war die Geschichte der Galerie Schmela gleichbedeutend mit einem wesentlichen Kapitel der internationalen Kunstgeschichte der Nachkriegszeit: die Kunst-Moderne, sie kam auch aus Düsseldorf. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Alfred Schmela entdeckte einst auch Joseph Beuys. Lena Brüning erzählt amüsiert, dass sie sich noch an einen „seltsamen, aber auf jeden Fall spannendenden Mann mit Hut“ erinnert, dem sie als Kleinkind um die Füße kroch und der ihr freundlich über den Kopf strich. Als ihr Großvater 1980 starb, übernahm dann ihre Mutter die Galerie. „Ich wuchs also immer mit Kunst auf – das prägt.“ Zuhause hingen an den Wänden Bilder von Sigmar Polke bis Gerhard Richter und die Aschenbecher sind natürlich von Kippenberger. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Eigentlich deutete alles daraufhin, dass sie später die Galerie übernehmen würde. Doch Lena Brüning will zunächst nicht Galeristin werden: Sie versucht sich vom „Kunst-Ding“ abzunabeln, sagt sie. Sie sitzt jetzt, während sie das erzählt, in ihrem kleinen Büro, das auf einen dieser düsteren Berliner Hinterhöfe herausgeht. An den Wänden stehen ordentlich beschriftete Ordner, die alphabetisch nach Künstlern geordnet sind. Von „B“ wie John von Bergen, bis „W“ wie Miriam Wania“, vertritt sie elf Künstler und Künstlerinnen. Auf ihrem Schreibtisch, einem stilechten original Eiermann-Modell von 1952, steht der weiße Apple-Laptop, das Berliner Statussymbol der jungen Kreativen  – daneben das Faxgerät.&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Zunächst studierte Lena Brüning in Düsseldorf Literaturgeschichte. Nach einigen Semestern fand sie dann eher zufällig den Anschluss an die Düsseldorfer Kunstszene. „Ich ging auf lauter Künstlerpartys, hatte einen Freund, der an der Kunstakademie war, malte und zeichnete auch selbst.“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Bald erkennt sie, dass ihr Talent eher auf Seiten der Kritiker und Betrachter liegt, die künstlerische Potentiale erkennen – und fördern. Lena Brüning beendet ihr Studium, macht danach Praktika in der Düsseldorfer Kunsthalle, in einer Pariser Galerie, reist viel und entscheidet dann, in Berlin eine Galerie zu eröffnen.&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;„Das habe ich mir sehr genau überlegt. Und dann habe ich es einfach gemacht, es war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ich musste schwimmen – oder untergehen.“ Eine Unterstützung ihrer Mutter hat allerdings beim Freischwimmen aber auch „etwas geholfen“, meint sie. Doch sie ist überzeugt, dass sie sich auch so durchgesetzt hätte. „Ohne eigene Leistung geht´s nicht!“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Ihre eigene Leistung dürfte dabei vor allem der Blick für unverbrauchte Talente sein. Ehe sie sich für einen Künstler entscheidet, beobachtet sie ihn etwa ein Jahr. „Ich schaue, ob da eine Linie ist, ob er ein starker Mensch ist, der den Druck des Kunstbetriebs aushält.“ Auch legt sie Wert auf die handwerkliche Umsetzung. „Ich mag es, wenn man erkennt, dass sich jemand Mühe gibt.“&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Ihr Galerie-Profil ist dabei von Anfang an Offenheit gegenüber allen Stilrichtungen gewesen. Aber es gebe auch einen roten Faden, unterstreicht Lena Brüning. „Mir geht es darum, dass die Sachen Sinnlichkeit haben. Ich mag es ein bisschen geheimnisvoll. Die Arbeiten sollen den Betrachter herausfordern, ihn dazu animieren, selbst nach Assoziationen zu suchen.“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="color: rgb(51, 51, 51);"&gt;Eine diese Künstlerinnen, auf die diese Beschreibung zutrifft, ist Alicja Kwade, Meisterschülerin von Christiane Möbus. „Das ist eine Künstlerin, die mich absolut begeistert. Und das sage ich nicht nur, weil ich die gerade ausstelle“, sagt Lena Brüning. Alicja Kwade beschäftige mit der Darstellung von Licht und Zeit und mit der Vermischung von Realität und Fiktion, erklärt sie dann. &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;u2:p&gt;&lt;/u2:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Das Konzept käme beim Publikum sehr gut an, sagt sie dann. Als letzten Samstag die Vernissage stattfand, da war „der Laden so voll, dass ich Angst hatte, die Bilder könnten beschädigt werden“, erinnert sie sich amüsiert. Die Galeristinnen-Rolle beherrscht sie dabei perfekt: Dezent geschminkt, dunkel-elegant gekleidet und für jeden ein charmantes Wort – egal ob solventer Gast im Anzug oder Turnschuhträger mit Dreitage-Bart. „Wenn es so weiter geht wie bisher, bin ich eigentlich wunschlos glücklich mit meiner kleinen Galerie“, meint sie. Ein Problem hat Lena Brüning aber dennoch: Vielleicht muss sie bald umziehen, sie braucht mehr Platz.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-4054178179910196050?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/4054178179910196050/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=4054178179910196050' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4054178179910196050'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4054178179910196050'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2008/01/die-nachwuchsgaleristin_18.html' title='Die Nachwuchsgaleristin'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/R5DA0WdqTZI/AAAAAAAAAFU/LEca1MZvH50/s72-c/Br%C3%83%C2%BCning.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-5458665111197192460</id><published>2007-11-30T15:15:00.000-08:00</published><updated>2009-03-29T11:56:33.345-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Therapie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='HI-Virus'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Leben mit Aids'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Aids'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><title type='text'>Jeder Tag zählt</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Nirgends in Deutschland breitet sich der HI-Virus so schnell wie aus in Berlin. Willem Groote lebt seit 16 Jahren mit dem Virus. Für den 36-jährigen zählt jeder Tag Leben&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man sieht es ihm nicht an, er scheint vor Gesundheit zu strotzen. Die Haut ist leicht gebräunt, das Gesicht ist voll, die Haare tiefschwarz. Doch immer wieder verlangsamen sich seine Worte, die Augenlider zittern vor Müdigkeit. Willem Groote (Name geändert), 36 ist ein müder Mensch. Daran spürt er, dass er seit 16 Jahren mit dem HI-Virus lebt. Mehr als 12 Stunden schlafe er täglich, und dennoch fühle er sich nie ausgeschlafen, sagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Groote 20 war, infizierte er sich bei seinem damaligen Freund. Heute glaubt er, dass dieser ihn wissentlich angesteckt haben könnte. Groll empfinde er nicht, außerdem sei der ehemalige Freund schon vor 10 Jahren gestorben. „Er hat seine Strafe bekommen“, sagt er dann, blickt aus dem Fenster. „Homosexuelle leben eben gefährlicher als Andere.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2006 infizierten sich den Angaben der Berliner Aids-Hilfe zufolge etwa 420 Berliner mit dem HI-Virus. Die Zahlen für 2007 liegen noch nicht vor. Ende 2006 lebten rund 10.000 HIV-Infizierte in Berlin – etwa 20 Prozent aller Erkrankten bundesweit. Die größte Risikogruppe sind dem Robert-Koch-Institut zufolge Homosexuelle – dicht gefolgt von Drogenabhängigen. Jeden Tag gibt es in Berlin eine Neuinfektion, schätzt die Aids-Hilfe. Und jede Woche sterben zwei Berliner an Aids.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass Willem Groote, der als Mode-Fotograph arbeitet, noch lebt und jetzt in einem Café am Rosenthaler Platz sitzt, verdankt er den Medikamenten, die ihn so müde machen, aber am Leben erhalten. Der HI-Virus sei in seinem Blut nicht mehr nachzuweisen, sagt er. Aber vorhanden sind die Viren noch immer. Irgendwann könnten die Medikamente nicht mehr wirken, die Viren würden sich wieder vermehren, das Immunsystem angreifen. Und dann könnte schon eine Erkältung tödlich sein. Aber selbst wann dieser Fall nicht eintreten wird, könnte Groote an den Langzeitnebenwirkungen seiner Therapie sterben, wie z.B. Krebs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit fünf Jahren lebt er in Berlin. Damals kam er aus Brüssel für einen Kurztrip in die deutsche Hauptstadt und verliebte in Berlin. „Hier fühle ich mich wirklich frei, es interessiert niemanden, ob du schwul bist. Die Deutschen lassen dich so leben wie du willst.“ Damals sei er vor allem wegen des Nachtlebens gekommen, jetzt nehme er aber nur noch selten daran teil. Wenn er früher weggegangen ist, hat er immer auf seine Infektion hingewiesen. „Das schockt, wenn man so direkt ist.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der „Szene“ werde das Thema totgeschwiegen, verdrängt. Gerade weil es so präsent sei: „Eigentlich kennt jeder Jemanden, der dran gestorben ist.“ Für die Zunahme an HIV-Erkrankungen, gerade unter Homosexuellen macht Willem Groote ein verändertes Risikoverhalten verantwortlich. Oft sei es aber auch schlichte Dummheit oder Trotz, der dazu führe, dass sich Mancher absichtlich infiziere. „Die denken, wenn sie es erst mal haben, dann, brauchen sie sich keine Sorgen mehr zu machen. Oder sie glauben, dass in ein paar Jahren ein Heilmittel vorliegt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unverantwortlich findet Willem Groote in diesem Zusammenhang so genannte „Bare-backer-Partys“, die gerade in Berlin florierten und bei denen es Pflicht sei, ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben. „Ein Tanz auf dem Vulkan – Aids verändert dein ganzes Leben. Und eines ist sicher: du stirbst früher.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-5458665111197192460?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/5458665111197192460/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=5458665111197192460' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/5458665111197192460'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/5458665111197192460'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/11/jeder-tag-zhlt_30.html' title='Jeder Tag zählt'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-1234527752683835070</id><published>2007-11-21T03:32:00.000-08:00</published><updated>2009-03-29T11:57:08.780-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hohenschönhausen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Das Leben der Anderen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Heiner Müller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Stasi'/><title type='text'>Der nette Mann vom MfS</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Horst Krüger war Stasi-Hauptmann. Er "zersetzte" DDR-Künstler. Nach der Wende entschuldigte er sich. Gibt es Vergeben für die Stasi? &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/R0RTtBVk0aI/AAAAAAAAAEI/VVTkcgPvv08/s1600-h/reister.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5135321508027355554" style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/R0RTtBVk0aI/AAAAAAAAAEI/VVTkcgPvv08/s320/reister.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;span style="font-size:0;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;span style="font-size:0;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;span style="font-size:0;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Verhörzimmer in der Stasi-Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Foto: &lt;/span&gt;&lt;a href="http://reister-images.de/"&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Christian Reister&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;In der Kantine des Berliner Ensembles, neben der Eingangstür, hat er mal mit Heiner Müller zusammen gesessen. Das war einige Jahre nach der Wende und Horst Krüger (Name geändert), heute 63 und zu DDR-Zeiten bei der Stasi mit der „Operativen Bearbeitung“ von Künstlern befasst, plauderte mit Müller entspannt über dessen Zeit als IM. Müller sei aber ein schlechter Informeller gewesen, sagt Krüger dann. „Der lieferte keine brauchbaren Informationen“, erzählt er leicht amüsiert. „Sollte er ja auch nicht.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Horst Krüger ist heute wieder in die Kantine des Berliner Ensembles gekommen. Er möchte über seine Stasi-Vergangenheit sprechen. Er ist sportlich gekleidet, die kantige, altmodische Brille erinnert irgendwie an DDR, der Schnauzer hängt zerfranst über die Oberlippe. Sein Umgangston ist höflich und freundlich, der Händedruck lasch. Eine unscheinbare Gestalt, die nicht auffällt. Untersetzt, die Haut vom jahrzehntelangen Kettenrauchen gegerbt. Heute sei er Nichtraucher, sagt er stolz. Er holt sich am Ausschank ein Mineralwasser und sucht etwas unsicher einen Platz, weit vom Eingang entfernt. „Gehen wir in die Ecke?“, fragt er. Dort sitzt am Nebentisch schon ein Schauspieler mit Birkenstockschlappen und löst konzentriert ein Kreuzworträtsel. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Den ehemaligen Stasi-Hauptmann, der jetzt an ihm vorbei eilt, würdigt er keines Blickes. Dabei ist der etwas, was es gar nicht zu geben scheint: Horst Krüger zersetzte im Stasi-Auftrag Seelen und zerstörte die Arbeit dissidenter DDR-Künstler – nach der Wende entschuldigte er sich bei ihnen, versuchte zu erklären, wie man jahrelang das Leben der Anderen ohne Gewissenbisse zerwühlen kann.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Geste hebt ihn positiv von den Mitgliedern eines Berliner Komitees von „MfS-Insidern“, die immer wieder öffentlichkeitswirksamen Geschichtsrevisionismus betreiben. So wie jetzt im süddänischen Odense: Dort hatte ein Trupp von 60 einschlägigen bekannten Stasi-Oberen während einer Universitätskonferenz über die „friedenssichernde Arbeit“ des MfS schwadroniert und verkündet, man sei stolz auf das, was man geleistet habe. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;„Die haben offensichtlich nichts gelernt und wollen nicht wissen, was sie angerichtet haben“, meint Krüger dazu. Die Unbelehrbaren seien aber die Ausnahme, sagt er. „Die große Masse der ehemaligen Mitarbeiter des MfS möchte mit dem was war, nichts mehr zu tun haben, geschweige denn rechtfertigen. Die haben andere Sorgen wie Arbeitslosigkeit, schlecht bezahlte Jobs oder dem Gefühl, das ganze Leben verschwendet zu haben.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Fünfzehn Jahre war Krüger selbst beim MfS. Und auch 18 Jahre nach der Wende erfülle ihn das mit Reue und Scham, sagt er. Was er darunter versteht, kann er aber nicht so richtig schlüssig erklären. Er weicht immer wieder weitschweifig Fragen aus, ringt nach Worten und erzählt, dass er schon in den frühen 80er Jahren den Glauben an den Sinn seiner Arbeit verloren habe. Dann fragt er sich, ob er vielleicht einfach nur naiv gewesen sei. Ein Grund mag der familiäre Hintergrund gewesen sein, vermutet er dann. Die Mutter sei überzeugte Kommunistin gewesen, ebenso wie die Großeltern. „Die haben nie daran gezweifelt, dass der Sozialismus geschützt werden muss.“ Endlich eine Erklärung, er lehnt sich in die Polster zurück. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;1945 wird Horst Krüger in Moskau geboren. Seine Mutter emigrierte mit den Großeltern 1933 aus Hitlerdeutschland und kämpfte dann im Zweiten Weltkrieg als Partisanin für die Rote Armee. „Sie wollte zeigen, dass auch aus Deutschland aufrechte Menschen kommen.“ Nach Kriegsende geht sie mit ihrem Sohn nach Berlin zurück. Krügers Vater, ein spanischer Kommunist, ist im Krieg verschollen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;In seiner Kindheit und Jugend ist Krüger ins System eingebunden. Er spielt mit dem Sohn des hochrangigen Kulturfunktionärs Willi Bredel, der ein Bekannter seiner Großmutter ist. Nach Abitur, Wehrdienst und Volontariat beginnt er in Leipzig ein Journalistik-Studium. „Ich wollte in die direkte Agitation, für den Sozialismus kämpfen.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Als Horst Krüger dann 1973 vor dem Abschluss steht, wirbt ihn die Stasi an. In den 70er Jahren blähte sich das MfS zu dem Apparat auf, der im Wendeherbst rund 91000 Hauptamtliche und 600000 IMs beschäftigte. Auf 63 DDR-Bürger kam damals ein Stasioffizier bzw. IM. Die Aktenmenge, die die Stasi produzierte, würde aneinandergereiht etwa 180 Kilometer ergeben. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Stasi-Werber standen eines Abends vor Krügers Wohnungstür. Sie setzen sich in die Küche. Dort fragen ihn die Werber nach einigem Vorgeplänkel, ob er sich vorstellen könne beim MfS zu arbeiten. Krüger überlegt kurz und bekennt dann seine prinzipielle Bereitschaft. Eine schnelle Zusage, die er schon bald bereut habe, erzählt er jetzt. Angst habe aber damals auch eine gewisse Rolle gespielt. „Ich dachte, wenn ich ablehne, können die mir Steine in den Weg legen.“ Ein anderer Grund sei auch, dass er eigentlich schon vergeben war: Nach dem Studium sollte er bei einer Berliner Zeitschrift anfangen. Doch die Stasi bemüht sich auf Ministerialebene um Krüger – erfolgreich. „Ich wurde zum MfS abkommandiert“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;So beginnt er dann im folgenden Jahr in der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin, Abteilung XX/7. Krüger arbeitet zunächst an der „Zersetzung feindlich-negativer Gruppen.“ Dazu zählt das MfS Schriftsteller wie Klaus Schlesinger und die Liedermacherin Bettina Wegner. Wegner organisierte damals den „Kramladen“, eine Mischung aus Lesungen, Diskussionen und Musik – er wird bald verboten.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Bettina Wegner, die sich in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen mit einer Abschiedstournee von ihrem Publikum verabschiedet, sitzt jetzt in ihrem gemütlichen Frohnauer Wohnzimmer. Durch die Wohnzimmerfenster geht der Blick auf den Garten, hinter dem Gartenzaun rumpelt die S-Bahn nach Oranienburg vorbei. Für Wegner interessierte sich die Stasi schon frühzeitig. Als sie vierzehn ist, erscheint ihr Name erstmals in MfS-Akten. Sie hatte damals in einem Jugendclub Gedichte vorgelesen, die nicht vom „sozialistischen Morgenrot“ handelten, sondern von Tod und Sinnlosigkeit. 1968 wird sie wegen des Verteilens von Flugblättern gegen den Einmarsch der Roten Armee in die CSSR verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Obwohl sie nie die DDR prinzipiell in Frage stellt, wohl aber in ihren Chansons „nette Kritik leistet, mit der Absicht die DDR zu verbessern“, wie sie sagt, überwacht die Stasi von nun an jeden ihrer Schritte. Verantwortlich dafür war Horst Krüger. Nach der Wende hatte er dann das Gespräch mit ihr gesucht. Eines Tages stand er vor ihrer Tür. „Er sagte, er traue sich gar nicht, sich zu entschuldigen. Was er getan habe, sei nicht zu entschuldigen“, erinnert sich Wegner. Sie unterhält sich drei Stunden mit dem reuigen Tschekisten, versucht zu verstehen, wie jemand jahrelang bis in den intimsten Dinge eines Menschen eindringen kann, mit dem Ziel der seelischen und existentiellen Zerstörung. Am Ende wird er ihr beim Lesen ihrer Stasi-Aktenberge behilflich sein.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;„Das war mir eine große Hilfe. Allein der Stasi-Jargon war schon eine Wissenschaft für sich“ sagt sie. Heute ist sie sich sicher: „Horst Krüger ist ein guter Mensch, der einen Fehler gemacht hat. Ich kann ihm vergeben, weil er sich dafür entschuldigt hat.“ Sie sagt auch, dass ihr das ein großer Trost gewesen sei. „Das zeigt, dass es doch gute Menschen gab - im DDR-Apparat meine ich.“ Als der Film „Das Leben der Anderen“ anlief, sagen dann auch Freunde zu ihr. „Der gute Stasi-Mensch, das ist dein Herr Krüger.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;1975 wäre von der guten Stasi aber noch nicht die Rede gewesen. Da plant Klaus Schlesinger eine Kurzgeschichten-Anthologie, und Krüger wird alles daran setzen, diese zu verhindern. Von dem Projekt erfährt die Stasi dank der Spitzel frühzeitig. MfS-Chef Mielke erläutert Honecker persönlich, dass es sich dabei „um eine offen feindliche, den Sozialismus diffamierende Darstellung“ handelt. Die Stasi leitet „geeignete Maßnahmen“ ein, um die Autoren „unter Kontrolle“ zu halten. Die Zersetzung der Berliner Gruppe um Schlesinger erfolgt durch den so genannten „Operativen Vorgang Schreiberling.“ Auf einige der beteiligten Autoren hatte Krüger damals bis zu 20 IMs angesetzt, die schnüffeln und eifrig Meldung erstatten. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wie Horst Krüger damals vorging, geht aus einem Memorandum hervor, das er damals verfasste: Er regt an, unter den Dissidenten den Verdacht zu streuen, dass Schlesinger für das MfS arbeitet. Schlesinger soll so in die Isolation gedrängt werden. Der Schriftsteller erhält Privilegien, darf zur Frankfurter Buchmesse reisen, seine Bücher werden in hohen Auflagen nachgedruckt.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Dass die Stasi mit ihrer Strategie durchaus erfolgreich war, geht aus einem anderen IM-Bericht hervor. Schlesingers Freunde würden sich fragen, wer die guten Geister sein könnten, und empfehlen Zurückhaltung gegenüber Schlesinger, teilt der IM schadenfroh mit. „Klaus Schlesinger war damals richtig verzweifelt“, erinnert sich Bettina Wegner. „Das Gerücht hat ihn bis nach der Wende verfolgt.“ 2001 ist Schlesinger an Leukämie verstorben. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Liedermacherin ist 1983 in den Westen gegangen. Jahrelang hatte sie auch ein unbestimmtes schlechtes Gewissen, ihre Heimat verlassen zu haben. Bis sie schließlich ihre Stasi-Akten kennen lernte. Und erfuhr, wie die Stasi sie überwacht hatte und in ihr Leben eingegriffen hatte. „Menschenverachtend.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;1976 gerät dann ein anderer Künstler ins Visier der Stasi: Heiner Müller. Mit der Ausbürgerung von Wolf Biermann und den darauf folgenden Protesten von Kulturschaffenden, sollten alle Unterzeichner operativ bearbeitet werden, Müller fällt in den Verantwortungsbereich von Krüger. Doch der Stasi-Hauptmann schätzt Müller als Theater-Schriftsteller und weiß. „Müller war kein Staatsfeind.“ Deshalb verschleppt er die Bearbeitung. Was eine Gratwanderung war, behauptet er. Wäre er entdeckt worden, hätte das ernste Konsequenzen für ihn haben können. Doch die Vorgesetzten fragen nie nach Müller. „Gab ja damals genug operative Vorgänge.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Heiner Müller war der einzige IM den Krüger je anwarb. Dass Plansoll für MfS-Offiziere sah pro Jahr 5 bis 7 IMs vor. Vielleicht wird Krüger deshalb Anfang der 80er Jahre in die Abteilung für Bildende Künstler versetzt und degradiert. Er untersucht jetzt nur noch Tendenzen in IM-Berichten. Er tritt morgens seinen Dienst an und ist gehalten, abends alle Papiere in einen Panzerschrank einzuschließen. In den Berichte habe er beim besten Willen keine „staatsfeindliche Hetze“ erkennen können erzählt Krüger. Alles sei ihm sinnlos vorgekommen, kreuzunglücklich sei er damals gewesen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Fragt man Krüger nach dem Leben, das er außerhalb des Dienstes führte, sagt er, er habe vor allem Bücher gelesen. „Die waren damals phänomenal billig.“ Mehr weiß er nicht zu berichten. Jedes Jahr fährt er in den Urlaub, bereist die Länder des Ostblockes und im Großen und Ganzen fühlt er sich auch in der DDR heimisch, „weg wollte ich nie. Ich habe mich da zuhause gefühlt.“ Dennoch entgeht ihm nicht, dass einiges im Argen liegt, Gorbatschows Glasnost und Perestroika wecken Hoffnung auf Veränderungen. Im August 1989 sei ihm dann aber klar geworden, dass die DDR am Ende war.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;Am 15. Dezember 1989, Horst Krüger ist jetzt 44 Jahre alt, da beginnt sein neues Leben. Als er zum Dienst will, schickt ihn sein Vorgesetzter nach Hause. „Sucht euch eine neue Arbeit hat der gesagt“, erinnert sich Krüger. Während auf den Montags-Demonstrationen „Stasi in die Produktion“ gerufen wird, macht sich Horst Krüger tatsächlich auf die Suche nach einer ehrlichen Arbeit. „Ich hab mir geschworen: Du machst nie wieder etwas, was du nicht vertreten kannst.“&lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Er findet schließlich eine Pförtnerstelle in einem Arbeiterwohnheim, das später zu einem Flüchtlingsheim für bosnische Bürgerkriegsflüchtlinge wird. Zu dieser Zeit stellt er sich in der Lichtenberger Erlöser-Kirche einem Täter-Opfer-Gespräch. Auch in einem Dokumentarfilm wird man ihn später sehen. Da spricht er mit der Berliner Schriftstellerin und DDR-Dissidentin Helga Schubert. Zu MfS-Zeiten überwachte er sie, protokollierte auf Karteikarten fleißig ihre kritischen Äußerungen zur DDR-Realität.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Helga Schubert kann sich noch gut an einen kleinen Mann mit „Eichhörnchenaugen“ erinnern der, als er zum Dreh kam, in das Café in der Rosenthalerstraße auf sie zu stürzte und rief: „Frau Schubert, ich empfinde Reue und Scham.“ Die Geste habe sie mit einer Mischung aus peinlicher Berührtheit aufgenommen, erinnert sich Schubert im Telefongespräch. Sie empfinde aber auch Mitleid mit der gebrochenen Lebensbilanz. Und etwas Respekt vor Krügers eigenständigen Verhalten: „Und auch davor, dass er offensichtlich aufrichtig ist.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wirklich verzeihen kann sie aber dem ehemaligen Stasi-Hauptmann nicht: „Mit dem Wort habe ich ein Problem, weil es mir nicht zukommt zu verzeihen. Vielleicht wäre Vergessen besser: Ich kann es ihm nicht vergessen, habe aber keine Rachegedanken.“ Helga Schubert fragt sich auch, ob Krüger sich auch bei ihr entschuldigt hätte, wenn die DDR nicht zusammen gebrochen wäre. Sie bezweifelt das. „Im Grunde war er immer auf der richtigen Seite. Zu DDR-Zeiten bei der Stasi, danach nicht mehr. Was hätte er gemacht, wenn die DDR weiter existiert hätte?“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Das weiß Krüger nicht. Er halte auch nichts von Wenn-Sätzen, sagt er freundlich, aber bestimmt. Nach vier Stunden Gespräch muss er auch bald los. Nein, er wolle nicht ausweichen. Er müsse zum Friedhof Friedrichfelde, wo er mit der Friedhofsverwaltung verabredet sei, sagte. Er hat nichts dagegen, wenn man ihn begleitet. Während der S-Bahn-Fahrt spricht er über den „Das Leben der Anderen.“ Er hat ihn zweimal gesehen, einmal mit seiner Frau und einmal mit der 15-jährigen Enkelin. Natürlich entspreche vieles nicht den Realitäten, sagt er mit Kennermiene. „Dass da einer mit Kopfhörern auf dem Dachboden saß, war eigentlich undenkbar. Aber es ist ja kein Dokumentarfilm“, stellt er fest. Die Gewissenskonflikte des Helden, seine Bedenken könne er nachvollziehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Friedhof Friedrichsfelde feierten die DDR-Genossen einst regelmäßig das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. „Die Toten mahnen uns“ steht auf einem rötlichen Granitfindling im Zentrum der Gedenkstätte. Eine Granitplatte, die erst seit kurzem in der Nähe liegt, ist „Den Opfern des Stalinismus“ gewidmet. Unweit der Granitplatte liegt ein kleiner Strauß Tannengrün. Der Wind wird ihn kaum dorthin geweht haben. Horst Krüger legt ihn wieder auf die Platte. „In den Opfern des Stalinismus sind ja wohl auch die Opfer der Stasi drin“, meint er.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-1234527752683835070?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/1234527752683835070/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=1234527752683835070' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/1234527752683835070'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/1234527752683835070'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/11/der-mann-der-bereute_21.html' title='Der nette Mann vom MfS'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/R0RTtBVk0aI/AAAAAAAAAEI/VVTkcgPvv08/s72-c/reister.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6816652001305048815</id><published>2007-10-19T03:37:00.001-07:00</published><updated>2009-03-29T11:58:00.211-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berliner Philharmoniker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hellmut Stern'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berliner Juden'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Emigration'/><title type='text'>Der Saitenspringer</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;1938 emigriert Hellmut Stern von Berlin nach China. 1961 kehrt er in seine Heimat zurück und wird Geiger der Berliner Philharmoniker. Begegnung mit einem leidenschaftlichen Kosmopoliten&lt;/span&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Jüdische Allgemeine, 18. Oktober 2007)&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;Saraswoti, die Göttin der Musik und der Weisheit, lächelt asiatisch-unergründlich. Sie steht mit einem Saiteninstrument in den Händen, 25 Zentimeter hoch und aus Holz geschnitzt, auf Hellmut Sterns Konzertflügel. „Die habe ich mal in China gekauft“, sagt der 79-Jährige und streichelt mit der rechten Hand liebevoll über das polierte Holz der Göttin. „Schön, nicht?“ Der pensionierte Orchestergeiger hat ein Faible für asiatische Kulturen. Er verdankt ihnen sein Leben. „Als mein Vater 1935 verzweifelt versuchte, mit uns aus Berlin rauszukommen, hat nur die Mandschurei uns ein Visum gewährt“, erzählt er. „Und da haben wir überlebt.“ &lt;u1:p&gt;&lt;/u1:p&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;In Hellmut Sterns Wohnung im bürgerlichen Berlin-Charlottenburg sucht man deshalb auch vergebens Anzeichen, dass hier ein Musiker wohnt. Zwar steht im Salon der Flügel, doch nirgends sieht man einen Notenständer, keine Geige liegt herum, keine Musikerporträts hängen an den Wänden. Und die Musikanlage mit der umfangreichen CD-Sammlung ist in einem Erker untergebracht, wo sie nicht auffällt. Was stattdessen auffällt, das sind die vielen &lt;span style="font-size:0;"&gt;&lt;/span&gt;Dinge asiatischer Herkunft. Zahlreiche chinesische Vasen sind in der ganzen Wohnung verteilt, filigrane chinesische Kommoden stehen vor Wandbehängen, die kunstvolle Schriftzeichen, Kraniche und Kirschbäume zeigen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Noch immer fühlt Hellmut Stern eine große Verbundenheit mit China. Elf Jahre hat er dort gelebt und spricht die Sprache fließend. Gerne gibt er eine Kostprobe – und die hört sich ziemlich „chinesisch“ an. Heimisch hat er sich dort aber nie gefühlt. Dazu sei ihm die Kultur zu fremd gewesen, sagt er. In Israel, wo er sich 1949 niederließ, hätte er leben können, doch sein Vater wollte in die USA, wo er glaubte, als 70-Jähriger bessere Beraufsaussichten zu haben. 1956 zog dann auch Hellmut Stern in die USA. Bis 1961 lebte er dort. Aber heimisch fühlte er sich auch dort nie. 1961 engagierten ihn die Berliner Philharmoniker, und Stern merkt, als er wieder mit seiner Frau und der Tochter Alina in Berlin lebt, dass er nur hier zu Hause ist. „Berlin, dit is meene Heimat“, sagt er mit einem breiten Lächeln. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;1928 wurde er in Berlin geboren. Sein Vater verpasste die Geburt, weil er abends als Wahlhelfer für die SPD beschäftigt war, Reichstagswahlen. Und die NSDAP hat an diesem Tag „ordentlich Federn gelassen“, freut sich Stern noch heute diebisch. Sein Vater arbeitet als Gesanglehrer, doch der Familie geht es wegen der Wirtschaftskrise finanziell schlecht. „Wir hatten nichts außer unserer Leidenschaft für die Musik“, erzählt er. Über die Mutter ist Stern übrigens mit dem Berliner Konzertimpresario Hermann Wolff verwandt, der einer der Initiatoren der Berliner Philharmoniker war. Bei den Sterns spielte Musik schon aus Familientradition eine große Rolle. Der kleine Hellmut selbst erhält ab dem fünften Lebensjahr Klavierunterricht, mit sieben kommt die Geige dazu.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Ein Jahr nach Hitlers Machtantritt kommt Hellmut Stern in eine jüdische Volksschule. Das Judentum spielt für die Sterns nur eine untergeordnete Rolle. „Wir haben die jüdische Religion aus kultureller Tradition geachtet, die großen Feiertage mitgemacht. Und jeder Schabbat war natürlich ein Feiertag, aber das war’s auch schon“, erinnert er sich. Die Sterns fühlen sich als Deutsche, beziehen die damals beginnende Hetz-Propaganda deshalb auch nicht auf sich. „Wie so viele Berliner Juden glaubten wir, das richte sich gegen die Ostjuden aus dem Scheunenviertel – ein verhängnisvoller Irrtum, wie ich heute weiß.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Der kleine Hellmut, der mit seinen blauen Augen und den damals noch blonden Haaren als „Arier“ gilt, rennt dann auch den SA-Aufmärschen hinterher, hält den Musikern sogar die Noten. „Die Nazis machten schon gute Musik. Diese Blaskapellen und Märsche, einfach großartig!“ Ebenso großartig wie Wagner übrigens, sagt er und gibt zu bedenken, dass die Juden ja schon immer die größten Anhänger von Wagner gewesen seien. „Seine Musik hat eben etwas Sinnenbetäubendes, Berauschendes“, sagt Hellmut Stern. Er selbst hält es wie sein Vater, der Wagner als Menschen verachtete („ein antisemitischer Lump“), zwischen Kunst und Person aber zu unterscheiden wusste. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wagners Kunst, den ganzen „Ring“ hat Stern übrigens in den 80er-Jahren komplett mit den Berliner Philharmonikern eingespielt. Mit Herbert von Karajan am Pult, dem großen Wagner-Verehrer und einstigen Mitglied der NSDAP. Karajan war im Übereifer des Opportunisten sogar gleich zweimal in die Partei eingetreten: Im Mai 1933 in Ulm und 1935 in Aachen. Nach dem Krieg wurde Parteigenosse Nr. 3.430.914 dann aber als „Mitläufer“ eingestuft und galt später, mit wilder Tolle, Starallüren und schwarzem Rollkragenpullover als größter Dirigent aller Zeiten. Dass er einst Oratorien uraufführte („Feier der neuen Front“), zu denen beispielsweise ein Baldur von Schirach den Text geliefert hatte, und dass Hitler den begabten Dirigenten 1939 zum „Staatskapellmeister“ ernannte, ist heute vergessen. An seinem Ruf hat es schon zu Lebzeiten nicht gekratzt. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Als Hellmut Stern 1961 bei den Berliner Philharmonikern engagiert wurde, wusste er nichts von Karajans Vergangenheit. Er hatte zunächst auch einen guten Eindruck von Karajan. Als er dann später von dessen Vergangenheit im Dritten Reich erfährt, hat er sich schon längst ein Bild von Karajan gemacht: das eines skrupellosen Opportunisten, der alles opfern würde, nur um Karriere zu machen. „Insofern hat mich seine Nazi-Vergangenheit nicht verwundert. Ich&lt;br /&gt;wusste aber, dass er kein Nazi war, er war völlig unpolitisch. Außerdem war Karajan ja zu Nazizeiten mit einer „Halbjüdin“ verheiratet, tut das ein Nazi? Nein.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Karajan war auch das größte Hindernis bei der Verwirklichung eines seiner sehnlichsten Wünsche. Seit den 60er-Jahren hatte Hellmut Stern immer wieder versucht, mit den Philharmoniker in Israel aufzutreten. „Ich wollte unbedingt mit dem Orchester da runter, weil dort viele einstige Berliner Abonnenten wohnten.“ Doch in Israel war man aus verständlichen Gründen nicht an dem einstigen Parteigenossen Karajan interessiert, der ein Orchester dirigieren würde, das von den Nazis instrumentalisiert worden war. Als Herbert von Karajan dann 1989 starb, fiel das größte Hindernis weg – Hellmut Stern konnte mit den Philharmonikern 1990 in Israel auftreten. 1993 kehrte er noch einmal zurück. Dann wurde er zu seinem Bedauern pensioniert. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Zunächst ist Hellmut Stern der Gedanke an ein Leben ohne das Orchester unerträglich. Doch bald ist er in so vielfältige Aktivitäten eingebunden, dass der Ruhestand zum „Unruhestand“ wird. Er tritt der SPD bei, sitzt als Beirat in Musikstiftungen, verfasst seine Memoiren, die unter dem Titel Saitensprünge – Erinnerungen eines Kosmopoliten immerhin schon acht Mal aufgelegt wurden. Auch tritt er als Zeitzeuge in Schulen auf. Hellmut Stern hat keine Hemmungen, sogar mit jungen Rechtsradikalen zu diskutieren. „Ich glaube, dass man junge Verführte nicht sich selbst überlassen darf. Man muss mit ihnen reden, muss quasi in Form eines ‚Anschauungsunterrichts‘ mit ihnen über das Judentum, die Nazis und die Schoa reden.“ &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Im September 1998 lädt ihn ein Sozialarbeiter nach Königs Wusterhausen ein, wo ihn 30 junge Skins in einem verräucherten Klubhaus erwarten. „Auf den Knien der kahlrasierten Jungs saßen deren Freundinnen. Sie schmusten miteinander. Meine Gegenwart störte sie nicht im Geringsten“, erzählt Stern amüsiert. Er stellt sich vor, sagt, dass er Jude sei und dass er wisse, hier vor einer Gruppe Antisemiten zu stehen. „Ich sagte ihnen dann, dass ich sicher sei, dass sie noch nie einen Juden gesehen hätten. Nun wolle ich ihnen einen präsentieren.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Hellmut Stern erzählt den Skins dann sein Leben, wobei er absichtlich berlinert. Er unterstreicht, wie sehr sich die Juden mit der deutschen Kultur identifiziert hätten, sagt, dass Hitler doch dem deutschen Volk am meisten geschadet habe. Worauf es dann zu einer überraschenden Bemerkung aus dem Publikum kommt: „Ach wat, Hitler war doch’n Arschloch.“ Was Stern dann noch mehr verblüfft, ist die einhellige Zustimmung aus dem Publikum. „Stellen Sie sich das vor: Nazismus ohne Hitler!“, ruft er jetzt aus. Im Laufe der Veranstaltung wird er sogar noch zu hören bekommen, dass er doch gar kein Jude sei: „Du bist doch eener von uns, du bist doch’n Deutscher!“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Leider muss Hellmut Stern aber auch feststellen, dass die jungen Rechten bei ihrem Ausländerhass keine Abstriche machen. „Sobald es um Asylbewerber ging, waren die zum Überdruss bekannten Parolen und Teilwahrheiten zu hören. Mit Argumenten war dem nicht beizukommen.“ Dennoch will Stern weiter mit Rechten diskutieren. „Wenn ich nur einen überzeugen kann, habe ich etwas erreicht.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Beim Abschied fällt der Blick noch einmal auf den Konzertflügel, wo die Göttin Saraswoti weiter lächelt. „Sie können Sie gerne mal in die Hand nehmen“, sagt Hellmut Stern. Das Holz fühlt sich wirklich gut an, glatt poliert. Neben der Statue steht ein Porzellanteller mit einem Bild der Harbiner Synagoge, in der Stern einst seine Bar Mizwa feierte. Von den Chinesen werde man in Zukunft noch viel hören, glaubt Stern. Auch musikalisch. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6816652001305048815?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6816652001305048815/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6816652001305048815' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6816652001305048815'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6816652001305048815'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/10/der-saitenspringer_262.html' title='Der Saitenspringer'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-4677132874316491674</id><published>2007-10-06T07:01:00.001-07:00</published><updated>2009-03-29T12:00:38.176-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Integration sozialschwach'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Neukölln'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buschkowsky'/><title type='text'>Von der Straße in die Manege</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;font-size:100%;" &gt;Wie ein Zirkus Neuköllner Grundschülern hilft, Vertrauen aufzubauen und was das mit einem friedlichen Miteinander zu tun hat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: lighter;font-size:80;" &gt;&lt;img src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwizj_ko2oI/AAAAAAAAAC0/PuWva0CBNyw/s320/chrl_20070629_791.jpg" alt="Circus Mondeo" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Fotos: &lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;Christian Reister&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Berliner Morgenpost/Welt am Sonntag, 07.10.07)&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;       &lt;p&gt;Kalif und Baku, die beiden Zirkus-Kamele, sitzen am Rand der Manege und blicken gelangweilt ins Publikum. Dass Fakir Hadi jetzt mit nackten Füßen und konzentriertem Blick auf einem Haufen scharfer Glasscherben steht, interessiert sie nicht. Hadi hebt einen Fuß, setzt ihn wieder ab, hebt ihn wieder, setzt den anderen ab und zeigt theatralisch, dass ihm die Scherben nichts anhaben können. Stolz lächelt der neunjährige Junge zu seinem Vater herüber. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mohammed El Ahmet klatscht in die Hände. Rund zwei Stunden lang hat der Libanese interessiert, aber auch etwas ratlos in die Manege geblickt, in der die Klassenkameraden seines Sohnes Hula-Hoop-Reifen kreisen ließen, mit Tellern, Ringen und Bällen jonglierten, Clownerien zeigten, am Trapez-Kunstfiguren turnten oder rasselnd bauchtanzten. Jetzt sieht El Ahmet endlich seinen Sohn und er sagt, dass er "sehr, sehr stolz" sei. &lt;/p&gt;      &lt;p&gt;Auch Gerhard Richter ist stolz, als der Applaus für die Fakire Hadi, Altanar, Emre und Sven losbricht. Zuvor waren die Schüler mit zwei Kamelen und drei Lamas, auf denen orientalisch geschmückte Klassenkameradinnen saßen, in die Arena gekommen, hatten sich mit nacktem Oberkörper auf den Haufen Glasscherben gelegt oder waren mit den Füßen drüber gelaufen - ohne dass ein Tropfen Blut geflossen wäre. "Das haben die toll gemacht", sagt Richter jetzt, "wie Profis." &lt;/p&gt;      &lt;p&gt;Der 48-jährige ist Direktor des Zirkus Mondeo. Er trägt einen blauen Frack mit Goldlitzen, die blonden Haare sind verschwitzt, die Lackschuhe sind vom Manegensand verstaubt, doch sein Lächeln bleibt stets makellos. Gerhard Richter stammt aus einer Berliner Artistenfamilie. Sein Zirkus ist Familie: die fünf Kinder turnen selbst in der Kuppel, die Schwester hilft beim Trainieren, die Tante sitzt an der Kasse, seine Frau kümmert sich um den Haushalt. &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;img src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi0zvko2pI/AAAAAAAAAC8/ynzCTffsuZ8/s320/chrl_20070928_271.jpg" alt="Circus Mondeo" border="0" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;In Richters Zirkus machen nicht ausgebildete Artisten das Programm, sondern Neuköllner Grundschüler. Woche für Woche empfängt er in Britz-Süd Schulklassen, um sie nach einem kurzen Training - eine Woche lang pro Tag zwei Stunden - für Manegen-Auftritte fit zu machen. Das Neuköllner Quartiersmanagement erwartet sich viel von Richters Zirkus-Zauber. Er soll verhindern, dass die Situation an den Schulen im Neuköllner Norden noch schlechter wird, als sie ohnehin schon ist. Seit dem Start des "Mitmachzirkus Neukölln" im Sommer 2006 traten schon 4000 Grundschulkinder auf. Bis 2008 wird das Programm laufen, bis dann sollen alle Grundschüler Zirkusluft geschnuppert haben. Das Quartiersmanagement verspricht sich davon Stärkung von Selbstvertrauen, Wecken von Kreativität und Entdecken der eigenen Fähigkeiten. Und es geht um Toleranz. &lt;/p&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi21_ko2qI/AAAAAAAAADE/BV5_Irs23DM/s320/chrl_20070629_488.JPG" alt="Circus Mondeo" border="0" /&gt; &lt;p&gt;Zur Aufführung sind an diesem Samstagnachmittag etwa 160 Eltern, Geschwister und Freunde der Grundschüler (60 Prozent haben Migrationshintergrund) gekommen. Den Anfang macht Dana, Richters heutige Assistentin, die tapfer gegen das Lampenfieber ankämpft. Dann stürmt, begleitet von viel Kunstnebel, Hengst Goa in die Manege. Er dreht im grellen Spotlicht einige Runden, dann zeigt die elfjährige Angelina, was sie ihm beigebracht hat. Sie gibt Goa, dem sie gerade Mal bis zum Oberschenkel reicht, den Befehl, mit den Vorderhufen auf ein Podest zu steigen und bei durchgedrückten Beinen den Kopf unterhalb die Podestkante zu senken - der macht es prompt. Zum Schluss nickt Goa, als sich Angelina mit einem Lächeln zum Applaus verbeugt, mehrmals mit dem Kopf - und frisst dann sein Belohnungs-Leckerei.&lt;/p&gt;      &lt;p&gt;Gerhard Richter steht währenddessen am Manegenrand. "Super hast du das gemacht, Angelina", ruft er. Man müsse immer wieder Feedback geben, deutlich machen, dass alles bestens laufe. "Für Angelina ist es das erste Mal überhaupt, dass sie im Rampenlicht steht. Ein Pferd wie Goa zu handhaben, stärkt enorm das Selbstvertrauen." Überhaupt kann Gerhard Richter die Schüler der Karl-Weise-Grundschule gar nicht genug loben. Sie hätten Außergewöhnliches geleistet.&lt;/p&gt;      &lt;p&gt;&lt;img style="margin: 0pt 0pt 10px 10px; float: right; cursor: pointer;" src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi39vko2rI/AAAAAAAAADM/gR7ieyH-w8U/s320/chrl_20070629_610.jpg" alt="" id="Circus Mondeo" border="0" /&gt;Doch Richter ist kein Schönredner, er erzählt auch von den Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hat. Mangelnde Körperbeherrschung, Disziplinlosigkeit oder Hunger. Manchmal kommen Kinder mit knurrendem Magen zum Zirkustraining. Gegen den Hunger schmiert seine Frau einen Berg Brötchen, gegen mangelnde Köperbeherrschung hilft nur viel Aufmerksamkeit und Eingehen auf die Schwächen und Stärken der Kinder. Gerhard Richter weiß aber auch, dass er in zehn Stunden Probenzeit keine Artisten-Wunder vollbringen kann - aber das sei auch nicht beabsichtigt, sagt er. Während der Aufführung leistet er mit seinen drei Trainern Hilfestellung und bügelt kleine Patzer aus. Richters Trainer gehören ebenfalls zur Zirkus-Familie. Es sind seine zwei Söhne und die älteste Tochter. Julia Richter steht in der Manege, von der Zirkuskuppel hängt das Trapez. Die 24-Jährige hilft einem Mädchen auf den Holm. Es spreizt die Finger, während sich an ihren Beinen ein anderes Mädchen festhält. Langsam, begleitet von Céline Dions "Titanic"-Song, fährt das Trapez fünf Meter in die Höhe. Konzentration, Körperbeherrschung und Vertrauen, all das sei am Trapez wichtig, sagt Julia Richter. "Der unten hängt, muss sich drauf verlassen können, dass er vom Anderen mit festgehalten wird - bisher hat das immer geklappt." &lt;/p&gt;      &lt;p&gt;Annette Große, Deutschlehrerin an der Karl-Weise-Grundschule, sieht in dem Zirkus-Projekt einen nachhaltigen Effekt: "Die Kinder reden noch monatelang über das Erlebte." Außerdem versuche die Lehrerschaft mit Fotowänden in den Schulfluren bei den Kindern die Erinnerung wach zu halten. Das Wichtigste sei, dass die Kinder aus dem Schulalltag herauskämen, "dass sie sich selbst in einem anderen Licht sehen und einmal Aufmerksamkeit erhalten." Annette Große sagt, dass sie erstaunt sei, schon nach einer Woche derartige Fertigkeiten zu sehen, eine andere Lehrerin fügt hinzu: "Ich glaube, wir trauen den Kinder manchmal auch zu wenig zu." &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;img src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi5C_ko2sI/AAAAAAAAADU/UCqNaSBieuM/s400/chrl_20070629_962.jpg" alt="Circus Mondeo " id="BLOGGER_PHOTO_ID_5118544437582551746" border="0" /&gt;&lt;/p&gt;    &lt;p&gt;Seinem Sohn würde Mohammed El Ahmet alles zu trauen. Er steht nach der Fakir-Schlussnummer draußen. Sein Kopf verschwindet fast hinter einem Berg Zuckerwatte, die sein Vater gekauft hat. &lt;/p&gt;      &lt;p&gt;Immer wieder will Mohammed El Ahmet von ihm wissen, wieso er denn unverwundbar gegen das scharfe Glas gewesen sei. Doch Hadi grinst nur, sagt dass er eben ein Fakir sei. "Geheimnis", ruft er. Ehe er geht, gibt er aber dann doch "der Zeitung" das Geheimnis preis. "Aber nicht weitersagen" verlangt er. Versprochen. &lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-4677132874316491674?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/4677132874316491674/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=4677132874316491674' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4677132874316491674'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4677132874316491674'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/10/fakir-hadi.html' title='Von der Straße in die Manege'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwizj_ko2oI/AAAAAAAAAC0/PuWva0CBNyw/s72-c/chrl_20070629_791.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6347183525359084979</id><published>2007-09-29T13:24:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T12:03:28.577-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nazis'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Jakob der Lügner'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Christine Becker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Jurek Becker'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Juden'/><title type='text'>Jureks Witwe</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Er schrieb "Jakob der Lügner" und erfand "Liebling Kreuzberg". Er war einer der größten Schriftsteller, die Berlin hatte. Heute wäre Jurek Becker 70 Jahre alt geworden. Eine Begegnung mit seiner Witwe Christine&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Berliner Mogenpost, 30.09.07)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi6QPko2tI/AAAAAAAAADc/EXvErt0ndZU/s400/chrl_20070920_024b.jpg" alt="Christine Becker" border="0" /&gt;&lt;span style="font-size:80;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Fotos: &lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;Christian Reister&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jurek Beckers Schreibtisch steht noch immer an seinem alten Platz. Unverrückt und mit Blick über die Dächer von Steglitz, im Dachgeschoss einer gelben Stadtvilla. Einst schrieb der Autor hier seine Romane und Drehbücher, nun sitzt an der Stelle seine Witwe Christine Becker und verwaltet den Nachlass, umgeben von Fotokopiestapeln, Briefen und druckfrischen Büchern. Es sind die Neuerscheinungen zu Jurek Beckers 70. Geburtstag. Den hätte er heute feiern können, wenn er nicht vor zehn Jahren an Krebs gestorben wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über die neuen Bücher - eine Extraausgabe seines großen Romans "Jakob der Lügner" und ein Band mit Aufsätzen und Interviews - hätte sich Jurek Becker sicher gefreut. Auch wenn er den eigenen Geburtstag ja eigentlich nie gefeiert hat: "Der wollte nie Wirbel darum", sagt Christine Becker, 47. Geschenke hat sie ihm aber trotzdem stets gekauft, und sie lächelt, wenn sie davon erzählt. "Einmal war's eine braune Lederreisetasche, dann eine wissenschaftliche Gesamtausgabe von Heinrich Kleist - er hat sie wahrscheinlich nie gelesen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Christine Becker war 12 Jahre mit dem Autor verheiratet. Sie ist ein herzlicher, aufmerksamer und höflicher Gesprächspartner, spricht ohne Pause, aber nicht zu schnell, so dass man ihr gerade noch folgen kann. Sie hat in diesem Jahr schon oft über Jurek Becker gesprochen, öfter als sonst. Denn 2007 ist inoffizielles "Jurek-Becker-Jahr": Zum einen jährt sich der zehnte Todestag, zum anderen der 70. Geburtstag. Zu beiden Gedenktagen fährt sie ans Grab in Sieseby im Norden von Schleswig-Holstein. Dort wird sie auch heute sein, um Blumen auf sein Grab zu legen. Auch das Jahr über bringt sie immer wieder Blumen und freut sich, dass dort oft schon Sträuße liegen, die Besucher mitgebracht haben. "Die Menschen haben Jurek also nicht vergessen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als sie 1983 zu einer seiner Lesungen ging, kannte sie noch keine Zeile von ihm. Dabei war Becker schon damals ein bekannter Autor. 1937 als Kind jüdischer Eltern in Polen geboren, überlebte er als kleiner Junge das KZ und wuchs in der DDR auf. Bis 1977 hat er dort gelebt, in seinen Romanen über jüdisches Leben nach dem Holocaust ("Bronsteins Kinder") und über das Leben in der DDR ("Irreführung der Behörden") geschrieben. Christine Becker, damals noch Christine Niemeyer, war damals 22 Jahre alt, Tochter eines Verlegers aus Tübingen und lernte in Frankfurt Verlagsbuchhandel. Eigentlich haben sie Lesungen noch nie sonderlich interessiert, doch ein Dozent empfahl ihr, sie solle doch einmal bei Jurek Becker vorbeischauen. Also ging sie hin, nahm sich aber vor, sofort zu gehen, wenn ihr der "Typ" nicht gefallen sollte. Da saß sie dann in der hintersten Reihe, im beigefarbenen Trenchcoat, die rote Handtasche griffbereit, bereit zum Sprung zur Tür hinaus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jurek Becker, damals 45, kam mit eiligem Schwung auf die Bühne, zog gleich das Jackett aus und krempelte sich die Ärmel hoch. "Das war ziemlich ungewöhnlich für einen Schriftsteller." Aber Jurek Becker hatte eben keine Allüren und suchte die Nähe seiner Zuhörer. Die Art, wie er aus einem seiner Romane vorlas, gefiel ihr dann aber nicht so sehr: "Monoton und stinklangweilig." Aber sie blieb. Vor allem, als ihr bewusst wurde, dass Becker mit Absicht derart monoton vorlas. "Er wollte lieber mit seinem Publikum diskutieren und deshalb die Lesung von der Diskussion klar trennen." Nach der Lesung stürzte Jurek Becker dann auf die junge Dame mit der roten Tasche zu und fragte, wie es ihr gefallen hätte. Sie sei ihm gleich in ihrer Ecke aufgefallen, bekannte er ihr später. Für ihn war es Sympathie auf den ersten Blick - bei ihr auch. Seit dem Abend sind sie zusammen, sie zieht zu ihm nach Westberlin, drei Jahre später heiraten sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während Jurek Becker unter dem Dach über seinen Manuskripten sitzt, macht Christine Becker ihren Studienabschluss und versucht später ebenfalls Geld zu verdienen. Sie will nicht von ihrem Mann abhängig sein. Also schreibt sie Drehbücher, weil sie findet, dass das Vorabendprogramm zu niveaulos ist. Leider werden "die Dinger" zwar verkauft, aber nicht produziert. Währenddessen schreibt Jurek Becker weiter unterm Dach als Drehbuchautor mit der ARD-Serie "Liebling Kreuzberg" Fernsehgeschichte. Er unterstützt sie zwar, indem er sie ermuntert und ihr sagt, dass sie das "Zeug zum Drehbuchschreiben" hätte, doch klaut er gerne auch Ideen und rechtfertigt sich mit einem dezenten Macho-Hinweis: "Wer verdient denn bei uns das meiste Geld?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sei aber sein einziger Ausfall gewesen, erinnert sie sich: "Er verdiente zwar das Geld, ging aber auch einkaufen und kochte für uns." Als sie dann das Drehbuchschreiben bleiben ließ und eine Universitätskarriere anstrebte, kündigt sich das erste Kind an. (Jurek Becker hatte aus erster Ehe bereits zwei Söhne: Nikolaus und Leonhard). Jonathan (oder "Johnny") ist heute 17, hat bisher noch kein Buch seines Vaters gelesen - was aber kein Desinteresse sei: "Er denkt, dass, wenn er jetzt schon alles vom Vater liest, in der Zukunft nichts mehr über ihn zu entdecken gäbe."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Christine Becker sieht die Zukunft wohl so aus, dass sie sich weiter um Jurek Beckers Werk und Nachlass kümmern wird. Wenn das Bonmot des französischen Dramatikers Sacha Guitry stimmen sollte, dass ein Schriftsteller zwar viele Frauen heiraten könne, bei der Wahl seiner Witwe aber vorsichtig sein sollte, dann hat Jurek Becker es genau richtig gemacht: Christine Becker ist Literaturwissenschaftlerin und bereitet seinen literarischen Nachlass kompetent auf. So hat sie in den vergangenen Jahren in aufwendiger Kleinarbeit Jurek Beckers Briefe ausfindig gemacht und herausgeben und den jetzt erschienenen Band mit den Aufsätzen zusammengestellt ("Mein Vater, die Deutschen und ich"), unzählige Lesungen absolviert und immer wieder Briefe beantwortet. Im Oktober wird sie sogar in die USA fliegen, um dort an amerikanischen Universitäten Vorträge über Jurek Becker zu halten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch ohne die Nachlassarbeit würde kein Tag vergehen, an dem sie nicht irgendwie an ihn denkt, meint sie. Und dass man das nicht mit Rückwärtsgewandtheit verwechseln solle, sie lebe seit acht Jahren in einer glücklichen Beziehung. Jurek Becker sei ganz natürlich präsent in ihrem Leben, "einfach dadurch, dass ich mit vielen meiner Freunde über ihn rede, weil die ihn auch kannten. Jeder sucht die Gelegenheit, um über ihn zu reden. Und wenn möglich, über seinen legendären Humor zu lachen." Denn Jurek hätte keine weihevolle Tragik gewollt, wenn man nach seinem Tod über ihn gesprochen hätte, erzählt sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tragisch war aber der Januar 1996, als bei Jurek Becker ein fortgeschrittener Krebs diagnostiziert wurde. Damals sei, auch wenn der Ausdruck abgedroschen klinge, eine Welt zusammengebrochen. Bei einem Krebs, wie Jurek Becker ihn hatte, betrug die Lebenserwartung statistisch ein Jahr. Das hätte Jurek aber nicht interessiert, erzählt Christine. "Jurek hat gesagt, dass er nicht an Statistiken glaubt. Er hat immerhin etwas überlebt, was statistisch gesehen sehr unwahrscheinlich war: das KZ." Also arbeitet er weiter an seinem nächsten Romanprojekt, versucht die qualvollen Nebenerscheinungen der Chemotherapien zu ignorieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anfang März 1997 fahren die Beckers dann nach Sieseby, wo sie damals ein kleines Landhaus besaßen. Und dort stirbt Jurek Becker, ganz friedlich und im Schlaf. Auf dem dortigen evangelischen Friedhof liegt er begraben. Kurz vor seinem Tod hatte Christine Becker den jüdischen Friedhof in Weißensee als Grabstätte ins Gespräch gebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Aber das wollte er nicht, Jurek war ja sein ganzes Leben lang in keine Synagoge gegangen und außerdem erklärter Atheist", erzählt sie. Welche Rolle spielte dann überhaupt das Judentum für Jurek Becker? "Es war ihm selbst ein Rätsel", sagt sie. Er habe sich immer dagegen gewehrt, als Jude bezeichnet zu werden nur weil seine Eltern Juden waren. "Das wollte er selbst bestimmen. Auch wenn er zugegeben hat, dass die jüdische Kultur ihn tief beeinflusst hat." Gab es dennoch etwas typisch Jüdisches an Jurek Becker? Vielleicht, sagt Christine Becker, seine Art, mit Menschen umzugehen, der schwarze Humor, das Frotzeln mit Freunden und die Selbstironie. All das fehlt ihr noch heute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi7e_ko2uI/AAAAAAAAADk/Wk3df9dMsXk/s400/th_chrl_20070920_016b.jpg" alt="" border="0" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6347183525359084979?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6347183525359084979/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6347183525359084979' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6347183525359084979'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6347183525359084979'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/09/jureks-witwe.html' title='Jureks Witwe'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi6QPko2tI/AAAAAAAAADc/EXvErt0ndZU/s72-c/chrl_20070920_024b.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-216629812426232839</id><published>2007-09-20T09:52:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T12:04:25.049-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Islam'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Verfolgung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Türken'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Türkische Christen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><title type='text'>"Jesus hat mich berührt"</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;" class="h1standardschrift"&gt;Zu Besuch bei einer Kirchengemeinde mit türkischen  Mitgliedern. Sie alle waren früher Muslime.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(&lt;span class="t1"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Rheinischer Merkur, 19.09.07)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:80;"&gt;&lt;img src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi8HPko2vI/AAAAAAAAADs/0IM9USjWd-E/s400/th_chrl_20070915_115.jpg" alt="In der Timotheus Gemeinde" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;Fotos: &lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;Christian Reister&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="t1"&gt;An der Fensterscheibe ziehen sich kalkige Schlieren entlang,  verlaufen über dem Schild, das unübersehbar hinter der Scheibe angebracht ist:  „Türkische Christen Berlin“. Die Scheibe gehört zu einer Ladenwohnung in einer  zugigen Durch-fahrtstraße im Berliner Migrantenbezirk Wedding. Gerhard Denecke*,  45, taucht einen gelben Schwamm in einen Eimer, wringt ihn aus und putzt damit  die Scheibe. „Das mache ich leider immer mal wieder“, sagt er dann mit einem  leicht ratlosen, aber freundlichen Lächeln. Die Schlieren seien Spucke, erklärt  er. Immer wieder spuckten Passanten gegen die Scheibe. Denecke vermutet, dass es  türkische Muslime aus dem Viertel sind. „Für die stellen wir eine Provokation  dar“, erzählt er, während er einen Schritt zurückgeht und schaut, ob die Scheibe  wieder glänzt. „Für die passt das nicht zusammen: Türke sein und Christentum.“&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;&lt;br /&gt;Gerhard Denecke, schwarzes Jackett, Vollbart, sächsischer  Akzent, ist ehrenamtlicher Prediger einer kleinen Gemeinde türkischer Christen  in Berlin. Seit dem Sommer 2006 treffen sie sich regelmäßig in der Weddinger  Ladenwohnung. 40 Mitglieder, und alle waren früher Muslime. „In Deutschland  kamen sie mit dem Christentum in Kontakt, ließen sich taufen und beten nun das  Vaterunser auf Türkisch“, erzählt der Prediger. In seiner Gemeinde gibt es  sowohl den klassischen Gastarbeiter als auch Türken der zweiten und dritten  Generation. Bei vielen führte die Unzufriedenheit mit dem Islam zur Annäherung  an das Christentum, vermutet Denecke. „Die finden im Koran einfach nicht, was  sie spirituell suchen.“&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Experten schätzen, dass es in Deutschland etwa 5000 Menschen  gibt, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind. In Berlin sind es wohl  ein paar hundert. Genauere Zahlen gibt es nicht. Neben Deneckes Kreis türkischer  Christen trifft sich in Berlin eine Gemeinde arabischer Christen, die einst  muslimisch waren, sowie eine Gemeinde iranischer Christen, die von einem  Prediger geleitet werden, der als Konvertit im Iran nur knapp dem Tod entronnen  ist. Sie alle wollen nicht, dass über sie im Detail berichtet wird. „Zu  gefährlich“, heißt es bei den arabischen Christen. Die Iraner geben an, dass sie  den Geheimdienst ihres Landes fürchten. „Es muss leider alles im Verborgenen  bleiben“, sagt der Pastor am Telefon.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Im Koran heißt es in Sure 4,89 über diejenigen, die abfallen:  „Tötet und ergreift sie, wo immer ihr sie findet.“ Die Sure müsse man im  geschichtlichen Kontext bewerten, meint die Islamwissenschaftlerin Johanna Pink  von der Freien Universität Berlin. „Die Sure bezieht sich auf kriegerische  Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu Lebzeiten des  Propheten.“ Bestraft werden solle nur derjenige, der gewaltsam gegen den Islam  kämpfe, sagt die Expertin. In der klassischen Rechtslehre sei die Todesstrafe  aber unter Berufung auf die Praxis des Propheten eindeutig die anerkannte  Bestrafung, fügt sie hinzu. Bis in die heutige Zeit. „Da es im Islam aber keine  oberste Instanz in Glaubensfragen gibt, ist der Islam offen für gemäßigte oder  extremistische Interpretationen.“ In Ägypten hat der Fall des Konvertiten  Mahmoud Hegazy die Autoritäten entzweit. Der Großmufti äußerte Verständnis,  andere Gelehrte und der Religionsminister Mahmoud Hamdi Zakzouk forderten seinen  Kopf.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi9Gfko2wI/AAAAAAAAAD0/tu76E0nlLhI/s400/th_chrl_20070915_078.jpg" alt="Timotheus Gemeinde in Berlin" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Gerhard Deneckes türkische Gemeindemitglieder, die nach und  nach in die Ladenwohnung kommen und einander mit Wangenküssen begrüßen, haben  genau vor dieser Interpretation Angst. Sie wollen deshalb auch weder  fotografiert noch mit ihrem vollen Namen zitiert werden. Zwar ist bisher in  Deutschland noch kein Fall bekannt geworden, in dem ein Konvertit tatsächlich  umgebracht worden wäre, aber die Morde an den zwei türkischen Konvertiten sowie  an ihrem deutschen Prediger in der Osttürkei im April haben gezeigt, was  passieren kann, wenn sich Extremisten berufen fühlen, den „Willen Allahs“ zu  vollstrecken.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Gerhard Denecke kannte eines der damals ermordeten Opfer, den  35-jährigen Necati Aydin. 1998 hatte er Aydin in der Türkei kennengelernt. „Wir  hatten ein persönliches Verhältnis“, erinnert er sich. „Dem Mann war bewusst,  worauf er sich einlässt, als er sich zu Jesus bekehrte und davon in der Türkei  sprechen wollte“, erzählt er. Dass seine Gemeinde durch das dezente, aber doch  sichtbare Ladenschild im muslimisch geprägten Viertel präsent ist, stellt für  ihn keinen Widerspruch dar: „Wer uns finden will, der kann uns finden. Denn das  wollen wir ja: Zeugnis von Jesus ablegen.“ Und er fügt an:„Wir vertrauen eben  auf Gott.“&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Die dunkle, leicht muffig riechende Ladenwohnung – im hinteren  Lagerraum hinterließ ein Wasserschaden Wandmuster – hat sich gefüllt. Etwa zehn  Gemeindemitglieder, Frauen und Männer, haben sich um einen großen Holztisch  versammelt. An der Wand hängt ein großes Holzkreuz. Kerzen verbreiten warmes  Licht. Türkischsprachige Gebetsbücher liegen aufgeschlagen. Denecke stimmt seine  Gitarre. Die türkischen Christen greifen nach dem Gebäck und nehmen sich  Schwarztee aus dem dampfenden Samowar auf dem Fensterbrett. Später werden sie  Lieder singen, über Bibelstellen diskutieren und im gemeinsamen Gebet um  Beistand in ihrem Alltag bitten. Für diese Christen ist der Glaube mehr als eine  formale Kirchenzugehörigkeit: Sie wollen vielmehr lernen, wie sie ihren Glauben  leben können, wollen sich zum Positiven verändern.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Währenddessen sitzt Aslan Özdemir auf einem abgeschabten  Polsterstuhl im Hinterzimmer, ein dampfendes Teeglas in der Hand. Der stämmige,  ruhige 23-jährige Deutschtürke ist Student, in Berlin-Kreuzberg geboren, sein  Vater kam Ende der Sechzigerjahre als Gastarbeiter nach Berlin. An Religion habe  er schon immer Interesse gehabt, sagt er. Früher habe er versucht, ein guter  Muslim zu sein, so wie es ihm sein Vater vorgemacht habe. „Aber irgendetwas hat  immer gefehlt“, meint er. Der Koran sei ihm stellenweise widersprüchlich  vorgekommen. Allah habe ihn abgestoßen: „Er ist ein großer Herrscher, der  irgendwo in der Ferne im Himmel thront. Er braucht dich eigentlich gar nicht.  Und wenn er sich mit dir beschäftigt, dann nur, um dich zu bestrafen.“&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Özdemir beschäftigte sich mit verschiedenen Religionen, las  buddhistische Bücher, blieb beim Christentum hängen: „Die Bibel kam mir sehr  stark vor, in sich schlüssig. Die Beziehung zu Gott ist sehr persönlich – und  Gott liebt dich um deiner selbst willen, ebenso wie man ja seinen Nächsten  lieben soll, ohne dass man etwas von ihm als Gegenleistung erwartet.“ Der Islam  ist ihm eher egoistisch vorgekommen: „Auch wenn viele Muslime vordergründig gute  Menschen sind, geht es immer nur darum, A zu tun, um B zu erhalten.“&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Mittlerweile ist er Mitglied der evangelischen Kirche. Sein  Pfarrer hat ihn im Wannsee getauft. „Das war ein bisschen wie zu Jesu Zeiten“,  schwärmt er. Dass auch seine bis heute muslimische Schwester dabei war, ist für  ihn ein kleines Wunder. „Für uns Türken ist die Familie das Wichtigste.“ Es war  ein Schock für seine Familie, als er mitteilte, dass er Christ geworden sei.  Allerdings brach niemand den Kontakt ab. Auch drohte ihm niemand, wie es häufig  vorkommt, wenn Muslime den Glauben wechseln. So wie bei Sengül Kücük. Die  55-jährige Rentnerin – einst Gastarbeiterin der ersten Generation – sagt, dass  sie gegen alle Widerstände Christin geworden sei. Sie sitzt neben Özdemir, hat  ihm zugehört und hin und wieder mit dem Kopf genickt. Sie ist in einem kleinen  Dorf in der Westtürkei aufgewachsen. „Ich habe Schlechtes erlebt“, erzählt sie.  Der Stiefvater missbrauchte sie, mit 18 Jahren wurde sie zwangsverheiratet. Den  muslimischen Glauben habe sie immer ernst genommen. „Ich habe alle Gebote  eingehalten, Kopftuch getragen, fünfmal am Tag gebetet.“ Dennoch fühlte Sengül  Kücük eine Leere. „Ich fragte mich, wer ich bin, wer mich eigentlich liebt, denn  ich habe nur Gewalt erfahren.“&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Ende der Sechzigerjahre will Sengül Kücük der Enge und der  Armut ihres Dorfes entkommen. Sie geht nach Berlin, arbeitet in einer Fabrik.  Nach einem Jahr kommt ihr Ehemann nach, sie bekommt einen Sohn. Doch der Mann  schlägt sie, verspielt ihr hart verdientes Geld. „Mein Herz war damals wie ein  Stein, ich konnte nicht lachen, nicht weinen. Und in meinem Innern war noch  immer diese schreckliche Leere“, erzählt sie.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Vom Islam hatte sie sich innerlich immer mehr verabschiedet.  „Im Koran ist keine Hoffnung, nur Bedrohung. Gott sieht alles, weiß alles, aber  hilft er dir? Nein. Ich habe mich gefragt: Wo ist mein Platz in dieser Welt? Und  der Koran sagt mir: unter dem Fuß des Mannes.“ Das will Sengül Kücük nicht mehr  akzeptieren. In Deutschland sieht sie die selbstbewussten deutschen Frauen. „So  wollte ich auch sein, mein Leben selbst bestimmen.“ Sengül Kücük verlässt nach  einigen Jahren ihren prügelnden Ehemann, wendet sich auf den Tipp einer  Arbeitskollegin hin an die örtliche Familienfürsorge. Die Sozialarbeiterin ist  eine überzeugte Christin, die sich auch für Sengül Kücük engagiert. „Das war neu  für mich. Ich kannte Deutsche nur als Ausnutzer“, erinnert sie sich. Ihre  Betreuerin redet immer wieder von Jesus Christus. Doch Sengül Kücük hat erst  einmal viele Bedenken gegen das Christentum, die sie noch aus ihrer muslimischen  Umgebung kennt. Sie denkt, dass Jesus Christus ein eigener Gott sei, hält die  Trinität für Vielgötterei und die Bibel schlichtweg für falsch. Doch sie fängt  an, sich für den anderenGlauben zu interessieren, denn die Sozialarbeiterin ist  so ernsthaft dabei, wenn es um ihr Schicksal geht, sie sucht immer nach einer  Lösung. Und sie ist Christin. Sengül Kücük willigt schließlich ein, mit ihr zum  Ostergottesdienst zu kommen.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;Die feierliche Atmosphäre und das gleichberechtigte  Nebeneinander von Männern und Frauen beeindruckten sie von Anfang an. „Und als  der Pfarrer von Jesus gesprochen hat, gesagt hat, dass Jesus für alle Menschen  gestorben ist, um ihnen Hoffnung zu geben, da hat mich das völlig umgehauen.“  Sie habe sich gefragt, ob das stimmen könnte, dass Jesus auch für sie gestorben  sei, ob er auch mit ihr zu tun haben könnte, erzählt Sengül Kücük. „Jesus hat am  Kreuz auch für mich gelitten, 2000 Jahre vor meiner Geburt. Das hat mich  berührt.“ Sie beginnt nach jenem Gottesdienst, in der Bibel zu lesen. Heute sagt  sie, dass ihr die Botschaft von Jesus, seine Lehre von Liebe und Vergebung dabei  geholfen habe, den inneren Hass zu besiegen, den sie damals auf die Menschen  gehabt hätte.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="absatz"&gt;1976 lässt sie sich taufen und tritt in die evangelische  Kirche ein. Ihre türkische Verwandtschaft ist entsetzt. Ihre Mutter sagt ihr am  Telefon, sie sei nicht mehr ihre Tochter und dürfe nicht mehr über die Schwelle  ihres Hauses treten. „Sie hat mich gefragt, was ich von diesem schwachen Mann  Jesus erwarten würde, dem sein Gott nicht helfen konnte und der deshalb  gestorben ist.“ Doch Sengül Kücük bleibt bei ihrer Entscheidung. Sie sei immun  gegen alle Widerstände gewesen, sagt sie. Auch als ihre türkischen Freunde sie  nicht mehr besuchten und nicht mehr einluden. „Ich kann wieder lachen, weiß, wer  ich bin, dass ich geliebt werde, eine gute Zukunft habe“, sagt sie. Sengül Kücük  freut sich, Christin geworden zu sein: „Ich habe etwas Besseres  gefunden.“&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-216629812426232839?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/216629812426232839/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=216629812426232839' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/216629812426232839'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/216629812426232839'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/09/jesus-hat-mich-berhrt.html' title='&quot;Jesus hat mich berührt&quot;'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rwi8HPko2vI/AAAAAAAAADs/0IM9USjWd-E/s72-c/th_chrl_20070915_115.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-2003785199361938097</id><published>2007-07-05T03:59:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T12:05:02.468-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='NS-Verfolgung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Erwin Goldberg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berliner Juden'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Emigration'/><title type='text'>Heimweh nach Berlin</title><content type='html'>&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;&lt;b&gt;Erwin Goldberg flüchtete 1938 nach Südamerika. Seit einigen Jahren pendelt er nun zwischen Buenos Aires und Berlin&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Jüdische Allgemeine, 19. August 2007)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt; „Senior Goldberg“ ist wieder da. Der Besitzer des spanischen Spezialitäten-Geschäfts in der Westberliner Kantstrasse freut sich. Eben ist ein mittelgroßer, rüstiger Herr mit einem freundlichen Lächeln in sein Geschäft gekommen – Erwin Goldberg. Der 93-jährige Rentner lebt gerade wieder einmal für drei Monate in Berlin – in der Stadt, in der er einst geboren wurde und die er 1938 unter abenteuerlichen Umständen verlassen musste. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;Damals flüchtete Erwin Goldberg vor einer drohenden Gestapo-Verhaftung nach Argentinien, „ohne eine einzige Mark, ich hatte nichts weiter als meine Erziehung“, erzählt er mit heiserer Stimme und nasalem Tonfall, während er zwischen spanischen Weinflaschen, Würsten und Gebäck nach Mate-Tee sucht. Goldberg, der noch 1935 eine Ausbildung am jüdischen Lehrerseminar beenden konnte und auch am bekannten Sternschen Konservatorium Gesang studiert hatte, unterrichtete damals in der neuen Heimat an einer Urwaldschule, träumte von Berlin, hoffte, dass er eines Tages zurück kehren würde. „Ich hatte ein solches Heimweh, das glauben Sie gar nicht!“ &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;Als er 1945 von den KZs erfährt und dass sein Bruder in Auschwitz ermordet wurde, schwor er sich aber „nie wieder auch nur einen Fuß nach Deutschland zu setzen.“ Bis 1972 hat er seinen Schwur gehalten. Er wird Argentinier, heiratet, arbeitet als Lehrer und singt daneben als hauptamtlicher Kantor in einer Synagoge in Buenos Aires. Im Sommer 1972 lag dann eines Tages ein Brief aus Deutschland im Briefkasten. Absender: die Berliner Senatskanzlei. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Schütz lud ehemalige jüdische Bewohner Berlins auf eine einwöchige Reise ein. Damals war Erwin Goldberg 60 Jahre alt. Er habe lange überlegt, mit Freunden diskutiert und schließlich „das Ganze als eine Geste der Versöhnung begriffen“, sagt er. Er könne verzeihen, aber nicht vergessen, fährt er dann nachdenklich fort. „Aber alles was ich in der Emigration geworden bin, verdanke ich meiner deutschen Erziehung, wie könnte ich da die Deutschen hassen?!“&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;Als er dann in Berlin-Tegel aus dem Flugzeug steigt, da habe er gewusst, dass er hier immer noch zu Hause sei. „In Berlin wurde ich geboren, hier habe ich gelernt und die besten Lehrer gehabt. Hier habe ich gelitten“, erzählt er.&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;Wie im Fieber habe er damals die Stätten seiner Kindheit, gesucht, sei über den Kurfürstendamm flaniert. Und er fährt auch einen Tag „rüber“, in die DDR. „Diese Atmosphäre von Polizeistaat hat mich ganz stark an Nazi-Deutschland erinnert.“ &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;rschüttert habe er auch vor den Ruinen der Synagoge in der Oranienburgerstrasse gestanden, wo er einst Albert Einstein Geige spielen sah und mit Leo Baeck Gottesdienste bestritt. Während des Besuchs erhält Goldberg das Angebot als Musiklehrer an einer Weddinger Grundschule zu unterrichten. Er nimmt das Angebot an, lässt sich nach 35 Jahren Exil wieder in Berlin nieder und wird sogar noch mit 64 Jahren zum Beamten ernannt. „Einmalig in der gesamten Geschichte der BRD“, erklärt er nachdrücklich. Gleichzeitig hilft er auch in Synagoge in der Pestalozzistrasse als Kantor aus: „Immer wenn Not am Mann war haben die mich geholt.“ &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;1996, vor elf Jahren ist Erwin Goldberg dann wieder nach Buenos Aires zurück gekehrt. Seine Frau sei nie richtig in Berlin heimisch geworden. „Sie vermisste das offene Herz der Menschen.“ Und wenn Erwin Goldberg ehrlich ist, dann ging ihm das ein wenig ähnlich. „Wenn ich in Argentinien Freunde sehen möchte, dann gehe ich einfach vorbei. Hier muss ich anrufen, dann blättern die erst mal in ihrem Terminkalender“, sagt er. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;Damals dachte Erwin Goldberg, es sei ein Abschied für immer. „Aber man soll nie nie sagen. Berlin lässt keinen los.“&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;Deshalb kommt er auch, solange die Gesundheit mitspielt, jedes Jahr für drei Monate an die Spree. „Ich bin wie ausgehungert“, erklärt er mit leuchtend Augen. „Nach Theater, Musik und Kultur – das gibt es nur in Berlin.“Dieses Mal hat er übrigens auch seine Autobiographie mitgebracht. „Wirbelstürme des Schicksals“ heißt das Buch, das bei einem kleinen Hamburger Verlag erschienen ist. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText" style="text-align: left;" align="left"&gt;2004 kam die auf spanisch geschriebene Originalausgabe heraus, die er als eine Hommage an seine neue Heimat Argentinien verstanden habe.Jetzt hat Erwin Goldberg das Werk ins Deutsche übersetzt. „Ich will mit meiner Lebensgeschichte zeigen, dass man immer Hoffung haben muss, die Zuversicht nicht verlieren darf“, sagt er. So sei er als Jude den Nazis entkommen, habe zwei schwere Krebserkrankungen überstanden. „Aber ich lebe noch – und Hitler nicht.“&lt;span style="font-size:0;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-2003785199361938097?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/2003785199361938097/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=2003785199361938097' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/2003785199361938097'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/2003785199361938097'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/07/das-zweite-zuhause.html' title='Heimweh nach Berlin'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6584135899229643111</id><published>2007-07-05T03:44:00.000-07:00</published><updated>2009-03-29T12:05:33.858-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Antisemitismus'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Restaurant Pasternak'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Berlin'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Anschlag'/><title type='text'>Pasternaks ungebetene Gäste</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;font-size:100%;" &gt;Das Restaurant „Pasternak“ in Berlin ist häufig Ziel von Vandalismus. Steckt Antisemitismus dahinter?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:100%;" &gt;(Jüdische Allgemeine, 25. Juni 2007)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die zerstörten Blumenkübel wurden schon erneuert, ebenso wie die herausgerissen Pflanzen. Vergangene Woche, in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte das russisch-jüdische Restaurant «Pasternak» in Berlin erneut ungebetene Gäste. Es ist schon das zehnte Mal. In den letzten zwei Jahren wurde an den Markisen gezündelt, die Sonnenschirme aufgeschlitzt und Säure auf Zierpflanzen gekippt. Inzwischen hat auch der Berliner Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen, erste konkrete Hinweise gäbe es aber noch nicht, sagte ein Polizeisprecher.&lt;span style=""&gt;   &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;„Ich habe wohl Feinde“, vermutet Ilja Kaplan mit einer Mischung aus Wut, leichter Resignation und ausgeprägtem russischem Akzent. Bisher hat er nie Anzeige erstattet, aber jetzt ist seine Geduld am Ende. Es ist Mittag. Kaplan, Besitzer des mondän-gediegenen «Pasternak», sitzt unter einer Markise im Schatten, ein Glas Wasser vor sich. „Immerhin lieben uns unsere Gäste“, sagt er dann und zeigt zufrieden um sich. Am Nebentisch spanische Touristen, unterhalten sich angeregt, essen russische Spezialitäten, trinken Wein. Zwei Tische weiter nippt eine elegant gekleidete Blondine an einen Kaffee, das Handy griffbereit.&lt;span style=""&gt;    &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wer seine Feinde sind, darüber kann Kaplan nur mutmaßen. Er glaubt aber, dass es damit zusammen hängt, dass er Jude ist. „Ich habe keine Beweise, aber warum bin ich der einzige Gastwirt hier, dem das passiert?“, fragt er. Der 46-jährige gebürtige Moskauer betreibt seit 2002 im altbaugeprägtem, gehobenen Szeneviertel Prenzlauer Berg, rund zwanzig Meter von der Synagoge in der Rykestrasse entfernt ein Restaurant. 1990 kam Kaplan als jüdischer Kontingentflüchtling nach Berlin. Er habe schon immer aus Russland weggewollt, sagt er. „Antisemitismus, ganz schlimm.“ &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Und jetzt das. Sein Restaurant, das in vielen Touristenführer über Berlin steht, wird immer wieder Ziel von möglicherweise antisemitisch motiviertem Vandalismus. Mehr als 5000 € habe er schon für die Schäden ausgeben müssen. Kaplan schüttelt fassungslos den Kopf, streicht sich über die silbrigen Haare. Und was er überhaupt nicht versteht das ist, dass die Polizei, die in Rufweite, rund um die Uhr die Synagoge bewacht, nie etwas mitbekommt. „Verstehen Sie das?“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Zwanzig Meter weiter will man sich mangelnde Aufmerksamkeit nicht vorwerfen lassen. Der diensthabende Beamte sagt, dass er, falls er etwas Ungewöhnliches, auf einen Strafbestand hinweisendes sehen oder hören würde selbstverständlich die zuständige Kollegen von der Schutzpolizei in Kenntnis setzen würde. Zu recht weist der Beamte auch auf ein Detail des Ortes hin. Die Synagoge in der Rykestrasse grenzt an das Eckhaus, in dem sich das «Pasternak» befindet. Und das Restaurant befindet sich auf der entgegengesetzten Seite des Eckhauses. Ist also für die Beamten nicht direkt einsehbar. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Inzwischen hat sich auch der zivile Verantwortliche für die Sicherheit der Synagoge hinzugesellt. Er trägt ein lilafarbenes T-Shirt, federnde Turnschuhe und Goldkette –&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;und am&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Gürtel einen schwer nach unten hängenden „Colt.“ Von dem Vandalismus-Anschlag Sonntagnacht hat er in der Zeitung gelesen. Und er findet, dass die Presse den Vorfall aufbausche. „Vor allem im Hinblick auf einen möglichen antisemitischen Vorfall, sag ich mal.“ Der Mann vermutet „ganz stark“, dass es verärgerte Straßenmusiker oder Zeitungsverkäufer gewesen seien, die von den Kellnern vertrieben&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;worden seien. „Müssen Sie mal drauf achten,&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;die laufen hier ständig rum!“ &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Von der These hält Ilja Kaplan, wenig später befragt, nichts. Den Straßenmusikern erlaube er vor dem Lokal zu musizieren, unterstreicht er. Für Kaplan ist der schlüssigste Beweis, dass er Opfer von Antisemitismus ist, dass in den anderen Bars und Restaurants seiner Strasse noch nie Vandalismus vorgefallen sei. „Fragen Sie da mal nach“, fordert er nachdrücklich.&lt;span style=""&gt;     &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dort ist die Antwort tatsächlich einstimmig: Nein, es sei nie etwas passiert. Die Theorien wer die Vandalen-Täter bei Kaplan denn gewesen sein könnten sind dafür umso vielfältiger. Die Spannbreite reicht von G8-Gegnern, Jugendlichen, betrunkenen englischen Touristen, Touristen im Allgemeinen und Betrunkenen aller Art. Und vielleicht, munkelt einer, „ist das auch eine Auseinadersetzung unter Russen.“&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;span style="font-size:12;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Nur der Kellner des Restaurant «Kost.Bar», direkter Nachbar von Ilja Kaplan hält es für wahrscheinlich, dass es Neonazis gewesen sein könnten. „Die machen doch so etwas.“ Dann erinnert er sich amüsiert an eine Szene die er mal in der Oranienburgerstrasse gesehen hat. „Vor zwei Jahren sind da ein paar betrunkene Skinheads vor der Synagoge aufmarschiert, haben den Hitlergruß gezeigt. Aber auf der anderen Seite war eine große Türken-Gang. Die sind gleich rüber, haben die Skins verprügelt. Und die sind dann in die Synagoge geflüchtet.“ Dann überlegt er. Neonazis hat er hier in der Gegend aber eigentlich noch nie gesehen. „Das ist ein ganz relaxter Kiez.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6584135899229643111?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6584135899229643111/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6584135899229643111' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6584135899229643111'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6584135899229643111'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/07/ungebetene-gste.html' title='Pasternaks ungebetene Gäste'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-537038120986555415</id><published>2007-06-11T06:57:00.000-07:00</published><updated>2008-06-11T03:23:14.391-07:00</updated><title type='text'>Das Rätsel</title><content type='html'>&lt;p class="MsoBodyText" style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jurek Becker und das Judentum - spielte es für den Schriftsteller eine Rolle?&lt;br /&gt;Eine Begegnung mit&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;seiner Witwe Christine&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold;font-size:100%;" &gt;(Jüdische Allgemeine, 24. Mai 2007)&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;p class="MsoBodyText"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sein Schreibtisch wirkt, als ob er ihn gerade erst verlassen hätte und gleich wiederkehrte. Links stehen gerahmte Familienporträts und eine Kinderzeichnung, dazwischen mehrere antike Messinggewichte, rechts türmen sich beschriebene Schreibmaschinenseiten. Weitere Papiere liegen verstreut auf der Deckplatte des Möbelstückes, der mit geschnitzten Eichen- und Kastanienblättern verziert ist – Eiche altdeutsch. &lt;?xml:namespace prefix = o /&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;„Der Schreibtisch ist ein eher hässliches Ding“, sagt eine jugendliche, 47-jährige Christine Becker mit einem breiten, warmen Lächeln. „Jurek hat das selbst gesagt, aber der Tisch stammte vom Vater.“ Der Schreibtisch steht in einem großzügigen Dachgeschoss, in seinem einstigen Arbeitszimmer. Warme Holztöne dominieren, viel Licht fällt durch die schrägen Fenster. Der Blick geht über die roten Ziegeldächer von Berlin-Steglitz. Eine Kastanie breitet ihre Zweige vor dem Fenster aus, erste Knospen sind schon zu erkennen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;An den Wänden: Bücher, Bücher und nochmals Bücher. Sieben Reihen hoch, ordentlich geordnet. Unter anderen Proust, Kafka, Poe und der „Butt“ von Günter Grass. Etwas versteckt, in der hintersten Ecke ist ein Fach mit einer kleinen jüdischen Bibliothek belegt. Kaum 40 Bände sind es. Ein jiddisches Wörterbuch, die Sagen der Juden, die Chronik des Ghettos von Lodz und „Auschwitz - Zeugen sagen aus.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jurek Becker und das Judentum – das Verhältnis sei ihm wohl selbst ein Rätsel gewesen, meint Christine Becker. Sie sitzt jetzt auf dem Lehnstuhl, während der Fotographen sie ablichtet– mal ernst, mal lächelnd, in schwarzem Rollkragenpullover und ausgeblichenen Jeans.&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In seinem letzten Interview vor dem Tod antworte Jurek Becker auf die Frage nach seinem Judentum: „Ich würde mit Ihnen zunächst über die Frage streiten, ob ich Jude bin oder nicht. Ich bin mir bewusst, dass das, was Sie Jude-Sein nennen, also die jüdische Kultur, in hundertlei Beziehung für mich eine Rolle gespielt hat.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText3"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;1937 wird Jurek Becker im polnischen Lodz geboren. Von 700 000 Einwohnern waren mehr als ein Drittel Juden. Der Vater &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Mieczyskaw Becker arbeitet als Prokurist und ist so genannter Drei-Tage-Jude: An den beiden Tagen von Rosch ha-Schana und eine Woche später am Tag von Jom Kippur, geht er in die Synagoge. Ansonsten gilt, was er in den 60er Jahren zu seinem Sohn gesagt hat: „Wenn es keinen Antisemitismus geben würde, denkst du ich hätte mich auch nur eine Sekunde lang als Jude gefühlt?“&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Im September 1939 fallen deutsche Soldaten und die SS in Polen ein. Schon im November 1939 beginnt die Gettoisierung der Lodzscher Juden. Im Ghetto muss der kleine Jurek Zigaretten stopfen, wird nach der „Liquidation“ des Areals ins KZ Ravensbrück deportiert. Die Mutter stirbt 1945 im Lager, Vater und Sohn überleben die Shoah. Beide gehören zur „She´rit Hapleyta“, zu den rund 200 000 gerettete Juden Mitteleuropas. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sie lassen sich in Ost-Berlin nieder. Der Vater meint, dass in dem Land, in dem der Antisemitismus die schrecklichste Form angenommen hatte, am gründlichsten beseitigt werden würde. Und die Sprache dieses Landes wird Jurek Becker erst jetzt, mit 8 Jahren lernen. Später, nach Abitur, NVA-Zeit und kurzem Philosophiestudium wird er in dieser Sprache Filmdrehbücher und Bücher schreiben. Seine Themen sind jüdisches Leben nach der Shoah, sowie das Leben im real existierenden Sozialismus. Dass den DDR-Oberen diese Beschäftigung wenig gefiel, belegen Beckers umfangreiche Stasi-Akten.&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Eines seiner Bücher, &lt;i&gt;Jakob der Lügner&lt;/i&gt; (1969), die Geschichte des Juden Jakob, der im Ghetto zum Lügner wurde, um den anderen Hoffnung zu geben, wurde bis heute in 20 Sprachen übersetzt. In einer Ecke des einstigen Arbeitszimmers stehen die verschiedenen Ausgaben – über einem Fach mit alten Spielzeugautos, die Jurek Becker ab den 80er Jahren zu sammeln begann. Dokumente einer Suche nach der Kindheit, die er nie hatte?&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jedenfalls, der „Jakob“ findet bis heute sein Publikum. Dieses Jahr seien schon etwa 10 000 Exemplare über die Ladentheke gegangen, sagt Christine Becker, während der Fotograph seine Kamera verstaut. „Das ist auch das Buch, das noch in 60 Jahren gelesen wird“, ist sie sich sicher. Immerhin ist es schon jetzt ein deutscher Klassiker.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Christine Becker kommt gerade aus New York. Ein Freund hat ihr eine Wohnung überlassen, sie wohnt auf der gutbürgerlichen Upper West Side. Sie bereitet einen Sammelband mit Beckers Aufsätzen vor. Erscheinen soll der Band im September. Dann, wenn der Schriftsteller 70 Jahre geworden wäre. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;2007 ist also Becker-Jahr. Einmal der 10. Todestag, dann der 70. Geburtstag. „Wir haben lang überlegt, was wir groß feiern sollen“, erzählt Christine Becker. Natürlich habe man sich für den Geburtstag entschieden. „Ist einfach ein schönerer Anlass.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jurek Becker starb 59-jährig am 14. März 1997, in seinem Landhaus im schleswig-holsteinischen Sieseby. 18 Monate zuvor war bei ihm ein fortgeschrittener Darmkrebs diagnostiziert worden. Die Lebenserwartung betrug ein Jahr – statistisch. Was Jurek Becker aber nicht sonderlich interessierte. „Er hat gesagt, dass er nicht an Statistiken glaubt. Er hat immerhin etwas überlebt, was statisch gesehen sehr unwahrscheinlich war: Das KZ.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jurek Becker lässt sich operieren, unterzieht sich der Chemotherapie – und arbeitet weiter stoisch von 9h bis 17h. Er beklagt sich nicht über die Folgeschäden der Therapie wie Übelkeit, sondern macht sich Gedanken über seinen nächsten Roman. Arbeitstitel: „Der Bücherdieb.“ Zu Christine Becker sagt er: „Weißt, wenn ich sage, ich wollte noch so viel machen, wäre das eine Lüge. Wer sagt, dass es besser ist, mit 70 zu sterben als mit 60? Ich habe alles erreicht, was ich wollte.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Anfang März 1997 fahren sie dann nach Sieseby. Hier wird er zwei Wochen später morgens nicht mehr aufwachen. „Er hat nicht sehr gelitten, das war alles ganz friedlich“, erinnert sich Christine Becker mit einem leichten Kloß im Hals. Auf dem dortigen evangelischen Friedhof liegt er begraben. Noch zu Lebzeiten hatte Christine Becker Weißensee ins Gespräch gebracht, wo der 1972 gestorbene Vater begraben ist. „Aber das wollte er nicht, er wollte am Wasser begraben liegen.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Von dem Haus hat sie dann schweren Herzens getrennt. Aber jedes Jahr, am Todestag, fährt sie mit der Familie und Freunden wieder nach Sieseby. Dann erzählt sie ihm, was sie das Jahr über gemacht hat und wie sich der heute 16-jährige Sohn Jonathan entwickelt hat. „Der sagt dann immer, ich monologisiere vor mich hin“, meint sie schmunzelnd. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dieses Jahr musste Christine Becker allerdings in New York bleiben. Am 14. März ist sie dann abends auf das Dach des Wolkenkratzers gegangen, Manhattan zu Füßen, den Blick auf das Lichtermeer und erzählte ihm das „Jahr.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn Christine Becker jetzt teilweise in New York lebt, dann liegt das an ihrem Sohn. Der hat sie vor einem halben Jahr vor vollendete Tatsachen gestellt. Er wolle von zu Hause ausziehen und nach England auf ein College, hat er ihr freundlich, aber bestimmt mitgeteilt. Jetzt studiert&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;er tatsächlich auf einem College im südenglischen Cornwall. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sie wollte nicht alleine in Berlin zurückbleiben, sondern auch irgendwo hin aufbrechen. Da traf es sich gut, dass sie gerade ein neues Projekt begonnen hatte – die Edition der Aufsätze. Zuvor hatte sie in langwieriger Fleißarbeit versucht, sämtliche Briefe, die Jurek Becker geschrieben hatte, ausfindig zu machen und in einen Sammelband zu editieren. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Zwei Jahre lang hat sie Hunderte von Personen angeschrieben, mancher Empfänger war verzogen oder verstorben. Bei der Arbeit sei ihr vor allem klar geworden, was es bedeute, ein gefeierter Schriftsteller zu sein, erinnert sich Christine Becker. „Ab Mitte der 80er Jahre wurde Jurek zum Gehetzten. Ständig wollten Leute etwas von ihm.“ Und der machte es sich zur Regel, jeden Brief zu beantworten. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;2004 kamen die Briefe unter dem Titel &lt;i&gt;Ihr Unvergleichlichen&lt;/i&gt; bei Suhrkamp heraus. Und Christine Becker ging auf eine Lesereise quer durch Deutschland, las mit großem Erfolg aus den Briefen. Die &lt;i&gt;Süddeutsche Zeitung&lt;/i&gt; schrieb damals, Jurek Becker zeige sich als ein mit großem Humor gesegneter Briefschreiber, mal schamhaft, mal liebenswürdig, mal Rabauke und immer hellwach. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Auf einer anderen Lesereise, es war 1983, da hat Christine Becker den Schriftsteller kennen gelernt. Jurek Becker war seit 1977 geschieden. Die beiden Söhne aus der ersten Ehe mit Rieke Becker sind heute auch schon über dreißig. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;span style="font-family:times new roman;font-size:100%;"&gt;Nikolaus, der älteste, ist Fotograf. Der jüngere, Leonard, hat eine eigene Firma, die Internetseiten gestaltet.&lt;/span&gt;&lt;tt&gt;&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/tt&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Christine Becker, gebürtige Tübingerin, lernte damals in Frankfurt an einer Verlagsbuchhandelsschule. Eigentlich ging sie nie auf Lesungen, doch ein Dozent empfahl ihr dringend den Autor.&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;So ging sie hin. Und nahm sich vor, dass sie, sobald der ihr unbekannte Schriftsteller etwas Unsinniges sagen würde, gehen würde. Da saß sie dann in der hintersten Reihe, im beigenfarbenen Trenchcoat, die Handtasche griffbereit, „auf dem Sprung.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jurek Becker kam aufs Podium, zog das Jackett aus und krempelte sich die Ärmel hoch. Das fand sie einerseits merkwürdig, anderseits gefiel ihr das. „Das war so untypisch für einen Schriftsteller.“ Was ihr weniger gefiel, dass war die Art und Weise wie er aus einem seiner Romane vorlas. „Monoton, kurz gesagt, stinklangweilig.“ &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dennoch blieb sie. Vor allem als ihr bewusst wurde, dass Jurek absichtlich so monoton vorlas. „Er wollte lieber mit seinem Publikum diskutieren und deshalb die Lesung von der Diskussion klar trennen.“ Nach Lesung und Diskussion stürzte Jurek Becker dann zu ihr hin, fragte sie wie es ihr gefallen hätte. Er hatte sie gleich bemerkt. Seit diesem Abend waren sie zusammen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;1984 fuhr Jurek Becker mit ihr auch erstmals nach Israel. Christine Becker nimmt ein großes, in weißes Kunstleder eingebundenes Fotoalbum hervor und blättert. Die Fotos sind schon verblichen, meistens ist sie zu sehen. Nur auf zwei Foto sieht man Jurek Becker. Auf der einen Aufnahme steht er an einer Telefonzelle, auf der anderen am Toten Meer, den Wind in den noch immer vollen Haaren, mit leicht melancholischen Becker-Blick.&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jurek Becker sei mit einer sehr kritischen Einstellung nach Israel gefahren, sagt sie jetzt nachdenklich. 1978 hatte er in einem Aufsatz davon gesprochen, dass sich im Nahen Osten Juden als Herrenmenschen etablieren würde – den Satz ließ er allerdings wieder streichen, als ihm israelische Überlebende der Shoah mitteilten, dass sie das ins Mark treffe.&lt;span style="font-size:+0;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In Israel fällt ihm dann besonders negativ auf, dass die Straßenschilder dreisprachig sind. Was ihn hier vor allem stört, ist die Reihenfolge: Erst in Hebräisch, dann in Englisch und schließlich in Arabisch. Anderseits imponiert ihm, wie die Siedler die Wüste erobern, wie sie mit viel Qual der Wüste etwas abgewinnen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Für die Synagogen oder die orthodoxen Juden Israels hat er sich damals nicht interessiert. „Jurek war ja sein ganzes Leben lang nur einmal in einer Synagoge. Und außerdem erklärter Atheist“, erzählt Christine Becker. Deshalb hätte er auch entschieden jeglichen Versuch zurück gewiesen, ihn mittels jüdischem Religionsgesetz zum Juden wider Willen zu deklarieren.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoBodyText2"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Was war denn dann überhaupt jüdisch an Jurek Becker? Christine Becker meint, dass es eine bestimmte Art gewesen sei, mit Menschen umzugehen. „Zum Beispiel hat er mit seinem Sohn immer wie mit einem Erwachsenen gesprochen.“ Und dann war da sein schwarze Humor, das Frotzeln mit Freunden. Und die Selbstironie. All das fehlt ihr. Auch noch 10 Jahre danach.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-537038120986555415?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/537038120986555415/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=537038120986555415' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/537038120986555415'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/537038120986555415'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/06/jureks-rtsel.html' title='Das Rätsel'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-4763179567082831260</id><published>2007-05-14T02:46:00.000-07:00</published><updated>2008-06-11T03:23:32.040-07:00</updated><title type='text'>Die Angst der Konvertiten</title><content type='html'>&lt;em&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;Christen, die einst Muslime waren, treffen sich auch in Berlin lieber im Verborgenen. Nach den Morden in der Türkei wächst die Angst.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;(Tagesspiegel, 21. 04.07)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Georg Neumann* war zuerst wütend, nun trauert er. Der 46-Jährige ist Prediger einer Berliner Gemeinde türkischer Christen. Er kannte eines der jetzt in der Osttürkei ermordeten Opfer, den 35-jährigen Necati Aydin. 1998 hatte er Aydin in der Türkei kennengelernt. „Wir hatten ein persönliches Verhältnis“, sagt Neumann. „Dem Mann war bewusst, worauf er sich einlässt, als er sich zu Jesus bekehrte und davon in der Türkei sprechen wollte.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neumanns kleine Gemeinde türkischer Christen trifft sich seit Sommer 2006 regelmäßig in Kreuzberg. Dann feiern sie in einer Altbauwohnung Gottesdienst. Sie alle waren einst Muslime. In Deutschland kamen sie mit dem Christentum in Kontakt – und ließen sich taufen. Seitdem beten sie „Ey göklerdeki babemiz – Vater unser, der du bist im Himmel.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Experten schätzen, dass es in Deutschland etwa 5000 Konvertierte gibt, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind. In Berlin sind es ein paar hundert. Die Konversion stößt in der Familie zumeist auf heftige Ablehnung, bis hin zu völligem Kontaktabbruch. Besonders für die familienbewussten Türken ist das schwer erträglich. „Noch immer gilt leider die Gleichung, dass ein sogenannter echter Türke Muslim ist“, sagt Neumann, der Türkisch spricht und das Land am Bosporus oft bereist hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Berliner Gemeinde hat zurzeit vierzig Mitglieder. Es fänden sich bei ihm sowohl der klassische deutsche Gastarbeiter als auch Türken der zweiten und dritten Generation, erzählt Neumann. Bei vielen führe die Unzufriedenheit mit dem Islam zur Annäherung an das Christentum. „Die finden einfach im Koran nicht, was sie spirituell suchen.“ Er erinnert sich an eine ältere Deutsch- Türkin, die in der Familie jahrelang vom Stiefvater missbraucht wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Sie sagte, der Hass habe sie aufgefressen.“ Dann sei sie durch Zufall in eine Kirche geraten. „Die Vorstellung, dass Jesus jeden einzelnen Menschen liebt und man den Nächsten lieben soll, hat sie völlig umgeworfen.“ Heute arbeitet die Frau zeitweise in der Türkei als Missionarin. Neumann ist froh, dass sie gerade in Berlin ist. Seit Mitte der 90er Jahre interessieren sich Türken häufiger für das Christentum – viele, ohne dann gleich überzutreten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die Furcht der Leute vor Bestrafung war oft einfach zu groß“, sagt Neumann. Doch jetzt fühlten sie sich etwas sicherer, Deutschland werde als Rechtsstaat wahrgenommen. Seine türkische Gemeinde unterhält auch einen Internet-Blog. Dort findet er häufig Botschaften wie „Allah wird euch strafen, ihr dreckigen Ungläubigen“, „Christ sein bedeutet, jemanden nicht mehr als Menschen zu betrachten, die Menschlichkeit zu verlassen“ oder einfach: „Ihr seid Verräter am Türkentum.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Glaubenswechsel ruft sowohl religiöse Eiferer als auch türkische Nationalisten auf den Plan. Erstere berufen sich auf den Koran. Dort heißt es in Sure 4,89 über diejenigen, die abfallen: „Tötet und ergreift sie, wo immer ihr sie findet“. Nach den Hadithen, der Überlieferung der Sprüche und Taten Mohammeds, heißt es zum Abfall vom Glauben: „Wer immer den Islam verlässt, tötet ihn.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Johanna Pink, Islamwissenschaftlerin an der FU weist aber darauf hin, dass die Todesdrohung im Koran im Kontext der Sure verstanden werden müsse, der sich auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu Lebzeiten des Propheten beziehe. „Bestraft werden soll nur derjenige, der gewaltsam gegen den Islam kämpft.“ In der klassischen Rechtslehre sei die Todesstrafe dagegen unter der Berufung auf die Praxis des Propheten eindeutig die anerkannte Bestrafung, fügt sie hinzu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Allerdings“, schränkt sie ein, „gibt es heute eine Reihe von theologischen Gegenpositionen, die den Koran im Sinne einer umfassenden Glaubensfreiheit auslegen und die Gültigkeit der prophetischen Praxis für die heutige Zeit in diesem Punkt anzweifeln“. Da es im Islam keine oberste Instanz in Glaubensfragen gebe, sei der Islam offen für gemäßigte wie auch extremistische Interpretationen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Genau davor fürchtet sich Thoralf Müller*. Auch er ist traurig und betroffen. Der 41-jährige Missionar kannte ebenfalls eines der Opfer, den deutschen Missionar Tilman Geske. „Das war ein guter Mensch“, sagt er. „Er hat sich die Verbreitung von Gottes Wort unter den Türken zur Aufgabe gemacht, jetzt hat er dafür bezahlt.“ Thoralf Müller hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, unter Muslimen das Christentum zu verbreiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist Prediger eines kleinen Kreises von Christen in Berlin, die einst Muslime waren. Im Unterschied zu Georg Neumanns Gemeinde, die eher aus Deutschtürken besteht, finden sich bei ihm viele Asylbewerber aus arabischen Ländern. Andere kamen als Studenten her. Müller wäre es am liebsten, wenn man überhaupt nichts über ihn schreibt. Schließlich willigt er ein, aber: „Keine Namen, noch den Ort oder den Stadtteil, wo wir uns treffen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hat Angst. „Manche unserer Brüder und Schwestern trauen sich nicht einmal in Deutschland, zum Glauben zu stehen. Es bleibt alles im Verborgenen.“ Die Verborgenheit zieht auch Achmed Reza* vor. Der 56-jährige Deutsch- Iraner ist Prediger einer kleinen Gemeinde von iranischen Konvertiten, die sich in einer evangelischen Gemeinde irgendwo im Westen Berlins treffen. Den genauen Ort möchte er auf keinen Fall in der Zeitung lesen, ebenso wenig wie seinen Namen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er habe Angst vor dem iranischen Geheimdienst, sagt er. „Schließlich wird im Iran der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft.“ Reza konvertierte noch zu Schahzeiten im Iran zum Christentum. Durch das Regime unter Ayatollah Chomeini verfolgt, gelang ihm schließlich die Flucht nach Deutschland. Hier lebt er seit 18 Jahren, ist inzwischen auch eingebürgert. Bisher hat er noch keine Drohungen erhalten. Er führt das auf die große Diskretion zurück, mit der sich seine Gemeinde in Berlin trifft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Angst will er das aber nicht begründen, sagt er freundlich, aber bestimmt. „Nur mit Vorsicht.“Angst hat auch Georg Neumann nicht. „Ich vertraue auf Gott, ebenso wie meine türkischen Brüder und Schwestern.“ Ob das nicht blauäugig sei? Nein, nur Gottvertrauen, lächelt er. Diesen Sonntag will er einen Gedenkgottesdienst für Necati Aydin feiern.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-4763179567082831260?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/4763179567082831260/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=4763179567082831260' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4763179567082831260'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4763179567082831260'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/05/die-angst-der-konvertiten.html' title='Die Angst der Konvertiten'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-2063297192763063689</id><published>2007-05-14T02:37:00.000-07:00</published><updated>2008-04-06T12:57:10.833-07:00</updated><title type='text'>Zweimal Leben</title><content type='html'>&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Fabian und Tobias sind schwul. Das zuzugeben war für den einen leicht und für den  anderen eine Qual.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;Tagesspiegel, 10. 05.07)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie war kein Junge. Daran lag es, dass es in seinem Bauch nie kribbelte. Fabian war 14, als er das kapierte. Er war mit seinen Eltern in Holland, Familienurlaub, ohne seine Freundin. Da sah er einen gleichaltrigen Jungen, spürte ein bisher nie da gewesenes Gefühl, fand ihn „süß“. Zunächst dachte er aber nicht im Traum daran, dass er ausschließlich auf Jungs stehen könnte. Es passierte auch nichts, er hatte ja auch noch die Freundin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst, als er zurück in Berlin ist und sich trennt, eben wegen des Bauchkribbelns, da versteht er: An ihr ist nichts falsch. Aber ich stehe einfach auf Jungs. Das ist der Schlussstrich. Mit diesem Erlebnis ist auf einmal alles klar. Noch vor dem ersten Sex und vor der ersten großen Liebe sagt er es seiner Mutter, den Freunden in der Schule und der Familie. Keiner nimmt Abstand, ist pikiert oder sogar entsetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Mutter ist zwar traurig, dass sie keine Enkel haben wird, aber sonst hofft sie für ihn, dass er einfach glücklich wird. Egal, mit wem. „Meine Eltern hatten selbst genug schwule Freunde, für sie war Schwulsein nichts Abnormales“, erzählt er. Fabian ist heute 20 Jahre alt. Er sitzt auf einem schwarzen Ledersofa im Schöneberger Szenetreff Mann-O-Meter und trinkt Latte macchiato.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier arbeitet er als Jugendgruppenleiter, um anderen Jungs bei ihrem Coming-out zur Seite zu stehen. Er selbst ist ein Beispiel dafür, wie glimpflich ein Coming-out ablaufen kann – und wie verschieden die Reaktionen aufs Schwulsein sind, je nachdem, wo man lebt. Denn als Fabian 17 ist, beschließen seine Eltern, aus beruflichen Gründen nach Hessen zu ziehen. Bumms. Er landet in einem Kaff. Erzählt erst mal nichts, passt auf seine Blicke auf, denn er merkt, dass es hier anders zugeht. Einmal testet er die Reaktion einer Bekannten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Sie hat gesagt: Hör mit so etwas Ekligem auf.“ Das ist der einzige und letzte Versuch geblieben. Es folgt ein halbes Jahr ohne Offenheit, gute Laune und echte Freundschaft. Die Eltern merken das und erlauben ihm die Rückkehr nach Berlin, an seine alte Schule und in eine eigene Wohnung. Alleine, sie selbst bleiben in Hessen, der Beruf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier verliebt er sich in einen Jungen, seinen ersten richtigen Freund aus der Schule und lebt eine neue Offenheit. An dem Pankower Gymnasium tuscheln mal die Achtklässler, fragen sich auf dem Schulhof, ob das nicht der Schwule sei – aber es gäbe keine echte Diskriminierung. Vielleicht auch, weil Fabian so selbstbewusst und stark auftritt. Der besondere Status, den er wegen seiner Sexualität innehat, stört ihn schon: „Mich fragen echt Mitschülerinnen, ob ich nicht ihr neuer schwuler Freund sein will“, erzählt er kopfschüttelnd. „Das ist ja schon fast positiv diskriminierend.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Normalität ist er selbst an seinem Pankower Gymnasium noch weit entfernt. Gut, „wer will schon Durchschnitt sein?“, fragt Fabian. Aber für seine Sexualität, für die würde er es sich wünschen. „Warum gilt es heute immer noch als etwas Besonderes, wenn Jungs auf Jungs stehen?“ Das nervt ihn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei Tobias war alles viel komplizierter. Als er 13 ist, verliebt er sich in seinen damaligen besten Freund, und anders als bei vielen anderen weiß er auch sofort, dass er ausschließlich auf Jungen steht. Doch damit beginnt sein persönliches Coming-out-Drama: Sein Vater ist Priester einer Freikirche im westfälischen Hagen, Schwulsein sieht der als eine schwere Sünde an. Tobias habe damals Gott um Beistand gebeten, erzählt er. „Und zwar täglich.“ Jeden Abend hat er vor seinem Bett gesessen und sich gewünscht, dass diese Gefühle verschwinden würden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch das Beten hilft nichts.Dann probiert er es mit Frauen, ohne Gefühl. Er ist charmant, hübsch und kommt gut an. Mit 15 hat er seine erste richtige Freundin, mit der zweiten hat er seinen ersten Sex und im Hinterkopf immer wieder diesen Satz: „Ich bin schwul!“ Seine zweite Freundin hat das wohl auch gemerkt: „Sie fand, ich sei viel zu einfühlsam und aufmerksam“, sagt Tobias.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er musste sich auch eingestehen, dass die Freundin recht hat und dass er nicht einfach den Schalter auf Heterosexualität umstellen kann.Wenn er von dieser Zeit erzählt, merkt man, dass sein Weg zu einem offenen, schwulen Leben schwer und zäh gewesen ist. Dieser Kampf hat ihn depressiv gemacht. Er hat mit 17 eine Therapie begonnen, denn das ewige Verstecken seiner Gefühle hat seine Kräfte schwinden lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wir haben über sehr vieles gesprochen, aber im Kern ging es doch immer wieder um mein nicht ausgelebtes Schwulsein“, erzählt er, während er im Park der Schwarzschen Villa in Steglitz sitzt und Spaziergänger in der Frühlingssonne vorbeiziehen. Während der Therapie wird ihm auch klar, dass Homosexualität nicht heilbar ist. Bis dahin hat er geglaubt, dass es eine Krankheit sei. Wohl wegen seiner Erziehung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach diesen schwierigen Jahren ohne Offenheit folgt dann mit 18 das eigentliche Coming-out. Er sagt es seinen Eltern. „Ich wurde ja zur Ehrlichkeit erzogen und wollte nichts mehr verbergen.“ Für die Eltern ist diese Offenbarung ein Schock. Die Mutter beginnt zu weinen. Der Vater sagt: „Das kann man mit Gottes Hilfe wegbeten.“ Tobias erzählt ihm nicht, dass er das schon vor Jahren probiert hat. Er liebt seine Eltern, und so lässt er seinen Vater in dem Glauben, er würde noch mal versuchen, „es wegzubeten“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Meine Eltern sind sehr konservativ in ihrem Glauben“, sagt Tobias. Er meint damit: Schwulsein ist undenkbar. „Für die gab es keinen Kompromiss. Homosexualität ist Sünde. Schluss. Aus.“ Doch ausgerechnet ein Bischof hilft Tobias. Der Vater bringt ihn dorthin, um von der Freikirche Unterstützung für seine Position zu bekommen. Doch der Bischof erklärt dem Vater, dass man Homosexualität nicht mehr als Sünde ansehe. Es gebe sogar Stellen in der Bibel, die dafür sprächen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Alles eine Sache der Interpretation“, erinnert sich Tobias.Aber auch das will der Vater nicht akzeptieren. Doch Tobias kann nicht länger Rücksicht auf seine Eltern nehmen. Es gibt viel Streit, Tobias hat keinen Bock mehr und zieht sich mehr und mehr zurück. Auf einem Jugendtag der Kirche lernt er endlich einen Jungen kennen. „Wir haben uns angesehen und wussten beide von einander, dass wir schwul sind.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus diesem flüchtigen Blickkontakt wurde sehr rasch sein erster Freund. Nach vielen Telefonaten und Treffen wurde klar, es ist ernst. Von einem Tag auf den anderen ist Tobias dann aus dem beschaulichen Hagen zu seinem Freund in die Nachbarstadt gezogen. Die Befreiung sei das gewesen. Irgendwann später kann auch der Vater es annehmen. Die Eltern recherchieren, denken nach, und eines Tages wurde ihnen dann doch klar, dass Homosexualität weder Krankheit noch Sünde ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie suchen das Gespräch mit ihrem Sohn. Am Ende umarmt der Vater Tobias. Tobias und sein Freund ziehen nach Berlin, um endlich das nachzuholen, was er in seiner frühen Jugend verpasst hat. Er ist jetzt 20 Jahre alt. Im letzten Jahr hat er einen Platz für ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten in Frohnau bekommen. Ein Jahr Berlin, und doch, Tobias geht nach Hagen zurück: „Ich habe dort einen Ausbildungsplatz ab Herbst.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und jetzt klingelt sein Mobiltelefon, die 83-jährige Großmutter aus Hagen ist am Apparat. Sie habe ihn übrigens immer unterstützt, sagt er später. Während mit den Eltern Eiszeit herrschte, hat sie ihn aufgemuntert und gesagt: „Bring doch mal deinen Freund mit.“ Den darf er heute übrigens auch mit zu seinen Eltern bringen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-2063297192763063689?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/2063297192763063689/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=2063297192763063689' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/2063297192763063689'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/2063297192763063689'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/05/zweimal-leben.html' title='Zweimal Leben'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-8023895600719700125</id><published>2007-04-21T01:50:00.000-07:00</published><updated>2007-09-20T10:17:41.061-07:00</updated><title type='text'>Geigen gegen die Gewalt</title><content type='html'>&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;Der Bildungssenator will die Existenz der musikbetonten Schulen sichern. Denn gemeinsam musizieren hilft gegen Aggression&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;(Der Tagesspiegel, 17.04.07)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Mit konzentriertem Gesichtsausdruck stehen Assmaa (9) und Selen (10) in der Aula der Fritzlar-Homberg-Grundschule in Tiergarten. Zwischen Kopf und Schulter haben sie sich die Geige geklemmt, mit der linken Hand greifen sie in die Saiten, mit der rechten führen sie gekonnt den Bogen. Letzte Woche spielten sie für Eltern, heute sind die 200 Schulkameraden dran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angelika Maillard-Städter ist zufrieden. Die beiden Schülerinnen Assmaa und Selen zeigen zusammen mit dem Schulorchester, was sie sich in den vergangenen Monaten hart erarbeitet haben. Und es klingt gut. Maillard-Städter ist Musikfachleiterin der Grundschule im Lützowkiez. Die Schule ist eine von 15 Berliner Grundschulen, die sich ein musikbetontes Profil gegeben haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Jahren fürchten diese Schulen um die Erhaltung dieses speziellen Profils. Im Fall von Maillard-Städters Schule verlängerte der Landesschulrat im Jahr 2006 bei der anstehenden Neubeantragung der Mittel nicht wie gewohnt um sechs Jahre, sondern nur noch um drei Jahre. Die Wochenstundenzahl wurde reduziert. An der Fritzlar-Homberg-Grundschule waren es früher 109 Stunden, heute sind es 84.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun können die Schulen aufatmen: Ursula Meierkord, in der Senatsbildungsverwaltung zuständig für die musikbetonten Schulen, sagt, dass es auf jeden Fall weitergeht. „Die Senatsverwaltung hatte zu keinem Zeitpunkt vor, die Berliner Musikbetonung zu streichen. Am Fortbestand der Musikbetonung kann kein Zweifel bestehen“, sagte sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grund für die diesmalige kurze Laufzeit sei das neue Schulgesetz. Die Profile der Schulen müssten auf eine andere formale Basis gestellt werden. Die soll bis zum Ende des Schuljahres 2008/09 gefunden sein. Vor allem in sozialen Brennpunkten sollen Schüler die Chance haben, kostenlos ein Instrument zu lernen, sagte Meierkord.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Lützowkiez wird durch Drogen, Straßenprostitution und Kriminalität mitgeprägt. Die Grundschüler kommen aus 26 Nationen, rund 90 Prozent aus Einwandererfamilien. Trotzdem sei die Atmosphäre ganz gut. „Wir haben deutlich weniger Aggression als an anderen Schulen“, sagt ein Sportlehrer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das könnte auch am Musikschwerpunkt liegen. Den gibt es an der Fritzlar-Homberg-Schule seit 1976. Zurzeit üben 260 Schüler in 20 Musik-Arbeitsgemeinschaften zweimal die Woche. Die Eltern zahlen dafür rund 15 Euro im Jahr. Das ist der Preis für die Versicherung der Instrumente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Assmaas Eltern zahlen die 15 Euro gerne. Das Mädchen zupft verlegen an seinem Kopftuch, der Geigenkasten steht neben ihm. Die Schülerin sitzt nach dem Konzert im Musikraum der Schule und möchte erklären, warum sie die Geige mag. „Die Töne gefallen mir“, sagt sie in perfektem Deutsch. Sie übt regelmäßig zu Hause. Ihrer Mutter gefällt es auch, der Vater motiviert sie.&lt;br /&gt;Neben ihr sitzt Selen. Auch sie spielt Geige – und sagt, dass sie durch das Musizieren gelernt habe, dass man auf andere hören müsse. „Sonst klingt es nicht schön.“Draußen wartet ihre Mutter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vergangene Woche saß Nermin Savas im Publikum, sah ihre Tochter auf der Bühne und war stolz. Neben ihr saß eine türkische Mutter. „Da stimmten alle Klischees: Die konnte kaum Deutsch, trug Kopftuch. Aber als ihre Tochter Geige spielte, da hat sie vor Rührung geweint“, sagt Nermin Savas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hält das Musikkonzept der Schule für wichtig, denn nur so kämen ausländische Familien mit europäischer Musik in Verbindung. Mit Musik könne man Gewalt vorbeugen, sagt Angelika Maillard-Städter. Während türkisch- und arabischstämmige Gangs in anderen Kiezen Krieg spielten, spielten sie hier zusammen ein Konzert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zaid (14) trommelt und spielt seit vier Jahren Gitarre. Er sagt, wenn er früher Frust hatte, dann sei die Aggression gestiegen. Jetzt könne er sich besser beherrschen.&lt;br /&gt;Was Lehrer wie Angelika Maillard-Städter und Schüler wie Zaid erfahren, das will auch der Frankfurter Musikpädagoge Hans Günther Bastian in einer 1998 durchgeführten Studie festgestellt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über sechs Jahre hinweg untersuchte er an 180 Grundschülern von sieben Berliner Schulen, ob intensive Musikerziehung die Entwicklung von Kindern positiv beeinflusst. Sein Fazit: Gemeinsames Musizieren führt dazu, dass Kinder rücksichtsvoller und aufmerksamer werden. Der Studie zufolge machen sich die Schüler auch mehr Gedanken über soziale Fragen. Der positive Einfluss scheint also wissenschaftlich erwiesen zu sein.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-8023895600719700125?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/8023895600719700125/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=8023895600719700125' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/8023895600719700125'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/8023895600719700125'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/04/geigen-gegen-die-gewalt.html' title='Geigen gegen die Gewalt'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-2450335923875739608</id><published>2007-03-09T08:37:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:41.134-08:00</updated><title type='text'>Sechsen überall</title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SFap7qycv4I/AAAAAAAAAF0/iwEQl_EAeqw/s1600-h/roiber.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5212540461291192194" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SFap7qycv4I/AAAAAAAAAF0/iwEQl_EAeqw/s320/roiber.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;Der Street-Artist 4rtist.com verschönert Mitte mit Sechsen. Er will so auf "höherwertige Lösungen" aufmerksam machen.&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;(Stadtmagazin Scheinschlag, August 2006)&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nach mehr als 600000 gepinselten Sechsen hat 4rtist.com eine gewisse Übung. Inzwischen steigt der Street Artist gar nicht mehr vom Fahrrad ab, wenn er eine geeignete Stelle sieht. Er taucht den Pinsel in den Eimer mit Kalkfarbe, der am Lenker hängt, und malt im Vorbeifahren eine schlanke, nach rechts kippende Sechs auf ein altes Brett, das am Geländer der U-Bahnstation Rosenthaler Platz lehnt.&lt;?xml:namespace prefix = o /&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Diese Sechs ist strafrechtlich nicht relevant, die Farbe abwaschbar, der Untergrund herrenloser Sperrmüll. „Das ist mir wichtig, ich beschädige nie was dauerhaft", sagt 4rtist.com und fügt hinzu, daß er dennoch über die Jahre etwa 500mal von der Polizei kontrolliert worden sei. Das nennt er „unschöne Sachen" und meint damit auch, daß die Staatsgewalt bereits diverse Eimer und Fahrräder beschlagnahmt hat. Zu einer Strafverfolgung sei es aber bisher nie gekommen, alle Anzeigen gegen ihn habe der Staatsanwalt eingestellt.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor elf Jahren begann der 46jährige Street-Artist, in Mitte den Pinsel zu schwingen. Damit gehört er zu den Pionieren der Berliner Szene, die weltweit einen eher mythischen Ruf hat. Spätestens seit 2003, als anläßlich der Veranstaltung The Live Issue 1 Künstler von São Paulo bis London nach Berlin eingeladen wurden, gilt Berlin als Street-Art-Mekka schlechthin: regelmäßig reisen internationale Szenegrößen an, um in der Stadt ihre Markierungen zu hinterlassen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Begonnen habe dies 1994, erzählt 4rtist.com: Damals habe „ein Belgier mit psychotischen Schüben" auf ausrangierten Kühlschränken, Sperrmüll und Litfaßsäulen Sätze wie „Warum muß der Sohn sterben" und „Wann stellt das erste Kreuzberger Schwein seine Essenreste heraus" gekritzelt. Als er dann 1995 aus der Pfalz in das Nachwende-Berlin kam, installierte er eine rote Couch auf der East-Side-Gallery und begann täglich bis zu 400mal auf illegalen Plakaten und Werbestickern Sechsen zu pinseln.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Sechs ist nicht der Hauptbestandteil seiner Kunst: „Die läßt sich eben gut malen und außerdem erreiche ich damit auch Passanten die sich nicht für Kunst interessieren, aber etwas Sexuelles dahinter vermuten." Die Zahl, die er sich auch auf den Mittelfinger tätowiert ließ, soll vielmehr die Aufmerksamkeit auf seine Straßen-Installationen ziehen, mit denen 4rtist.com „auf die Möglichkeit höherwertiger Lösungen hinweisen" möchte, die durch intensives Nachdenken zu erzielen wären.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor einiger Zeit waren das Fahrräder: alte, meist rostige Drahtesel, die der Künstler mit Weihnachtsgirlanden und Telefonhörern, die über den Lenker baumelten, ausstaffiert hatte. Auf jede freie Stelle waren dann noch Sechsen gepinselt. „Durch Autos gibt es jedes Jahr zig Verkehrstote, die Umwelt leidet unter Abgasen: Man sollte nur mit dem Rad fahren, um sich fortzubewegen", erklärt er die Kreationen. Zurzeit gibt es allerdings keine Installation mehr in Mitte: „Die sind alle verschwunden, ich vermute mal, das war die Straßenreinigung".&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;4rtist.com setzt sich aber nicht nur für Menschen und die Umwelt ein, sondern auch für eine bessere Nutzung des Computers. Weil das Finden „höherwertiger" Lösungen im Vordergrund seiner Kunst steht, hat er auch zur PC-Technik Vorschläge. Durch Zufall hat er entdeckt, daß er bei Webseiten, auf denen er sich verklickt hat, wieder auf die Hauptseite zurückgelangt, wenn er ein Rautezeichen (#) direkt hinter dem Domain-Namen eintippt. Damit dieses Wissen sich verbreitet, pinselt 4rtist.com diese Computerlösungen als Schaubild auf alte Matratzen oder Pappstücke, die er an Bauzäune hängt. Daß diese etwas kryptischen Schaubilder gegebenenfalls nicht verstanden werden könnten, läßt er nicht gelten: Wer wolle, könne sie nachvollziehen: „Der Wille muß da sein."&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Obwohl er sich über mangelnde Bekanntheit nicht beklagen kann – alle großen Berliner Tageszeitungen berichteten bereits über ihn, bei den Hauptstädtern gilt er als der „Sechsenmann", ausländische Sender drehten Beiträge –, wird er auch in Zukunft nicht von den Sechsen lassen, versichert er. Und abgesehen von der Polizei seien auch die Reaktionen der Passanten positiv. Aber selbst wenn das nicht so wäre, würde er weiter pinseln.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-2450335923875739608?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/2450335923875739608/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=2450335923875739608' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/2450335923875739608'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/2450335923875739608'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/03/sechsen-berall.html' title='Sechsen überall'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SFap7qycv4I/AAAAAAAAAF0/iwEQl_EAeqw/s72-c/roiber.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-1821051464563045905</id><published>2007-03-06T05:29:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:41.297-08:00</updated><title type='text'>Ein "Held" wird Rosenbaum</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;Anatol Rosenbaum saß als "Zionist" in Stasi-Haft, erkrankte Jahre später an Leukämie. Jetzt hat er ein Buch über die Haftzeit geschrieben&lt;/span&gt;&lt;span style="font-weight: bold;font-size:0;" &gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rf5w48GFqVI/AAAAAAAAACA/ys9SRQsin7U/s1600-h/Buch.GIF"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5043592756208183634" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rf5w48GFqVI/AAAAAAAAACA/ys9SRQsin7U/s200/Buch.GIF" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Noch nicht publiziert)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie stürzten auf ihn zu, umarmten ihn und feierten ihn als lebendes Wunder. Die mehr als zwanzig orthodoxen Rabbiner, die aus aller Welt zu einer Berliner Rabbinerkonferenz angereist waren, sahen Anatol Rosenbaum (67) als Beweis für eine alte Lehre der Kabbala: "Wenn man im Sterben liegt und den Namen ändert, dann geht der Tod vorüber", erzählt der heute pensionierte Kinderarzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor fünf Jahren erkrankte Rosenbaum an Leukämie, eine wahrscheinlich Spätfolge seiner Stasi-Haftzeit in Berlin-Hohenschönhausen, als er mit einem Röntgengerät "behandelt" wurde. Von 1968 bis 1970 saß Rosenbaum, der damals noch "Held" hieß, wegen so genannter zionistischer Agententätigkeit und Republikflucht in Stasi-Haft. Den Blutkrebs selbst überlebte er nur dank einer Knochenmarkspende aus Israel. Vielleicht aber auch tatsächlich durch die Namensänderung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er damals nach der zunächst geglückten Transplantation in seinem Krankenzimmer lag, spürte er plötzlich wie sein Herz verrückt spielte und er zunehmend das Gefühl hatte, bald zu sterben. Und da hat er dann Zwiesprache mit Gott gehalten: "Adonai, erst lässt du mich als Zionist verurteilen, die Haft überstehen und durch eine Knochenmarkspende aus Israel retten, das ist doch meschugge!", erzählt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kranke bietet Gott dann ein Geschäft an: "Wenn du mich leben lässt, nehme ich unseren jüdischen Familiennamen Rosenbaum an, der bis ins 17. Jh. zurück geht." Am nächsten Tag ging es ihm tatsächlich besser, "Dr. Held" bestand darauf, dass man ihn als Dr. Rosenbaum ansprach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei seinem Vater stand der alte Name noch im Pass. Doch 1930 überredet Rosenbaums Mutter den Vater, der zu Weimarer Zeit als Theaterregisseur mit Brecht und Piscator zusammen arbeitete, das Bühnen-Pseudonym "Held" anzunehmen. Ihr ist der Name zu jüdisch, obwohl sie selbst aus einer jüdischen Familie stammt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die Rosenbaums steht aber nicht das Judentum im Vordergrund sondern die rote Heilslehre: Sie sind überzeugte Kommunisten. Deshalb müssen sie 1933 Deutschland verlassen, gehen in die Sowjetunion. Hier wird Anatol Rosenbaum 1939 in Moskau geboren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wächst im Hotel Lux auf, Zimmernachbarn sind Dimitroff und Wilhelm Pieck. Rosenbaum besucht sowjetische Schulen und lernt, dass Stalin das Maß aller Dinge ist. Nach Kriegsende kehrte die Familie dann nach Berlin zurück. Der Vater ist Mitglied im Nationalkomitee Freies Deutschland, die Mutter Nelly Held wird später eine hochrangige DDR-Funktionärin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obwohl Rosenbaum in einer systemnahem Familie überzeugter Kommunisten sozialisiert wurde, begehrt er immer wieder gegen Denkschablonen auf, vermag seinen kritischen Geist nicht auszuschalten. Seinen Posten als FDJ-Sekretär etwa verlor er schon mit 16, weil er junge Christen nicht ideologisch bekämpfen, sondern mit ihnen diskutieren wollte. "Und wenn die die besseren Argumente gehabt hätten, wäre ich Christ geworden."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den 60er Jahren studiert Anatol Rosenbaum in Ost-Berlin Medizin, arbeitet nach dem Studium als Kinderarzt im Klinikum Berlin-Buch. Und in den 60er Jahren erfährt Rosenbaum auch durch Zufall, dass er eigentlich Jude ist und nicht nur Sohn deutscher Kommunisten, wie ihm seine Mutter erklärt hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt sucht er den Kontakt zur Jüdischen Gemeinde von Berlin, lernt Hebräisch, versucht seinen Glauben zu leben. Aus Ärger über die antisemitischen Anspielungen eines Arztes in der Klinik, verbunden mit der ständigen DDR-Medien-Hetze gegen Israel, entschließt sich Rosenbaum nach Israel auszureisen. Mit oder ohne Billigung der Behörden: "Ich wollte nur noch raus aus diesem Land."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Im Juli 1968 sucht er den Kontakt zu einem Jugendfreund des Vaters, der in Israel lebt. Der Jugendfreund wiederum vermittelt den Kontakt zu einem Bürgermeister in einer westdeutschen Stadt, der einen Pass für Rosenbaum ausstellen will. Aber im Passamt sitzt ein Spitzel, der die Aktion nach Ost-Berlin weitermeldet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Rosenbaum versucht, über die Tschechoslowakei den Ostblock zu verlassen, verhaftet ihn die Stasi. Rosenbaum findet sich in Berlin-Hohenschönhausen wieder, in der berüchtigten "Untersuchungshaftanstalt 1". Die Stasi-Stätte gilt als Symbol für das System der DDR-Repression schlechthin. Mit Hilfe so genannter operativer Psychologie, durch Isolierung und Desorientierung, sollen die Häftlinge weichgeklopft werden. Bis sie "alles" gestehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monatelang wird Rosenbaum verhört. Und immer wieder will der Vernehmer wissen, für welchen Geheimdienst der Zionist Rosenbaum arbeitet. Aber bei ihm hat die Stasi mit ihren Methoden zunächst keinen Erfolg. In der Isolation seiner Zelle hält er sich selbst Anatomievorlesungen, betet und bastelt sich heimlich ein Schachspiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Hohenschönhausen wurde Rosenbaum auch der bereits erwähnten Röntgenstrahlung ausgesetzt. Mehrmals muss er in einen Raum mit ungewöhnlich dicken Mauern, hier werden immer wieder "Fotos" von ihm gemacht. In der Wand befindet sich ein Spalt mit einem Objektiv. Und als Arzt weiß Rosenbaum nur zu gut, wie das Objektiv eines Röntgengerätes aussieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor zwei Jahren hat er deswegen auch vor dem Sozialgericht Berlin für eine Entschädigung gestritten. Der Richter hielt die Schädigung zwar für sehr wahrscheinlich, aber Rosenbaum konnte die genaue Dosis nicht nachweisen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass gezielte Dissidenten-Schädigung durch Röntgenstrahlung keine Fiktion ist, auch wenn der entgültige Beweis fehlt, zeigen die Leukämieerkrankungen von Rudolf Bahro, Jürgen Fuchs und anderen. Es existiert auch eine Stasi-Papier, in dem über die Schädigung durch Röntgenstrahlung und radioaktive Isotope gefachsimpelt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Mai 1969 wird Rosenbaum ins Psychiatrische Krankenhaus Waldheim verlegt. Und dort wird ihm bewusst, dass er den Rest seines Lebens in der Psychiatrie verbringen wird, wenn er nicht bereut und seine "zionistische Agententätigkeit" gesteht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1969 findet dann der Prozess statt. Der Staatsanwalt ist ebenfalls Jude, "so konnte keiner von Antisemitismus sprechen", sagt Rosenbaum heute ironisch. In seiner Anklageschrift liest er: "Mit Hilfe der Zionisten und westdeutscher Organisationen wollte Dr. Held die DDR verlassen und in ein Land gehen, dass Napalm auf Kinder wirft. Das ist eine große Schande, besonders für einen Kinderarzt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende wird Rosenbaum zu drei Jahren Haft verurteilt. Seine Strafe war noch verschärft worden, weil der temperamentvolle 30-jähirge das Gerichtpersonal als "rotlackierte Nazis" bezeichnet hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anatol Rosenbaum wird zunächst in das so genannte "Kommando X" bei Berlin verlegt, einem Lager für CIA-Spione und BND-Agenten. Seine Zelle teilt er sich mit ehemaligen SS-Angehörigen, die erzählen, wie sie Kinder dadurch töteten, indem sie die mit dem Kopf gegen die KZ-Barackenwände schlugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Januar 1970 geht es weiter in die Strafanstalt Cottbus. Hier ist das Anstalts-Regiment militärisch, jeden Morgen finden Zählappelle statt. Ein Gefängnisaufseher, von den Häftlingen "RT", d.h. "Roter Terror" genannt prügelt regelmäßig die Inhaftierten. Die Cottbuser Häftlinge bauen als Zulieferer Kameragehäuse für den Dresdner VEB Pentacon. Für 10 Ost-Mark monatlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um gegen diese geringbezahlte Zwangsarbeit zu protestieren, ritzen die Häftlinge heimlich Hakenkreuze in die Gehäuse der Kameras. In alten, umgefärbten NVA-Uniformen mit gelben Streifen und drückenden Schnürschuhen, werkeln sie an lautdröhnenden Maschinen. Als Ernährung gibt es altes Schwarzbrot und Margarine, die wie Schmieröl schmeckt, erinnert sich Rosenbaum. Deshalb besorgt er sich in der Küche rohe Kartoffeln, weil in deren Schalen zahlreiche Vitamine sitzen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Rosenbaum für seine Kameraden ebenfalls Kartoffeln besorgen will, wird er entdeckt und wegen des Diebstahls von Volkseigentum zu Arrest verurteilt. 21 Tage verbringt er in einer dunklen, kleinen Zelle. Verrückt geworden sei er nur nicht, weil ihm der Glaube an Gott geholfen habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Juli 1970 wird Anatol Rosenbaum dann ins sächsische Torgau verlegt. Zu Nazizeiten wurden hier mehr als 1400 Todesurteile vollstreckt, jetzt sitzen in der Festung Sexualmörder, aber auch ganz gewöhnliche Einbrecher. In Torgau arbeitet er erneut als Arzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach seiner frühzeitigen Entlassung darf Anatol Rosenbaum in Freiheit weiter als Arzt arbeiten. Er weiß, dass jetzt jeder seiner Schritte von der Stasi überwacht wird. Aber der SPD-Politiker Herbert Wehner setzt sich für ihn ein. Und 1975 darf Rosenbaum gegen Zahlung von 250.000 DM Lösegeld in den Westen ausreisen. Er lässt sich in West-Berlin nieder, arbeitet dort zwanzig Jahre lang Arzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis zum Fall der Mauer hat Rosenbaum die Jahre der Stasi-Haft völlig verdrängt. Vor einigen Jahren hat er dann als eine Art "Selbsttherapie" seine Erlebnisse aufgeschrieben. Nun wurde der Bericht unter dem Titel "Die DDR feiert Geburtstag und ich werde Kartoffelschäler" im Berliner Lichtig-Verlag publiziert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier erzählt Rosenbaum zuweilen polemisch und ohne Larmoyanz von seiner Haftzeit. Auch wenn seine Erlebnisse im Vordergrund stehen, sei ihm wichtig, dass es nicht um seine Person gehe, sondern um seine aufrechten Haftkameraden, die sich durch ihre gegenseitige Solidarität beigestanden hätten, sagt er: "Ihrem Andenken gilt das Buch."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Diskussion um die im Januar beschlossene SED-Opferente hat er deshalb auch als Betroffener aufmerksam verfolgt. Und die Regelung, die rund 250 € für ausschließlich bedürftige SED-Opfer vorsieht, sei eine "nationale Schande", sagt er empört. Vor allem wenn er an die ehemaligen Kameraden denkt: "Mir geht es gut, aber viele haben wenig Geld - da reicht die Summe zusätzlich nicht aus."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Abschluss möchte er noch eines sagen: "Einen Aspekt meiner Stasi-Haftzeit kann ich nicht genug loben: Hier habe ich die besten, Deutschen Menschen kennen gelernt." Darüber hinaus sei ihm aber nur wenig in positiver Erinnerung geblieben, sagt er, durchaus sarkastisch.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-1821051464563045905?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/1821051464563045905/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=1821051464563045905' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/1821051464563045905'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/1821051464563045905'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/03/der-zionistische-hftling.html' title='Ein &quot;Held&quot; wird Rosenbaum'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rf5w48GFqVI/AAAAAAAAACA/ys9SRQsin7U/s72-c/Buch.GIF' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-4473775603550448926</id><published>2007-03-02T09:11:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:41.460-08:00</updated><title type='text'>Die Klage AG</title><content type='html'>&lt;em&gt;Polnische Häuser sollen wieder deutsch werden. Deshalb klagt seit Ende 2006 eine Vertriebenenorganisation auf Entschädigung. Der Vorsitzende geht von einem Erfolg aus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SFanvzPFieI/AAAAAAAAAFk/3dU-nKJEN_s/s1600-h/Artikelfoto+Pawelka[Glasmacher].JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5212538058377103842" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SFanvzPFieI/AAAAAAAAAFk/3dU-nKJEN_s/s320/Artikelfoto+Pawelka%5BGlasmacher%5D.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;em style="FONT-WEIGHT: bold"&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das, was ihn antreibt, gegen alle Widerstände, seien "erschütternde Briefe", sagt Rudi Pawelka. Die erhält der 66-jährige Vorsitzende der Preußischen Treuhand "haufenweise." „Da schreiben mir Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als junge Mädchen in polnische Todeslager gekommen sind. Deren Familien hat man alles genommen – bis heute.“ Und jetzt lebten diese Frauen in Polen in großer Not, deshalb wolle er sich für sie einsetzen, sagt er. Notfalls auf dem Klageweg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den hat er im Mitte Dezember 2006 bestritten, als seine Treuhand beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg eine Klage einreichte. Ziel ist erst einmal Anerkennung des Unrechts der Vertreibung. Die Treuhänder wollen aber nicht nur hehre Worte, sondern auch Rückgabe ehemaligen deutschen Eigentums jenseits von Oder und Neiße.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das rief in Polen heftige Reaktionen hervor: Der polnische Premier Jaroslaw Kaczynski warnte vor schweren Schäden für das deutsch-polnische Verhältnis, sah sogar einen neuen Typus nationaler Ideologie am Werk. Bei einem Besuch in Warschau hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) jetzt erneut für die Bundesregierung bekräftigt, dass diese die Organisation nicht unterstütze und dass aus dem Zweiten Weltkrieg keine vermögensrechtlich offenen Fragen resultierten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sogar die Vorsitzende des Bundes des Vertriebenen, Erika Steinbach, distanzierte sich damals von den selbst ernannten Preußen-Treuhänder. Wenn der Name Steinbach fällt, winkt Rudi Pawelka nur ab. Die konterkariere doch, was der BdV selbst beschlossen habe, sagt er etwas müde. Er sitzt in einem Düsseldorfer Café, nippt an einem Cappuccino, zupft am bestens sitzenden Krawattenknoten. Auf dem Tisch liegt eine elegante Aktentasche, aus der er einen Stapel Fotokopien ziehen wird, um verschiedenes zu belegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass Steinbach seiner Treuhand ihre Unterstützung verweigert, ärgert ihn wohl mehr als er zugeben will: Er erinnere sich noch gut, dass Steinbach selbst geschrieben habe, es helfe nur noch der Rechtsweg, um Ansprüche durchzusetzen, sagt er schon munterer. Pawelka blättert in seinem Papierstapel und zieht den Beweis hervor – eine schon leicht verblichene Kopie der BdV-Presseerklärung von 1999.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er selbst habe übrigens nie Gut in Polen besessen, um das er jetzt kämpfen müsste, unterstreicht Pawelka. Ihm gehe es nur um die Menschen. Und dazu zählen erst einmal die Vertriebenen, die wegen des Potsdamer Abkommens gehen mussten, spätere Aussiedler, die in den 60er und 70er Jahren Haus und Hof entschädigungslos zurück ließen, sowie Angehörige der deutschen Minderheit in Oberschlesien: Von denen hätten sich schon 7500 Personen gemeldet, um Ansprüche geltend zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rudi Pawelka lebt schon seit 1945 nicht mehr in seiner Heimat, hat dort auch keinen Besitz. Deshalb findet er, dass er guter Treuhänder ist. Und das glaubt man ihm sogar. Mit dem letzten Zug sei er damals aus Breslau (heute: Wroclaw) geflüchtet, unter dem Feuer der Stalinorgeln. „Wir hatten alles verloren“, erinnert er sich. Barfuss zur Schule sei er gelaufen, Geld für Schulbücher sei nicht da gewesen: „Ich weiß wie es unten aussieht.“ Und dort will er nicht bleiben: Pawelka zieht nach Westen, schafft den sozialen Aufstieg, tritt später in den Polizeidienst ein, den er nach 42 Jahren verlässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit er in Pension ist, hat er viel Zeit. Und kann so für Treuhand ehrenamtlich tätig sein, denn er weiß: „Immer mehr Vertriebene sterben. Wir müssen endlich klären, dass sich Vertreibungen nicht lohnen.“ Weil sich die Politik einer Lösung der Frage verweigert, hat er 2000 die Preußische Treuhand in Düsseldorf als eine Art „Selbsthilfeorganisation“ mitbegründet. Rechtlich ist sie eine GmbH, größter Einzelteilhaber war zu Beginn die Landsmannschaft Ostpreußen. Die habe sich aber wieder zurückgezogen, sagt Pawelka. Grund? „Der Vorsitzende geriet unter Druck wegen der Brisanz der Klage.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aufgabenstellung der Gesellschaft, die den Preußenadler im Briefkopf führt, ist die „Sicherung des Anspruchs beziehungsweise Rückgabe des im Osten von den Vertreiberstaaten völkerrechtswidrig konfiszierten Eigentums”, sagt Rudi Pawelka umständlich. Dass die Vertreibungen eine Folge des Überfalls auf Polen sind, interessiere ihn dabei nicht: Die Vertriebenen seien ja nicht für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich zu machen, sagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vertriebenen hätten viel Schreckliches erfahren, das sei zu wenig bekannt, klagt er dann. Von den Polen nach dem Ende des Krieges rechtlos gestellt, seien Vergewaltigungen und auch Versklavung in polnischen Todeslagern wie Potulice und Zgoda an der Tagesordnung gewesen. „Das waren schwere Verbrechen gegen die Menschheit, ebenso wie die Heimatvertreibung“, sagt er. Unverständlich sei ihm, dass Polen heute noch diese Verbrechen vor dem Hintergrund des Nazi-Unrechts rechtfertige, aber: Unrecht könne doch nicht gegen Unrecht aufgerechnet werden, das müsse das Straßburger Gericht klarstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rechtsexperten wie der Heidelberger Völkerrechtler Jochen Frowein geben der Treuhand-Klage keine großen Erfolgschancen. Und das liegt auch am ehemaligen Kanzler Schröder, der jetzt als Handlungsreisender in Sachen Gas tätig ist. Der hatte im August 2004 in Polen erklärt, dass die Bundesregierung keine individuellen, deutschen Entschädigungs-Forderungen unterstützen werde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frowein hatte gemeinsam mit einem polnischen Kollegen die Kanzlerworte in einem Gutachten als einen bindenden Verzicht deutscher Entschädigungsansprüche gedeutet. Das Gutachten hält Pawelka aber für ein „Gefälligkeits-Papier“: Er kenne ein anderes Papier, das der Völkerrechtler Eckart Klein verfasst habe. Dort hat Klein die Aussagen des Kanzlers analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Kanzler-Verzicht auf die Eigentumsansprüche in Polen nicht wirksam ist. Deshalb ist sich der oberste Treuhänder auch zu „100% sicher, dass wir Erfolg haben werden.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gegen die Bundesregierung wird die Treuhand demnächst „wahrscheinlich“ auch juristisch vorgehen. Vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Regierung verletzt nämlich ihre Obhutspflicht gegenüber den Vertriebenen, sagt Pawelka. In den verschiedenen völkerrechtlichen Verträgen zwischen Polen und Deutschland seien nämlich die Eigentumsfragen nie geklärt worden, deshalb beständen Vertriebenen-Ansprüche fort. „Und das verkennen die.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Karlsruher Gericht hat sich schon mehrfach mit der Frage des Vertriebenen-Eigentums befasst und diese für offen erklärt, zuletzt 1992. Und so hätte es bisher auch die CDU gehandhabt, sagt Pawelka und zieht entsprechende Presseerklärungen hervor. Die stammen allerdings aus dem Jahr 2004, sind also nicht mehr aktuell: da saßen Christdemokraten in der Opposition. Jetzt, da die CDU die Kanzlerin stelle, vermisse er deren Unterstützung, sagt Pawelka etwas enttäuscht und überlegt, einen zweiten Cappuccino zu bestellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rudi Pawelkas Stellvertreter bei der Treuhand heißt Alexander von Waldow. Und ist der Ansicht, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 weiter fort besteht und Polen heute Besatzungsmacht in den Ostgebieten ist. „Nein, natürlich nicht“, sagt Pawelka rasch und wahrscheinlich ist es ihm auch peinlich. Diesen Zitaten würde er nicht zustimmen. Ob Waldow weiter im Gremium der Treuhand bleibe, „werden wir jetzt sehen, wenn die Gremien wieder zusammentreten.“ Bei den Preußen stehen die Zeichen also auf Sturm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unabhängig davon, ob das Reich fortbesteht oder nicht, eines ist sicher: Polen kann eigentlich nur davon profitieren, wenn es den Vertriebenen ihr Eigentum zurück gibt, meint Pawelka: „Die könnten mit den etwa 120.000 leerstehenden Immobilien entschädigt werden, die sie zurücklassen mussten.” Und in die würden die Deutschen ja investieren. Miete müssten sie allerdings schon zahlen, die Polen. Wenn sie in den rückerstatteten Immobilien weiter wohnen wollten. Das ist rechtlich eben so, sagt Rudi Pawelka.&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-4473775603550448926?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/4473775603550448926/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=4473775603550448926' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4473775603550448926'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/4473775603550448926'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/03/die-klage-ag.html' title='Die Klage AG'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/SFanvzPFieI/AAAAAAAAAFk/3dU-nKJEN_s/s72-c/Artikelfoto+Pawelka%5BGlasmacher%5D.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-879961483122742916</id><published>2007-02-22T15:13:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:41.740-08:00</updated><title type='text'>Freibriefe für Schläger?</title><content type='html'>&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;Seit Anfang Febraur wird der Überfall auf Ermyas M. in Potsdam vor Gericht verhandelt. &lt;/em&gt;&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;Afrikaner, die in Brandenburg leben blicken mit Sorge auf den Ausgang des Prozess.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong style="font-style: italic;"&gt;(Lonam - das Afrikamagazin, Februar 2007)&lt;/strong&gt;&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zu Fuß wäre Chu Eben (38) in fünf Minuten im Landgericht Potsdam. Seit dem 7. Februar wird dort der Angriff auf den Ermyas M. (38) verhandelt. Der Potsdamer Prozess ist auf 17 Verhandlungstage angesetzt, im April soll ein Urteilsspruch fallen. Chu Eben hätte also noch Gelegenheit, dort einmal vorbeizuschauen. Dann könnte er sich deutsche Rechtsprechung live anzusehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="margin: 0px 10px 10px 0px; float: left;" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Ru6euXWJIBI/AAAAAAAAACk/Ks3Po5WfNmk/s200/th_chrl_20070228_048.jpg" border="0" /&gt; Der gebürtige Kameruner arbeitet für die Potsdamer Flüchtlingshilfe „Refugees Emancipation.“ Hier finden Asylbewerber Hilfe bei Rechtsfragen, können sich fortbilden. Das Büro befindet sich in einem grauen Plattenbau im Zentrum von Potsdam. Blickt man aus dem Fenster, sieht man die eingerüstete Kuppel der Nikolai-Kirche in der Sonne strahlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fragt man Chu Eben, was er von dem Prozess hält, dann seufzt er und zieht die Stirn in Falten. Der bisherige Verlauf des Prozess deprimiere ihn, sagt er, zurückgelehnt auf seinem Bürostuhl. Der Potsdamer Richter hatte unlängst angedeutet, dass Ermyas M. den Überfall selbst provoziert haben könnte. Das findet er infam. „Wenn das als Ergebnis des Prozess heraus käme, wäre das ein Freibrief für Brandenburger Nazischläger.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chu Eben hat mehr als acht Jahre gelebt in Brandenburg gelebt. Er wurde „Negersau“ genannt und gefragt, was er in Deutschland wolle. Man begrüßte ihn regelmäßig mit hochgerecktem Hitlerarm. Und ab sechs Uhr abends traute er sich nicht mehr auf die Straße. „Ist das normal in einem zivilisierten Land? Selbst in Afrika ist es nachts sicherer als in Eisenhüttenstadt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei war es gerade die Angst um sein Leben, die ihn 1998 dazu veranlasste aus Kamerun zu fliehen. Er stammt aus dem Süden, studierte Jura, setzte sich für die Gleichberechtigung der englischen Sprache im einem frankophonen Land ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In München steigt er aus dem Flugzeug, stellt einen Antrag. Dann wird Eben nach Brandenburg transportiert. Dorthin, wo hohe Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und triste Plattenbauten das Leben der Einheimischen bestimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Brandenburg war Eben dann in verschiedenen Asylbewerberheimen. Er wartete, dass die so lang erscheinende Zeit endlich umging, er wartete auf seinen Bescheid, erhielt eine Ablehnung, legte Berufung ein, wartete erneut. Chu Ebens Antrag wurde bis heute nicht endgültig entschieden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor drei Jahren lernte er eine Deutsche kennen, verliebte sich und heiratete. Jetzt lebt er mit seiner Ehefrau in Berlin, kommt täglich nach Potsdam, um bei der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich zu arbeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt sitzen in seinem Büro vier afrikanische Asylbewerber. Sie surfen im Internet, hören mit halben Ohr zu, hin und wieder werfen sie eine Bemerkung in das Gespräch ein. Als es um rechte Gewalt geht, sagt ein etwa 30-jähriger Afrikaner, dass alle in Brandenburg Rassisten seien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist Chu Eben etwas peinlich. Er möchte differenzieren. Als ob er wüsste, dass ein solches Urteil genauso ein Stereotyp wäre, wie rassistische Aussagen. Es gebe ja auch gute Menschen in Brandenburg, bemüht er sich zu unterstreichen. Seine Flüchtlingshilfe etwa existiere nur, weil Deutsche regelmäßig spendeten. „Aber die große Maße ist rechter Gewalt gegenüber gleichgültig“, klagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Aber sicher ist doch, dass Brandenburg alle Schwarzen rechtlos sind“, entgegnet jetzt der 30-jährige, aber Chu Eben möchte jetzt lieber wieder auf den Fall Ermyas M. zurückkommen. Das eigentliche Problem seien dabei nicht die spektakulären Einzelfälle wie Ermyas M.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das schlimmste sei das alltägliche Anpöbeln, die kleinen Handgreiflichkeiten, sagt Eben. „Sprechen Sie mit Herrn Tekere“, sagt Eben dann. „Er wurde unzählige Male angegriffen und Neger genannt. So ist es für viele Asylbewerber in Brandenburg.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Agbor Tekere, 33, kommt gerade aus dem Integrationskurs, den er in der VHS-Friedrichshain besucht. Hier lernt er Deutsch und setzt sich mit dem politischen System der BRD auseinander. Jetzt weiß Tekere, dass der Präsident von Deutschland Köhler heißt und wenig zu sagen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img style="margin: 0px 0px 10px 10px; float: right;" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Ru6e1HWJICI/AAAAAAAAACs/f_ObY72gOz8/s200/th_chrl_20070223_030.jpg" border="0" /&gt; Agbor Tekere hätte etwas gemein, mit Köhler. In seiner Heimat Kamerun hatte er ebenfalls nicht viel zu sagen. Davon erzählt er wenig später in einer Filiale einer Burgerkette auf der Frankfurter Allee. Über seinem Kopf hängt ein Fotographie von New York, die Türme des World Trade Centers stehen da noch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit 1999 ist er in Deutschland. Zuvor sei er wegen politischer Aktivitäten gefoltert worden, habe deswegen im Krankenhaus gelegen, gibt der freundliche Mann mit leiser Stimme bekannt. Dort hätten ihn dann Parteifreunde befreit und nach Nigeria gebracht. Dann sei er per Flugzeug nach Deutschland geflüchtet. Bei der Passkontrolle beantragt er Asyl. Er wird in ein Büro des Bundesgrenzschutz gebracht. Unfreundlich teilt ihm ein mürrischer Beamter mit, dass seine Papiere zwar richtig, die Unterschriften aber gefälscht seien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später wird man Agbor Tekere ein Bahnticket in die Hand drücken und ihn nach Eisenhüttenstadt schicken. Der Zug fährt etwa 10 Stunden, aus dem Fenster sieht er dieses satte, saubere und blühende Wunderland Germany. „Ich dachte, dass Deutschland eine zivile Gesellschaft sei, dass ich wie ein Mensch behandelt werden würde“, sagt er jetzt. Und freut sich auf Eisenhüttenstadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber dort macht er bald eine unangenehme Erfahrung: Afrikaner laufen Gefahr, verprügelt zu werden. Es war Abend, Tekere wartete im Bahnhof auf den Zug nach Frankfurt/Oder. Sie waren zu fünft, kamen lässig herbei geschlendert. Ein junger Mann fragte ihn auf Deutsch, was er in Deutschland wolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Agbor Tekere sagte auf Englisch, dass er nichts versteht. Da teilte ihm der Deutsche mit, dass Deutschland nur für Deutsche da sei. Dann tritt er zu, die anderen machen mit. Tekere fällt hin. Und auch als er auf dem Boden liegt, treten die Angreifer auf ihn ein. Der Asylbewerber kann schließlich aufspringen und läuft mit blutender Nase nach draußen. Er findet eine Telefonzelle, ruft eine Nummer an, von der er annimmt, dass es die Polizei ist. Doch Tekere wird mit dem Notarzt verbunden, der sich nicht zuständig sieht. Er sagt Tekere, dass er die Polizei anrufen müsse und legt auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag geht Agbor Tekere zur Caritas, schildert, was vorgefallen ist. Die Wohlfahrtorganisation schreibt jetzt einen Brief an die Polizei, berichtet über den Fall. Tekere wird vorgeladen, man zeigt ihm Fotos, er erkennt die Verdächtigen. Es kommt zum Prozess, die Schläger werden verurteilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein halbes Jahr später folgt der nächste Zwischenfall. Tekere wohnt in Rudersdorf. Ein Mann begrüßt ihn regelmäßig mit Hitlergruß, ruft vom Balkon herunter: „Hey Nigger, warum bist du in Deutschland?“ Eines Tages bleibt Tekere steht und fragt: „Bist du Nazi?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt wird der Deutsche aggressiv, brüllt, dass er herunter kommen werde, um Agbor Tekere zu töten. Der rennt zur Polizei, die den Mann festnimmt. Der Mann wird zu 1000 € Strafe verurteilt, wegen des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Agbor Tekeres Asylantrag wurde längst abgelehnt, wegen schweren Leberschäden ist seine auf unbestimmte Zeit Abschiebung ausgesetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt wohnt er in Friedrichhain. Dort wo, er sich nicht vor Nazis fürchten müsse, sagt er. Aber das Misstrauen ist geblieben, Weißensee ist nah. Neulich hat er sich auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz ein Diktiergerät gekauft. 5 € kostete das, die Batterieklappe fehlt. Das trägt er jetzt immer in seiner Anoraktasche mit sich herum. Wozu? Tekere zögert mit der Antwort. Falls er mal angepöbelt wird. Als Beweis, für später.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fotos: &lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;Christian Reister&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-879961483122742916?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/879961483122742916/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=879961483122742916' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/879961483122742916'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/879961483122742916'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/die-klage-ag.html' title='Freibriefe für Schläger?'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Ru6euXWJIBI/AAAAAAAAACk/Ks3Po5WfNmk/s72-c/th_chrl_20070228_048.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-5100614671464477230</id><published>2007-02-22T15:10:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:42.070-08:00</updated><title type='text'>Mitte gehörig die Meinung kleben</title><content type='html'>&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Mit Plakaten protestiert der Street-Artist SP 38 gegen die Yuppisierung des Innenstadtbezirks und den neoliberalen Zeitgeist. Trotzdem sieht er sich nicht als politischen Künstler: "Ich mache urbane Poesie", sagt der Franzose über seine Arbeit &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;taz, 23.02.07)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5034679094658362546" alt="SP 38" src="http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rd7F9jMybLI/AAAAAAAAABg/NaAE_7PKWbg/s320/th_chrl_20070218_056.jpg" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Fotos: &lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Christian Reister&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SP 38 hat eines mit Comic-Cowboy Lucky Luke gemeinsam: Er ist schneller als sein Schatten - wenn auch nur mit dem Kleisterpinsel. Sein Künstlername, der auf einen französischen Polizeirevolver Bezug nimmt, spielt auf das Talent der Comiclegende an, sagt der Franzose etwas ironisch und mit so leiser Stimme, dass man ihn kaum versteht. Dabei streicht er sorgfältig die Ränder des Plakates glatt, das er gerade in der Auguststraße in Mitte auf eine Häuserwand geklebt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Who kills Mitte?" steht dort in feinen blauen Lettern. Ein etwa 30-jähriger Passant bleibt stehen und fragt nach der Bedeutung seiner Botschaft. Und ob das überhaupt ernst gemeint sei. Das solle sich der Betrachter selbst beantworten, erklärt ihm SP 38. Worauf der Passant verlegen grinst und weitergeht. "Immerhin, er hat sich gefragt, was das soll", freut sich der Künstler. Und Fragen, die sich der Passant möglichst selbst stellen soll, will er durch seine Plakate provozieren. "Ist ein anderes Leben möglich? Mit mehr Freiheit? Und weniger Kapitalismus?", erläutert der Franzose. Damit man ihn nicht für einen bierernsten Künstler hält, fügt er rasch hinzu, dass er auch dafür ist, dass Schokolade wieder billiger wird. Und als politisch möchte er seine Arbeit auch nicht bezeichnen. "Es ist eher urbane Poesie."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit den 90er-Jahren plakatiert der meist dunkel gekleidete Franzose seine hintersinnigen Botschaften, fährt er tagtäglich mit seinem schwarzen, verrosteten Fahrrad durch die paar Straßen zwischen Oranienburger und Torstraße. Davor lebte der Künstler, der weder seinen wahren Namen noch sein Alter (er dürfte in den 40ern sein) nennen möchte, in Paris.&lt;img style="margin: 10px 10px 10px 0px; float: left;" sp38="" src="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rd7GFTMybMI/AAAAAAAAABo/AU0IFN4f70o/s320/th_chrl_20070218_079.jpg" border="0" /&gt; Er studierte an der Kunsthochschule, war in der Hausbesetzerszene aktiv und gehörte dort zu den "artistes squatteurs", einer Bewegung, die leer stehende Industriekomplexe besetzte, um sie zu Kunstzentren umzugestalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angelockt von der Berliner Street-Art-Szene, die damals einen weltweiten Ruf besaß, kam er an die Spree. "Als ich das erste Mal in Mitte war, dachte ich, ich sei in einem Bürgerkriegsszenario gelandet", erinnert er sich. Jetzt wird er fast ein wenig melancholisch. Denn damals bröckelten in Mitte viele Fassaden oder waren noch zu DDR-Zeiten grau in Schmutzigbraun verputzt worden. Heute strahlen die Häuser in der Frühlingssonne, ein junges Pärchen schiebt den edlen Designerkinderwagen an SP 38 vorbei. Ohne allerdings einen Blick auf sein eben geklebtes Plakat zu werfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich sind das die Mitte-Killer à la SP 38. Und es sind eigentlich nette "Killer". Gegen Besserverdienende mit hohen Ansprüchen an Wohnkomfort im sanierten Altbau hat der Franzose prinzipiell gar nichts einzuwenden. Ihn stört nur, dass kleine Buchhandlungen verschwinden und eine Schuhboutique nach der anderen eröffnen, die Mieten steigen und die einstige legendäre Kreativszene fast völlig verschwunden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei ist sich SP 38 bewusst, dass diese Szene nur umgezogen ist, wenn auch unfreiwillig. Vielleicht wohnt sie jetzt an den Rändern von Wedding oder im tiefsten Neukölln, wo sie über ihren Projekten sitzt. "Aber wieso müssen wir gehen, nur weil jetzt die Yuppies kommen wollen", fragt er sich. "Als es hier nur Außenklos und Kohleöfen gab, waren die in Charlottenburg glücklich."&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-5100614671464477230?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/5100614671464477230/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=5100614671464477230' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/5100614671464477230'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/5100614671464477230'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/mitte-gehrig-die-meinung-kleben.html' title='Mitte gehörig die Meinung kleben'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/Rd7F9jMybLI/AAAAAAAAABg/NaAE_7PKWbg/s72-c/th_chrl_20070218_056.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6446085326092899668</id><published>2007-02-22T12:39:00.000-08:00</published><updated>2007-09-22T11:09:27.553-07:00</updated><title type='text'>Lob eines Kritikers</title><content type='html'>&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;1938 nicht immatrikuliert, 2007 promoviert: Mit Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in der Berliner Humboldt-Universität.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Jüdische Allgemeine, 22.02.07)&lt;/span&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Möwen kreisen über dem noch menschenleeren August-Bebel-Platz, den Marcel Reich-anicki an diesem Freitagmorgen mit ernstem Gesichtausdruck überquert. Eben stand er noch in der Empfangshalle des Hotel de Rome und plauderte bei leiser Swingmusik mit FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher und Christoph Markschies, dem Präsidenten der Humboldt-Universität. Der wird ihm heute einen Ehrendoktor verleihen.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Für den 86-jährigen Literaturkritiker ist es die neunte Ehrung dieser Art. Seinen ersten Ehrendoktor erhielt er 1972, den achten vergangenes Jahr in Tel Aviv. Die Berliner Auszeichnung ist dennoch etwas Besonderes, eine späte Genugtuung. 1938 hatte dieselbe Hochschule, die ihn jetzt ehrt, dem damaligen Berliner Abiturienten die Einschreibung im Fach Germanistik verweigert. Offiziell, weil es keine Studienplätze gab. In Wahrheit, weil er Jude war: „Abgel., 7.4.38. /jüd.“ stand auf dem Antrag, der 1999 aus den Archiven der einstigen Friedrich-Wilhelms-Universität auftauchte.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Vielleicht überquerte Reich-Ranicki 1938 den Platz in umgekehrter Richtung, kam gerade aus dem Büro des damaligen Rektors, wo man ihm höflich diese Ablehnung mitgeteilt hatte. Und schwor sich, nie wieder einen Fuß in das Gebäude zu setzen. Auf demselben Platz hatten deutsche Studenten fünf Jahre zuvor rund 20.000 Bücher verbrannt. Alles Autoren, die nicht in das neue, braune Weltbild passten. Marcel Reich-Ranicki geht im offenen schwarzen Lederanorak nah der Stelle vorbei, wo das im Frühjahr 1933 geschah.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Was er bei seinem Gang über den Platz empfindet, will er nicht sagen. „Fragen Sie lieber nicht“, sagt er, während ihn Touristen erkennen und aufgeregt mit ihren silbrig glänzenden Digitalkameras fotografieren. Was er damals empfand, könne er nicht mehr genau konstruieren, hat Reich-Ranicki in einem Interview bekannt. In seiner millionenfach verkauften Autobiografie Mein Leben hat er dennoch versucht, jenen April 1938 zu beschreiben. Eigentlich wollte sich der damals 17-Jährige gar nicht um einen Studienplatz bemühen, doch die Mutter drängte. Eine weltfremde Vorstellung sei das gewesen. Im Herbst desselben Jahres wurde er als polnischer Staatsbürger in seine „Heimat“ ausgewiesen.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Reich-Ranicki ist inzwischen an der Humboldt-Universität angekommen. Eilig geht er auf die Eingangstür zu. Als ob er ihn endlich hinter sich bringen möchte, den in den Medien viel beschworen Akt. Aber Frank Schirrmacher will jetzt ein Erinnerungsbild. Dazu hat er extra einen Fotografen mitgebracht. Nur Reich-Ranicki, Schirrmacher und Markschies sollen auf das Foto.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;    &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Doch der Ehrengast geht einfach durch die Tür. Das findet Frank Schirrmacher dann trotzdem super. „Das ist ganz wunderbar“, ruft er und wippt aufgeregt auf den Zehenspitzen. Weil es so schön war, scheucht er Reich-Ranicki noch einmal heraus. Ein zweites Foto soll geschossen werden - "nur für den Fall", sagt Schirrmmacher.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;In der mit Marmor ausgekleideten weiten Eingangshalle der Universität geht Reich-Ranicki am Arm von Christoph Markschies die breite Treppe empor, vorbei an dem Karl-Marx-Zitat „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Sie halten kurz inne. Markschkies sagt, dass das wohl falsch interpretiert worden sei, Reich-Ranicki nickt. Als sie dann in das Amtzimmer des Präsidenten im ersten Stock gehen, will Marschkies wissen, ob es hier gewesen sei, wo er vom damaligen Rektor die Ablehnung erhielt. „Nein, das war unten, auf der rechten Seite“, antwortet Reich-Ranicki.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im hellbraun getäfelten Amtszimmer des Präsidenten warten Presse und Honoratioren. Alt-Bundespräsident von Weizsäcker begrüßt Reich-Ranicki herzlich, Kulturstaatsminister Neumann lächelt steif, der Germanist Peter Wapnewski, langjähriger Weggefährte Reich-Ranickis und heute sein Laudator, schaut freundschaftlich. Jetzt soll sich Reich-Ranicki in&lt;br /&gt;das Goldene Buch der Universität eintragen. Seinen Schriftzug, mit dem eine halbe Seite füllt, führt er energisch aus, ein Fotograf pirscht sich ganz nah heran, kniet sich auf den roten Teppichboden, zeigt die abgelaufenen Schuhabsätze.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Dann trägt sich auch Wapnewski ein, der HU-Präsident schlägt vor, in die Aula zu gehen. „Hat die Flair?“, fragt Reich-Ranicki. „Eher nicht“, bedauert Markschies. Flair hat das Auditorium wirklich nicht. Die Klappsitze sind abgenutzt, auf der Holztäfelung der hohen Halle liegt ein schmieriger Belag, der noch aus DDR-Zeiten zu stammen scheint. Aber als Reich-Ranicki eintritt, interessiert das keinen. Eine Fotografenmeute stürzt auf ihn zu, halb flüchtet er, halb treiben sie ihn vor sich her, in die erste Stuhlreihe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier setzt sich Reich-Ranicki, lächelt gequält und erduldet das Blitzlicht wie einen Zahnarztbesuch. Von Weizsäcker sagt zu Neumann, dass der Kritiker den Umgang mit den Medien wohl noch lernen müsse und guckt mitleidig. Aber dann wird es dem Altbundespräsidenten doch zu viel: „Die Fotografen müssen weg!“, ruft er verhalten. Schließlich verscheucht ein Saalordner mit Namensschild am zerknitterten Sakko die Bildberichterstatter. Auf der Bühne spielt ein Musiker-Quartett. Reich-Ranicki hört konzentriert und mit überschlagenen Beinen zu, so wie er auch immer im Literarischen Quartett saß.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Dann folgen die Reden. Mit „unendlicher Wehmut“ erinnert HU-Präsident Markschies an das&lt;br /&gt;Berlin vor der Nazizeit, an die Stadt der Literatur, der Kultur, des Theaters. Mit „unendlicher Wehmut“ spricht er von seiner Universität, die sich der deutschen Diktatur bedenkenlos und umfassend ausgeliefert habe. Dann überreicht er Reich-Ranicki die Ehrenpromotionsurkunde, trägt deren lateinischen Text mit weichem Zungenschlag vor.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Danach soll Reich-Ranicki sprechen. Er habe keine Zeit gehabt, eine Rede vorzubereiten, sagt der und improvisiert dann am Tisch sitzend einige temperamentvolle Dankesworte, die der teilweise pathetischen und staatstragenden Veranstaltung das Pathos nehmen. Er lobt die Veranstaltung als „ungewöhnlich“. Nicht, weil er späte Genugtuung erfahren habe, sondern weil ein Laudator alle seine Bücher gelesen hat.&lt;/p&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;  &lt;/div&gt;&lt;p style="text-align: left;" class="MsoNormal"&gt;Zum Schluss erzählt Reich-Ranicki, wie er nach dem Krieg nach Berlin zurückgekehrt sei und die alte Universität gesehen habe, ohne Groll und Hass zu empfinden. Er habe gedacht: „Wo Millionen gemordet wurden, ist die Nichtzulassung zum Studium beinahe eine Lappalie.“ Dann ist es aus. Stehend applaudieren die Gäste in der Aula. Ein Kamerateam stürzt sich auf Reich-Ranicki, brutal leuchtet ihm das grelle Licht einer Beleuchtungslampe ins Gesicht. „Wie ist das denn, wenn Sie jetzt wieder hier sind, 70 Jahre danach?“, kreischt eine Reporterin. „Bitte lassen Sie mich doch in Ruhe“ , antwortet der. „Ich bin so müde.“ Neben ihm steht ein Mann mit Rucksack und einem Stapel vergilbter Bücher. In jedes möge der Kritiker bitte seinen Namenzug schreiben. Der sieht jetzt sehr ratlos aus.&lt;/p&gt;&lt;span&gt; &lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6446085326092899668?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6446085326092899668/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6446085326092899668' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6446085326092899668'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6446085326092899668'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/lob-eines-kritikers.html' title='Lob eines Kritikers'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6246951890483479463</id><published>2007-02-18T05:14:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:42.181-08:00</updated><title type='text'>Kein Dank vom Vaterland</title><content type='html'>&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;Lothar Scholz saß in einem sowjetischen Straflager. Seit Jahren kämpft er nun für eine Opferpension – aber Almosen will er nicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold; font-style: italic;"&gt;(Der Tagesspiegel,Seite 3, 05.02.2007)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5032862722924113010" src="http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhR-zMybHI/AAAAAAAAAAw/DhQuqOJ4qco/s320/chrl_20060803_083_portrait_garten.jpg" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Foto: &lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Christian Reister&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das weiße Haar ist voll, der Blick konzentriert. Lothar Scholz sitzt aufrecht in seinem Arbeitszimmer in Berlin-Lichterfelde. Im Hintergrund reihen sich Aktenordner, neben dem Computer stapeln sich Faxe und E-Mail-Ausdrucke. Und seit dem 24. Januar steht sein Telefon nicht mehr still. An diesem Tag wurde bekannt, dass SPD und CDU/CSU eine Rente in Höhe von rund 250 Euro für bedürftige Opfer des SED-Staates beschlossen hätten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt rufen täglich SED-Opfer an, um ihre Empörung loszuwerden. Bei ihm, dem 78-jährigen stellvertretenden Vorsitzenden der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. Die Union vereint 30 Verbände von Verfolgten des SED-Regimes. In deren Namen hat Scholz am 27. Januar einen Kranz im KZ-Sachsenhausen niedergelegt, nahm am Festakt teil und stand stundenlang in der Kälte. Nun schmerzen wieder die Zehen. „Das ist, als ob Ihnen einer mit dem Hammer draufschlägt. Zum Glück nur phasenweise“, sagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit dem Frühjahr 1948 hat Lothar Scholz dieses Gefühl in den Zehen. Da hat er als 19-Jähriger auf Filzsocken bei minus 42 Grad in Sibirien den Polarkreis überschritten. Um seine Haftstrafe als verurteilter „Spion“ anzutreten. 15 Jahre sollten es sein, abgesessen hat er acht. Aber ehe er davon erzählt, möchte er noch etwas zur Opferrente sagen: Ein Almosen sei das. Schließlich sei es ihnen um eine staatliche Anerkennung als Widerständler einer Diktatur gegangen, sagt Scholz. Und das sollte sich auch in einer staatlichen „Ehrenpension“ ausdrücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt aber sollen die Zahlung nur Verfolgte erhalten, die bedürftig sind. Etwa wenn das monatliche Einkommen unter 1035 Euro liegt. „Die Stasi-Kader lachen sich in Fäustchen“, sagt Scholz. Er blättert jetzt in einem Papierstapel, zieht ein Blatt hervor. Rund 1,3 Milliarden Euro Rente zahle der Staat für die SED-Funktionäre, nur 50 Millionen sollen künftig für SED-Verfolgte ausgeben werden: „Da zweifelt man an unserer Demokratie.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein SED-Verfolgter war Lothar Scholz selbst nie. Aber er nennt sich ein „Opfer des Kommunismus“. Nach dem Krieg beginnt er eine Lehre in Fürstenwalde. Eines Tages verlangt der sowjetische Ortskommandant nach ihm. Der Russe sucht Spitzel, bietet Geld und Lebensmittelkarten. Lothar Scholz weigert sich, er wird verprügelt. Am Ende unterschreibt er eine Erklärung, Spitzeldienste zu leisten. Mit dem Hintergedanken, dann zu fliehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er schlägt sich nach Hamburg durch, in den britischen Sektor. Dort findet er Arbeit in einem Offizierskasino der Briten. Im Juni 1947 kehrt Scholz nach Fürstenwalde zurück, da er glaubt, dass man ihn vergessen hat. Ein Irrtum, denn bald wird er während einer Tanzveranstaltung verhaftet. Lothar Scholz wird nach Eberswalde transportiert und ein halbes Jahr lang verhört. Anklagegrund: „Spionage.“ Jeden Abend wird er zum Verhör geholt, das die ganze Nacht dauert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotz der Schläge, trotz des Schlafentzugs gesteht er nicht. Verurteilt wird er trotzdem: 15 Jahre Arbeitslager wegen Spionage. Im Januar 1948 geht es im Viehwaggon auf die Reise in die Sowjetunion. Tagelang fährt der Zug bei Minusgraden. Von den 28 Häftlingen in seinem Waggon seien bei der Ankunft in Moskau nur noch 19 übrig gewesen, erzählt Scholz. Jeden Morgen klopften die Rotarmisten an die Tür, fragten, ob es Tote gäbe: „Wenn das so war, wurden die Türen geöffnet und die Leichen rausgeschmissen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach einer Zwischenstation in Moskau fährt der Zug weiter ins sibirische Workuta, wo sich Kohlebergwerke befinden. Dort angelangt, marschiert Scholz zu Fuß in eines der 100 Lager, die sich entlang der Bahnlinie befinden. Während dieses Gewaltmarsches holt er sich auch die Erfrierungen an den Zehen. Im Lager selbst wird er dann zu Nummer „ÿ 763“. So steht auf dem Rücken seiner Sträflingsjacke, und nur so reden ihn die Wachen an. Der Arbeitstag dauert zwölf Stunden, zweimal im Jahr gibt es frei: am Tag der russischen Oktoberrevolution und am Geburtstag von Stalin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als so genannter „Faschist“ steht Lothar Scholz in der Lagerhierarchie ganz unten, gibt es neue Kleidung, wird sie ihm sofort gestohlen. In den Baracken schlafen die Häftlinge in Etagenbetten, oben die Russen und Scholz auf dem Fußboden: „Nachts haben die dann ihre Wanzen auf mich runtergeschmissen.“ Auch wenn Scholz sich als einen „zähen Brocken“ bezeichnet, der sich nicht unterkriegen lässt: Hätte es 1948 nicht einen Lageraufstand gegeben, wäre er wohl nicht mehr aus Sibirien zurückgekehrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wird nach Süden verlegt, an die mittlere Wolga. Dort ist es wesentlich wärmer. Scholz fällt Holz, schneidert Uniformen, baut Radios zusammen. Ab 1953, nach dem Tod von Stalin, gibt es spürbare Verbesserungen für die Häftlinge. Jetzt ist alle zehn Tage ein Ruhetag, die Arbeitszeit wird auf zehn Stunden festgelegt, und Scholz bekommt Lohn. Damit kann er im Lager Brot kaufen oder Marmelade.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt besteht auch die Möglichkeit zur Gestaltung der kargen Freizeit, Bücher können ausgeliehen werden. Er liest sich durch die klassische russische Literatur. Und Lothar Scholz, der zu Beginn seiner Haft kein Wort Russisch sprach, beherrscht die Sprache bald fließend. Nun bitten ihn sogar Russen, dass er ihre Begnadigungsersuchen schreibt. Mit seiner Heimat hat Lothar Scholz inzwischen abgeschlossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man hatte ihm gesagt, dass er auch nach der Verbüßung seiner Haft in Sibirien bleiben müsse. Als Trost sagt ihm ein russischer Lagerkamerad: „Du wirst eine hübsche Russin heiraten und viele Kinder bekommen!“1954 deutet sich endlich eine Wende an. Die deutschen Häftlinge werden in einem Lager zusammengezogen, dürfen eine Postkarte nach Hause schreiben. Wenn Lothar Scholz über die erste Karte spricht, die er von seiner Mutter erhielt, kommen ihm noch immer die Tränen in die Augen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Oktober 1955 wird er entlassen. Über Moskau fahren die Deutschen nach Frankfurt/Oder. Dort steigen diejenigen aus, die in der DDR bleiben werden. Scholz fährt weiter ins Durchgangslager Friedland und dann nach Westberlin, wo die Mutterr wohnt. Er lebt sich langsam wieder ein im Wirtschaftswunderland BRD, macht einen Schulabschluss und wird Handelskaufmann. 1964 heiratet er, bekommt zwei Töchter. 1994 ist er als 67-Jähriger noch einmal nach Workuta gefahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch diesmal dauerte die Fahrt 40 Stunden, und draußen herrschten minus 42 Grad. Doch diesmal wird er in Workuta auf dem Bahnhof freundlich empfangen. Zwei russische Mitglieder der Organisation einstiger Zwangsarbeiter erwarten ihn mit warmer Kleidung, Brot und Salz, der traditionellen russischen Begrüßung. Die Jahre im Straflager hat Scholz nie vergessen können: „Ich träume oft, ich sei auf der Flucht vor Lagerposten, die mich mit Hunden verfolgen. Aber meine Füße sind am Boden festgefroren.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit seinem Schicksal hadere er aber dennoch nicht, Hass gegen das russische Volk empfinde er nicht, sagt er. Vor einiger Zeit hat Scholz ein Buch über seine Lagerhaft geschrieben, er erzählt als Zeitzeuge in Berliner Gymnasien von seinem Schicksal. Dann nimmt er seine graue, wattierte Häftlingsjacke mit, die er aus Sibirien mitgebracht hat. Manchmal zieht er sie an, sie passt ihm noch immer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Zeitzeugenarbeit sei ihm sehr wichtig, sagt Lothar Scholz. Die Schüler sollten sehen, dass man Nein sagen müsse. Er habe damals nicht als Spitzel arbeiten wollen. Und so seine Jugend verloren. Die Ehrenpension solle deshalb auch ein Zeichen für zukünftige Generationen sein: Widerstand gegen Unrecht und Gewalt lohne sich, werde vom Rechtsstaat anerkannt. Deshalb will Lothar Scholz für eine Nachbesserung der Opferrente kämpfen: „Wir haben auf ein Dankeschön durch das Vaterland gehofft und einen warmen Händedruck bekommen. Almosen brauchen wir nicht.“&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6246951890483479463?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6246951890483479463/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6246951890483479463' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6246951890483479463'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6246951890483479463'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/lothar-scholz-sa-in-einem-sowjetischen.html' title='Kein Dank vom Vaterland'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhR-zMybHI/AAAAAAAAAAw/DhQuqOJ4qco/s72-c/chrl_20060803_083_portrait_garten.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-1433104462772191666</id><published>2007-02-18T05:11:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:42.321-08:00</updated><title type='text'>Der jüdische Kläger</title><content type='html'>&lt;i&gt;Hans-Joachim Goldschmidt will seinen Familienbesitz in Polen zurück haben. Deshalb kämpft er vor dem Europäischen Menschengerichtshof um sein Recht - gemeinsam mit der umstrittenen Preußischen Treuhand&lt;/i&gt;&lt;br&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhQpjMybGI/AAAAAAAAAAk/0zYuW9OO-C4/s1600-h/chrl_070108_115547.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5032861258340265058" style="" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhQpjMybGI/AAAAAAAAAAk/0zYuW9OO-C4/s320/chrl_070108_115547.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Foto: &lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Christian Reister&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ein Stapel vergilbter Papiere, ein Siegelring und ein kleines Fotoalbum. Mehr ist Hans-Joachim Goldschmidt nicht aus seiner 300-jährigen Familiengeschichte geblieben. Aber da ist mehr. Drüben, im heute polnischen Schlesien. Nur gehört ihm das nicht. Oder doch? Um das zu klären, klagt der 56-Jährige mit zwanzig weiteren Klägern seit November 2006 vor dem Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An diesem Tag reichte die umstrittene Vertriebenorganisation „Preußische Treuhand“ ihre seit 2004 angedrohte Klage gegen Polen ein. Ziel sei die Anerkennung des Unrechts der Vertreibung der Deutschen jenseits von Oder und Neiße sowie die Rückgabe ehemaligen Eigentums, sagte ein Sprecher der Organisation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Klage rief in Polen heftige Reaktionen hervor. Der polnische Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski warnte vor schweren Schäden für das deutsch-polnische Verhältnis, sah sogar einen neuen Typus nationaler Ideologie am Werk. Auch in Deutschland sorgte man sich um die Beziehungen beider Länder. Die Klage belaste „das uns am Herzen liegende gute Verhältnis zu Polen“, ließ die Bundesregierung wissen. Und sogar die Vorsitzende des Bundes des Vertriebenen, Erika Steinbach, distanzierte sich von den Preußen-Treuhändern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber unwohl fühle er sich nicht, sagt Hans-Joachim Goldschmidt. Unwohl, mit einer Organisation in Verbindung zu stehen, die manche als dubios empfinden, als einen Verein Ewiggestriger. Es sei eben die einzige Chance, den ehemaligen Familienbesitz zurückzuerhalten, sagt Goldschmidt. „Gemeinsam ist man stark, wenn man klagt.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Familienbesitz: Das war eine Villa in einem noblen Vorort von Breslau (heute Wroclaw), Häuser in der Altstadt, eine noch immer produzierende Seifenfabrik und ein Landhaus, das sich bei Waldenburg (heute Walbrzych), rund 80 km entfernt von Breslau befand und heute auch noch steht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daran liege ihm eigentlich am meisten, sagt Goldschmidt fast verlegen. Weil dort seine 81-jährige Mutter aufwuchs, die in einem Pflegeheim lebt. Und weil er dort 1966 erstmals mit seiner Familiengeschichte konfrontiert wurde, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen habe. Und vielleicht geht es ihm auch weniger um Entschädigung entgangener Geld-Werte als darum, etwas von dem wiederzufinden, was irgendwie mit ihm verbunden ist: die Familiengeschichte. Und die steckt in den Häusern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte der Goldschmidts – das ist bis zur „Machtergreifung“ eine deutsch-jüdische Erfolgs-Story. Hans-Joachim Goldschmidt erzählt sie mit viel Begeisterung in seinem Wohnzimmer in Berlin-Tegel. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Dokumente, aus denen er hin und wieder ein Blatt hervorzieht, wenn er etwas belegen will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ende des 17. Jahrhunderts beginnt die Goldschmidt-Saga. In Breslau, der Hauptstadt von Schlesien, einer alten europäischen Kulturlandschaft. Als sich der Urahn der Goldschmidts als so genannter „Schutzjude“ in der Stadt niederlassen darf, ist das ein Privileg, das er seinen kaufmännischen Fähigkeiten verdankt. Mit denen wird er es schnell zu Wohlstand bringen und der jüdischen Gemeinde später in seinem Testament eine ansehnliche Summe hinterlassen, ohne dabei christliche Waisenhäuser oder Armenspitäler zu vergessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sohn des Goldschmidt-Urahn wird dann eine Frau heiraten, die eine direkte Verwandte des noch heute verehrten Wunderrabbis Jacob Illowy aus Böhmen war. Einen streng orthodoxen Nachfahren des böhmischen Rabbiners hat Hans-Joachim Goldschmidt mal in New York getroffen – und ist gleich ins Fettnäpfchen getreten. Goldschmidt, der höchstens zweimal im Jahr in die Synagoge geht, die Flagge Israels aber am Revers trägt, wollte sich mit dem amerikanischen Verwandten an einem Samstag treffen. „Da geht der aber nicht aus dem Haus“, erinnert er sich schmunzelnd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der schlichte Siegelring, den Hans-Joachim Goldschmidt an der Hand trägt, steht für ein anderes Detail seiner Familiengeschichte. Er zeigt das Familienwappen der Goldschmidts. Für ihre Verdienste bei der Entwicklung Schlesiens sollte die Familie geadelt werden. Das war um 1790, der Landstrich war seit 48 Jahren preußisch. Aber das damalige Familienoberhaupt lehnt die Erhebung in den Adelsstand ab. Eine schlüssige Erklärung hat Goldschmidt dafür parat. Er vermutet hinter der Ablehnung eine preußische Tugend: „Das war dem zu teuer. Als Adliger musste man ja auch repräsentieren.“ Er sucht in seinem Papierstapel, zieht ein Notizbuch hervor, in dem der sparsame Ahne in feinsäuberlicher Schrift jede Ausgabe notiert hat. Fast hat man den Eindruck, als sähe man der steilen Schrift, die Stoßseufzer an, die ausgestoßen wurden, als der Gänsekiel über das Papier fuhr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dank dieser preußischen Sparsamkeit kann 1810 der Grundstein für das Stammhaus der Firma „S.E.Goldschmidt“ gelegt werden, wie sie von da an hieß. Anfangs handelt die Firma mit Kolonialwaren, expandiert aber immer mehr. 1938, im Jahr der „Arisierung“, wird sie ein Imperium von Seifen-, Farb- und Chemikalienfabriken darstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wert war das Ganze damals 401.228.46 Reichsmark. So steht es auf einer Liste, die Hans-Joachim Goldschmidt vorliegen hat. In deutscher Gründlichkeit werden da einschließlich Steuernummer Punkt für Punkt Grundstücke, Häuser und Maschinen aufgelistet. Die Gesamtsumme wurde Viktor E. Goldschmidt, dem Großvater von Hans-Joachim Goldschmidt, aber nie ausgehändigt, rechtliche Wege standen dem jüdischen Firmenchef nicht mehr offen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als der Großvater 1898 in Breslau geboren wurde, hätte es niemand für möglich gehalten, dass die Goldschmidts, die ein liberales Judentum pflegten und sich als Patrioten empfanden, einmal in ihrer Heimat entrechtet werden würden. Es wäre für den Großvater sicher ein leichtes gewesen, ins Ausland zu emigrieren. Aber das habe er immer abgelehnt. Wie so viele deutsche Juden glaubte er, dass selbst Nazi-Deutschland noch ein Rechtsstaat sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die tragische Ironie an Goldschmidts Familiengeschichte ist, dass der Enkel jetzt nur dank eines Nazi-Bürokraten Gerhard Klopfer in seiner Wohnung in Berlin-Tegel sitzt. Im April 1933 tritt Gerhard Klopfer in die NSDAP ein und macht im Hitler-Staat Karriere. 1935 findet man den Dr. jur. im Stab von Rudolf Hess. Im selben Jahr kommt er zur SS und ist 1938 mit der Enteignung jüdischer Unternehmer befasst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass auch die Unterlagen der Firma Goldschmidt auf seinem Schreibtisch gelegen haben, ist anzunehmen. Vielleicht hat Klopfer sogar das Bild des Studienkollegen vor Augen gehabt, den er in den zwanziger Jahren während des gemeinsamen Studiums der Rechtswissenschaften an der Tübinger Universität kannte. Welches Verhältnis der Jude und der spätere Karriere-Nazi einmal hatten, vermag sein Enkel nicht zu sagen. Sicher ist nur, dass Klopfer später seine Hand über die Goldschmidts gehalten hat. Und die Hand eines SS-Oberführers, der 1942 an der Wannsee-Konferenz teilnimmt, kann etwas bewirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hans-Joachim Goldschmidt vermutet, dass sich Klopfer das bezahlen ließ. Aber vielleicht hat sich der furchtbare Jurist aber auch nur die Devise des antisemitischen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger zu eigen gemacht: „Wer a Jud is, des bestimm i“. Dennoch: Mehr als die Hälfte der weitverzweigten Familie ist nicht aus den KZs zurückgekehrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Viktor Goldschmidt wird Anfang 1942, gemeinsam mit seiner Ehefrau und der damals 16-jähigen Mutter von Hans-Joachim Goldschmidt, nach Theresienstadt deportiert. Im Februar 1943 wird die Familie wieder aus dem Lager entlassen. Wohl auf Veranlassung einer Weisung aus der Parteikanzlei der NSDAP. Dort ist Klopfer inzwischen Stellvertreter Martin Bormanns und mit sogenannten „Rassefragen“ befasst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Goldschmidts dürfen in ihre Breslauer Wohnung zurückkehren. Wie die Familie dann bis zum Ende des NS-Staates im Mai 1945 durchgehalten hat, weiß der Enkel nicht. Seine Mutter wollte nie über diese Zeit reden. Eine Ahnung von dem, was vor allem der Großvater erdulden musste, gibt ein brüchiger Zettel aus dem Januar 1945: „Sie, Viktor Israel Goldschmidt, haben sich sofort zwecks Arbeitseinsatz auf der Polizeiwache zu melden.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die letzten Tage bis zur Kapitulation verbringen die Goldschmidts auf dem jüdischen Friedhof, in der Erbgruft. Zwischen Eichenholz-Särgen harren sie auf das Ende des 12-jährigen Reiches. Die Familie entflieht Anfang Mai 1945 dem Chaos der Trümmerstadt und begibt sich in das Landhaus in Waldenburg. Dort setzt der sowjetische Ortkommandant den Großvater als Landrat ein. Eine Funktion, die er auch unter der polnischen Verwaltung ausüben wird. Denn auf den Konferenzen der Alliierten in Potsdam war die Oder-Neiße-Grenze als neue polnische Westgrenze festgelegt worden. Im November 1945 beginnt die Aussiedlung der Deutschen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Familie Goldschmidt, die unter dem Schutz des Ortskommandanten steht, darf vorerst noch bleiben. 1947 stirbt Viktor Goldschmidt an einer Tuberkulose-Erkrankung, 1950 verlässt seine Tochter dennoch Schlesien. Sie geht nach Jena und heiratet. 1951 wird dann Hans-Joachim Goldschmidt geboren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Großmutter von Hans-Joachim Goldschmidt wird noch bis 1966 in dem Haus in Schlesien leben. Durch einen Bekannten, der nun Konsul der DDR in Polen ist, erhält sie die Staatsbürgerschaft des Ulbricht-Staats und darf somit im „sozialistischen Bruderland“ Polen leben. 1956 besucht Hans-Joachim Goldschmidt das erste Mal seine Großmutter. 1966 kommt er wieder, diesmal ist es ein trauriger Anlass. Die Großmutter ist verstorben, es geht darum den Nachlass zu regeln. Und Goldschmidt, der sechzehn Jahre alt ist, entdeckt seine Familiengeschichte. „Da wurde mir bewusst, was wir alles hatten. Was meine Familie für Schlesien geleistet hat“, sagt er heute nicht ohne Stolz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Jugendliche durchstöberte mit der Mutter Papiere, Schubladen und Schränke. Aber mitnehmen können sie nicht viel. Wollten sie das Erbe antreten, müssten sie bleiben. In Polen. „Das wollten wir nicht“, sagt Goldschmidt. So lassen sie alles zurück, kehren nach West-Berlin zurück, wo sie damals leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den folgenden Jahren beschäftigt sich Goldschmidt, der freiberuflich als Tourismusexperte arbeitet, immer wieder mit dem schlesischen Judentum und seiner Familiengeschichte, sucht seine Wurzeln. Die dafür notwendigen wichtigen Dokumente erhält er in den 70er Jahren von einer Tante. Die hat die Dokumente kurz zuvor von Nazi-Jurist Klopfer erhalten, der sie wohl vom Großvater noch zu NS-Zeiten zur Verwahrung entgegengenommen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im April 1945 war Klopfer aus Berlin geflüchtet, wird später als „minderbelastet“ erklärt, ein Ermittlungsverfahren wegen der Teilnahme an der Wannsee-Konferenz war eingestellt worden. Ab 1956 arbeitet er als Rechtsanwalt, vor 20 Jahren ist er verstorben. Gerhard Klopfer – auch ein Lehrstück über die bundesdeutsche Entnazifizierung. Und selbst wenn er in einem Fall eine jüdische Familie gerettet hat – ein Baum wird wohl nicht für ihn in Jerusalem gepflanzt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ab 1989 in Osteuropa endlich der „Eiserne Vorhang“ fällt, schöpft Hans-Joachim Goldschmidt Hoffnung, dass seine Familie die Besitztümer zurück bekommen könnte. Er schreibt einen Brief an das polnische Konsulat, in dem er eine Rückgabe verlangt. „Die haben sich Zeit mit einer Antwort gelassen“, sagt Goldschmidt, holt den Brief hervor. In dem Dokument steht in vagen, schwammigen Sätzen, dass eine Rückgabe nicht möglich sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den folgenden Jahren ist Hans-Joachim Goldschmidt immer wieder nach Polen gefahren. Er hat Spuren gesucht, die Seifenfabrik fotografiert, die Villa in Breslau und das Landhaus, in dem seine Großmutter gestorben ist. Ein altes Foto zeigt seine Großeltern und die Mutter dort mit dem Schäferhund fröhlich auf der Eingangstreppe sitzend. Das war Anfang 1930, da waren die Goldschmidts noch eine ganz normale deutsche Familie. Vielleicht ist es das, was er sucht. Normalität, die Zeit zurückdrehen. Selbst auf der Treppe sitzen, lachen. Deshalb klagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rechtsexperten geben der Treuhand-Klage keine Chance, sehen die Fragen des Vertriebeneneigentums als geregelt an. Unterschwellig, auch wenn das niemand so sagt, wird die Vertreibung der Deutschen jenseits von Oder und Neiße ja auch als eine „gerechte“ Kollektivstrafe für die Nazi-Verbrechen betrachtet. Ob das Straßburger Gericht für einen jüdischen Kläger eine Ausnahme macht, damit rechnet Goldschmidt nicht wirklich. Die Preußische Treuhand hält das für möglich. Wenn die ihm ein Angebot machen sollten, möge er zuschlagen, hat die Organisation ihm geraten. Und das würde Goldschmidt auch tun. Vielleicht hat er dann aber ein neues Problem: Was wird aus den Polen, die jetzt in den Häusern leben?&lt;br&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;&lt;span style="font-weight:italic;"&gt;Jüdische Allgemeine (02.02.07)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-1433104462772191666?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/1433104462772191666/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=1433104462772191666' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/1433104462772191666'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/1433104462772191666'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/der-jdische-klger.html' title='Der jüdische Kläger'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhQpjMybGI/AAAAAAAAAAk/0zYuW9OO-C4/s72-c/chrl_070108_115547.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-3509463351876561038</id><published>2007-02-09T09:40:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:42.694-08:00</updated><title type='text'>Als der rote Stern unterging</title><content type='html'>&lt;em&gt;1956 nimmt Antal Lux am ungarischen Aufstand teil.&lt;br /&gt;Seit 1970 lebt der Künstler in Berlin und verarbeitet den Aufstand. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5032867992848985218" alt="Antal Lux" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhWxjMybII/AAAAAAAAAA8/LAM6C5MPfPs/s320/chrl_20061014_035.jpg" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Foto: &lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Christian Reister&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="TEXT-ALIGN: justify"&gt;Eine schattenhafte Gestalt, die hastig über eine Art&lt;br /&gt;Stacheldraht steigt, das Bild Stalins, halb von roten&lt;br /&gt;Farbschlieren verdeckt, Panzer in den Straßen von&lt;br /&gt;Budapest: den ungarischen Volksaufstand von 1956 hat&lt;br /&gt;Antal Lux nie vergessen können. Im Atelier des 71-jährigen&lt;br /&gt;Künstlers, am Kreuzberger Tivoliplatz, findet sich&lt;br /&gt;das Thema mal offen, mal symbolhaft auf vielen Bildern&lt;br /&gt;wieder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und die Farbe Rot ist überall zu sehen. "Rot ist&lt;br /&gt;ein Symbol von Hass und Liebe", sagt Lux, beinahe&lt;br /&gt;zwanghaft müsse er die Farbe benutzen. Und Rot war&lt;br /&gt;auch der fünfzackige Sowjetstern, den sich der Ungar am&lt;br /&gt;Morgen des 23. Oktober 1956 von der Soldatenmütze&lt;br /&gt;reißt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als in Budapest der Aufstand ausbricht, schuftet der 21jährige&lt;br /&gt;in einem Kohlebergwerk im südwestungarischem&lt;br /&gt;Pécs: in einer Strafbataillon, denn Lux gilt als politisch&lt;br /&gt;unzuverlässig. In tausend Meter Tiefe baut er zusammen&lt;br /&gt;mit einem Hauer Kohle ab, und zwar in einem so genannten&lt;br /&gt;"Vorbau": ein von der unteren zur oberen&lt;br /&gt;Ebene gefrästes Loch, mit ca. 2 Meter Durchmesser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schicht beginnt um 4 Uhr morgens, dauert 10 Stunden.&lt;br /&gt;Das Bergwerk gilt als eines der gefährlichsten in ganz&lt;br /&gt;Ungarn. Schlagwetterexplosion, Wassereinbruch und&lt;br /&gt;Grubeneinstürze sind keine Seltenheit. Vor Beginn der&lt;br /&gt;Schicht erinnert ein Gefreiter, der die Aufsicht über das&lt;br /&gt;Strafbataillon hat, die unfreiwilligen Bergleute regelmäßig&lt;br /&gt;daran, dass der ungarische Soldat seine Arbeit als&lt;br /&gt;Ehre und Ruhm betrachtet: "Es lebe der Sozialismus und&lt;br /&gt;die uns liebende, ruhmreiche, uns befreiende große&lt;br /&gt;Sowjetunion", hämmert er den Malochern ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach drei Monaten Schwerstarbeit, Antal Lux hat inzwischen&lt;br /&gt;knapp eine Schlagwetterexplosion überlebt, bricht&lt;br /&gt;in Budapest der Aufstand aus. Lux hat Nachtschicht und&lt;br /&gt;als er in den Förderkorb steigt, herrscht der Sozialismus&lt;br /&gt;noch unangefochten. Als er am Morgen des 23. Oktober&lt;br /&gt;in der nass geschwitzten Arbeitsuniform aus dem Korb&lt;br /&gt;steigt, empfängt ihn die Ablösung jubelnd, man ruft ihm&lt;br /&gt;zu, dass in Budapest die Revolution gegen die herrschende&lt;br /&gt;kommunistische Unterdrückung ausgebrochen sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Freude sei unbeschreiblich gewesen, sagt Lux: "Was&lt;br /&gt;ich in diesem Augenblick erlebt habe, begleitet mich bis&lt;br /&gt;heute. Plötzlich löste sich der graue schmutzige Schleier&lt;br /&gt;der ein Jahrzehnt lang über uns schwebte." Während die&lt;br /&gt;Soldaten, die sich inzwischen den roten Stern von der&lt;br /&gt;Mütze gerissen haben, feiern, fahren zwei LKWs mit&lt;br /&gt;einem Trupp in Ledermantel gekleideter&lt;br /&gt;Geheimpolizisten. Sie sind mit Maschinengewehren&lt;br /&gt;bewaffnet, umzingeln die Feiernden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Anführer der Geheimpolizei, die Pistole in der Hand&lt;br /&gt;befiehlt, dass alle, die sich den roten Stern abgerissen&lt;br /&gt;haben, zur Seite treten sollen. Als alle zur Seite treten,&lt;br /&gt;liegt Spannung in der Luft. "Es hätte sein können, dass&lt;br /&gt;sie uns alle erschießen", erinnert sich Lux. Aber dann&lt;br /&gt;geschieht doch nichts, nach etwa zwei Stunden verschwinden&lt;br /&gt;die Ledermäntel in aller Eile: "Vielleicht&lt;br /&gt;haben sie gemerkt, dass in Ungarn die Revolution siegt."&lt;br /&gt;Als der neue Revolutionär Lux dann mit seinen&lt;br /&gt;Kameraden in die Kaserne zurückkehrt, haben die bereits&lt;br /&gt;die Kontrolle übernommen und die wichtigsten öffentlichen&lt;br /&gt;Gebäude in Pécs besetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis zum 4. November glaubt Lux, dass der Volksaufstand&lt;br /&gt;erfolgreich gewesen ist. Aber dann rücken sowjetische&lt;br /&gt;Panzer in die Stadt ein. Noch heute empört den Künstler,&lt;br /&gt;dass die Rotarmisten mit weißen Flaggen in die Stadt&lt;br /&gt;gekommen seien und behauptet hätten, über Pécs nur das&lt;br /&gt;Land verlassen zu wollen. Stattdessen übernehmen sie&lt;br /&gt;die Kontrolle über die öffentlichen Gebäude, größtenteils&lt;br /&gt;ohne Widerstand. Auch die Kaserne, wo Lux kaserniert&lt;br /&gt;ist, wird von den Rotarmisten umstellt. Ein "fescher&lt;br /&gt;Oberst mit rotem Haar" organisiert die Verteidigung der&lt;br /&gt;Kaserne, lässt einen Graben ausheben und ein&lt;br /&gt;Maschinengewehr am Eingang aufstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber noch ehe der Graben fertig ist, "war der Oberst verschwunden:&lt;br /&gt;er hatte die Hose voll", erinnert sich Lux&lt;br /&gt;heute etwas amüsiert. Vielleicht hat der Oberst aber auch&lt;br /&gt;nur erkannt, dass die Lage ausweglos ist: mit einem einzigen&lt;br /&gt;Schuss könnten sich die Rotarmisten nämlich&lt;br /&gt;einen Weg in die Kaserne bahnen. Ein Zugführer befiehlt&lt;br /&gt;schließlich die Flucht über eine Steinmauer ins nahe&lt;br /&gt;gelegene Mecsek-Gebirge. Mit leichten Waffen und&lt;br /&gt;Granaten bepackt schleicht sich Antal Lux nachts an den&lt;br /&gt;Sowjetpanzern vorbei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Gebirge angekommen, verschanzen sich die Ungarn&lt;br /&gt;in einem alten Steinbruch. Hier sammeln sich immer&lt;br /&gt;mehr Aufständische, ein Gewerkschaftshotel auf einem&lt;br /&gt;Gebirgskamm dient als Hauptquartier. In der folgenden&lt;br /&gt;Nacht fährt am Eingang des Steinbruchs ein erster Panzer&lt;br /&gt;auf, im Mondlicht steigen zwei Soldaten aus, wollen das&lt;br /&gt;Gelände erkunden. Der Truppführer befielt "Feuer", Lux&lt;br /&gt;wirft Granaten. Und der Panzer schießt "aus sämtlichen&lt;br /&gt;Rohren zurück", tritt schließlich den Rückzug an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag kreist ein Flugzeug über dem&lt;br /&gt;Steinbruch. Lux glaubt, dass es ein Späher der&lt;br /&gt;Amerikaner sei, hatten diese doch über den Radiosender&lt;br /&gt;"Voice of America" den aufständischen Ungarn Hilfe&lt;br /&gt;versprochen: "Nur deshalb haben wir ja den Widerstand&lt;br /&gt;aufrecht erhalten", sagt Lux jetzt. Bis also die lang&lt;br /&gt;ersehnten Amerikaner kommen, gilt es auszuharren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Antal Lux wird dann zur Verteidigung eines Bergpasses&lt;br /&gt;abkommandiert, wo sich ein altes gemauertes Steintor&lt;br /&gt;befindet, das "Pécsi kapu". Dort haben bereits zahlreiche&lt;br /&gt;Soldaten und Zivilisten Stellung bezogen. Statt&lt;br /&gt;Amerikaner kommen jedoch die bekannten&lt;br /&gt;Sowjetpanzer den Bergpass entlang gefahren. Lux nimmt&lt;br /&gt;hinter einem Felsen Platz, entsichert die&lt;br /&gt;Maschinenpistole und beginnt zu schießen, während die&lt;br /&gt;Panzer immer näher kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Granaten und Kugeln fliegen über Köpfe der&lt;br /&gt;Aufständischen hinweg, Felssplitter reißen Wunden in&lt;br /&gt;Luxens Hände; die Narben sind noch heute sichtbar. Als&lt;br /&gt;die Panzer nahe genug heran gekommen sind, um&lt;br /&gt;Granaten werfen zu können, greifen die Ungarn damit&lt;br /&gt;an. Aber: die Grananten, aus rumänischer "also sozialistischer&lt;br /&gt;Produktion taugten nichts", so Lux. Entweder&lt;br /&gt;explodieren sie überhaupt nicht oder erst nach 30&lt;br /&gt;Minuten. Dennoch werden erste Erfolge erzielt, ein&lt;br /&gt;Panzer bleibt liegen, andere fangen durch die selbstgebauten&lt;br /&gt;Molotowcocktails Feuer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dennoch geht das Trommelfeuer der Russen weiter. "Ich&lt;br /&gt;merkte, dass mein Mut mich langsam verließ, rückte&lt;br /&gt;automatisch immer weiter weg von meiner Stellung." In&lt;br /&gt;etwa 50 Metern Entfernung erblickt Lux eine in Stein&lt;br /&gt;gehauene Inschrift. Angst, Übermüdung und&lt;br /&gt;Halluzinationen hätten ihn damals "fast verrückt&lt;br /&gt;gemacht." In der Inschrift entziffert er "Antal Lux 21&lt;br /&gt;Jahre alt, am 5. November 1956 den Heldentod gestorben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die funktionstüchtigen Panzer ziehen sich zurück, "aber&lt;br /&gt;nicht weil die Russen klein beigeben hätten, sondern um&lt;br /&gt;sich für einen neuen Angriff vom nahegelegenen Wald&lt;br /&gt;aus neu zu formieren." Und wenn die Russen von dort&lt;br /&gt;angriffen hätten, dürfte vom Steinstor nicht viel übrig&lt;br /&gt;geblieben sein, vermutet Lux heute. Auch Munition ist&lt;br /&gt;nicht mehr sehr reichlich vorhanden und die Amerikaner&lt;br /&gt;sind immer noch nicht in Sicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deshalb flieht Antal Lux mit vier Kameraden über&lt;br /&gt;Schleichwege aus dem Gebirge. Das Ziel ist Budapest,&lt;br /&gt;wo der Jungrevolutionär seine Mutter wiedersehen will.&lt;br /&gt;Sein Vater ist bereits 1948 an einer in sowjetischer Haft&lt;br /&gt;zugezogenen Herzkrankheit gestorben. Nach 10 Tagen&lt;br /&gt;gelangen die Revolutionäre nach Budapest, wo Lux seine&lt;br /&gt;Mutter wiedersieht. Inzwischen wird der 21-jährige allerdings&lt;br /&gt;von der Staatssicherheit gesucht: als&lt;br /&gt;Fahnenflüchtiger - und als ein solcher gilt Lux, sowie als&lt;br /&gt;Beteiligter am Aufstand, hat Lux nicht sonderlich viel&lt;br /&gt;Gutes zu erwarten. Zudem "hatte ich vom Sozialismus&lt;br /&gt;genug. Dieses Regime hat meine Jugend verdorben und&lt;br /&gt;meine Zukunft sabotiert".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Antal Lux, der schon früh künstlerische Neigungen hatte,&lt;br /&gt;durfte nämlich im sozialistischen Ungarn, da er als "politisch&lt;br /&gt;unzuverlässig" galt, nicht an der Kunstakademie&lt;br /&gt;studieren. Nach dem Abitur verdiente er sich, Ironie des&lt;br /&gt;Schicksals, seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von&lt;br /&gt;Stalin-Portraits und dem Pinseln von Losungen, die den&lt;br /&gt;Aufbau des Sozialismus rühmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lux verlässt jetzt so schnell als möglich Budapest,&lt;br /&gt;mit dem Ziel Österreich. Seine Mutter, die Anfang der 80er&lt;br /&gt;Jahre stirbt, wird er 11 Jahre lang nicht wiedersehen. Bis&lt;br /&gt;Lux dann Anfang Dezember 1956 die österreichische&lt;br /&gt;Grenze in Nähe des Neusiedlersees überquert, hat er&lt;br /&gt;noch einige Abenteuer zu bestehen, die in der Rückschau&lt;br /&gt;spannend klingen, für den Flüchtling ging es aber "um&lt;br /&gt;Leben oder Tod."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals flüchteten etwa 300.000 Ungarn über die Grenze&lt;br /&gt;nach Österreich, die inzwischen immer dichter von&lt;br /&gt;Rotarmisten bewacht wird. Lux wird schließlich mit&lt;br /&gt;anderen Flüchtenden von einer russischen Patrouille&lt;br /&gt;festgenommen. Nur mit Hilfe ungarischer Soldaten, die&lt;br /&gt;ihm erlauben, in einem unbewachten Augenblick auf&lt;br /&gt;einen Lastwagen aufzuspringen, gelangt er in Nähe der&lt;br /&gt;Grenze. Hier baut er sich ein Floß aus Schilfrohr und&lt;br /&gt;überquert bei Dezemberkälte einen Kanal, um nach&lt;br /&gt;Österreich zu gelangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als letzen Gruß aus dem Ostblock schickt ihm ein&lt;br /&gt;Grenzsoldat von ungarischer Seite noch eine&lt;br /&gt;MP-Salvehinterher, als er im neutralen Österreich an Land kriecht.&lt;br /&gt;Dort empfängt man ihn "überschwänglich", erinnert sich&lt;br /&gt;Lux heute, erhält die lang entbehrte Schokolade zugesteckt&lt;br /&gt;und Wiener Würstchen. Man quartiert ihn mit&lt;br /&gt;anderen Ungarnflüchtlingen im ostösterreichischen&lt;br /&gt;Eisenstadt ein, Lux beginnt einen Deutschkurs, versucht&lt;br /&gt;sich einzuleben. Doch er zieht bald nach Deutschland&lt;br /&gt;weiter, nach Stuttgart, wo er ein Studium der Malerei&lt;br /&gt;und Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden&lt;br /&gt;Künste in Stuttgart beginnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1965 schließt Lux sein Studium ab und arbeitet eine Zeit&lt;br /&gt;lang als Kunstlehrer. Gleichzeitig arbeitet er als freier&lt;br /&gt;Künstler, verarbeitet seine Erlebnisse während des&lt;br /&gt;Aufstandes von 1956. Seit Anfang der 70er Jahre lebt&lt;br /&gt;Antal Lux in Berlin. Damals stellte er in einer Galerie&lt;br /&gt;aus, "und alle 32 Graphiken wurden verkauft."&lt;br /&gt;Inzwischen arbeitet Antal Lux neben der Malerei auch&lt;br /&gt;als Videokünstler, hat zahlreiche internationale Preise&lt;br /&gt;gewonnen und 1993 an der XLV. Biennale in Venedig&lt;br /&gt;teilgenommen. Thema seines Beitrages: "Flucht und&lt;br /&gt;Fremde."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="TEXT-ALIGN: justify"&gt;Auch im Erinnerungsjahr 2006 hat sich Lux mit seinem&lt;br /&gt;Lebensthema befasst. In dem 15-minütigen Kurzfilm&lt;br /&gt;"Spuren" sucht er die Einschusslöcher an den Orten der&lt;br /&gt;Kämpfe, filmt die Gräber der Revolutionsführer auf der&lt;br /&gt;Parzelle 301 im Budapester Gefängnis Köbanya und&lt;br /&gt;montiert die verwackelten Filmaufnahmen der&lt;br /&gt;Straßenkämpfe zu einem audiovisuellen Panoptikum des&lt;br /&gt;tragisch gescheiterten Aufstandes.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Dass in Ungarn die alten Seilschaften aus den Zeiten des&lt;br /&gt;"Gulaschkommunismus" noch immer existieren und dass&lt;br /&gt;man an manche Themen besser nicht rührt, das hat Antal&lt;br /&gt;Lux unlängst selbst erfahren. Bei der Vorbereitung zu&lt;br /&gt;einer Ausstellung in einer ungarischen Stadt, an der&lt;br /&gt;neben Lux auch andere Künstler teilnehmen sollten,&lt;br /&gt;erhob der Veranstalter, die Stadtverwaltung, Einspruch&lt;br /&gt;von zu expliziten Werken, die sich mit dem Thema&lt;br /&gt;Aufstand 1956 und der Verdrängung individueller Schuld&lt;br /&gt;befassen. Was ihn jetzt bei den ganzen Gedenkfeiern, vor&lt;br /&gt;allem in Ungarn störe, so Lux, "das ist, dass jetzt alle&lt;br /&gt;schon 1956 mit gekämpft haben wollen."&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5032869006461267106" alt="Stahlparade von Antal Lux" src="http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhXsjMybKI/AAAAAAAAABQ/SgIRYVjrQxE/s320/lux-gemaelde.jpg" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Antal Lux: "Stahlparade" (Elektrografik)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.antallux.de/"&gt;http://www.antallux.de/&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-3509463351876561038?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/3509463351876561038/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=3509463351876561038' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3509463351876561038'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/3509463351876561038'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/als-der-rote-stern-unterging.html' title='Als der rote Stern unterging'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhWxjMybII/AAAAAAAAAA8/LAM6C5MPfPs/s72-c/chrl_20061014_035.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-6057854243383527568</id><published>2007-02-09T09:28:00.000-08:00</published><updated>2008-12-09T15:58:42.848-08:00</updated><title type='text'>Ein Gringo kehrt zurück</title><content type='html'>&lt;em&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;1939 emigrierte Max Finkelstein von Berlin nach Südamerika, vor sieben Jahren kam er in die deutsche Hauptstadt zurück&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt;(Vorwärts August 2007)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5032858144488975442" alt="Max Finkelstein" src="http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhN0TMybFI/AAAAAAAAAAU/Aw65czwqvJY/s320/finkelstein.jpg" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Foto: &lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.reister-images.de/"&gt;&lt;span style="font-size:78%;"&gt;Christian Reister&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Vom Balkon seiner Wohnung in Moabit, zwischen&lt;br /&gt;Haftanstalt und Schloss Bellevue, kann Max Finkelstein&lt;br /&gt;die Hochhäuser des Hansaviertels sehen. Dort hat er vor&lt;br /&gt;60 Jahren bis zu seiner Emigration nach Südamerika&lt;br /&gt;gewohnt. Vor dem Balkon wiegen sachte Pappeln im&lt;br /&gt;Wind und auf der Balkonbrüstung steht ein Vogelhaus,&lt;br /&gt;dort streiten sich Spatzen um Brotkrümel. Der 81-jährige&lt;br /&gt;sitzt entspannt am Tisch vor dem Panoramafenster, zieht&lt;br /&gt;an einer Zigarette und sieht den Vögeln zu. Dann sagt er,&lt;br /&gt;dass er in all den Jahren in Südamerika immer "mit dem&lt;br /&gt;Kopf in Deutschland gewesen" sei. Und dass er damals&lt;br /&gt;in Berlin trotz der Nazi-Diktatur glücklich gewesen sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Finkelstein 1925 im ostpreußischen Gumbinnen&lt;br /&gt;geboren wurde, deutete nichts darauf hin, dass er einmal&lt;br /&gt;in Südamerika Salz im Urwald transportieren würde,&lt;br /&gt;oder dort mit einem Flugzeug abstürzen würde. Der&lt;br /&gt;Vater ist ein wohlhabender Kaufmann, in der Stadt angesehen&lt;br /&gt;und 1914, wie fast alle deutschen Juden, freiwillig&lt;br /&gt;"für den Kaiser in den Krieg gezogen." Umso empörter&lt;br /&gt;reagiert er, als die SA im April 1933 vor seinem Laden&lt;br /&gt;zum Boykott aufruft. "Aber wir hatten eine treue&lt;br /&gt;Kundschaft in der Landbevölkerung", sagt Finkelstein.&lt;br /&gt;"Die Ostpreußen sind gute Leute." Auch in der Schule,&lt;br /&gt;die in "Adolf-Hitler-Schule" umbenannt wird, lässt ihn&lt;br /&gt;niemand spüren, dass er Jude ist. Der Lehrer sei sogar&lt;br /&gt;eines Tages zur Mutter gegangen und habe sich entschuldigt,&lt;br /&gt;"dass er das mit den Rassen lehren muss."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem gehen die Finkelsteins 1935 nach Berlin, hoffen&lt;br /&gt;in der Anonymität der Großstadt ruhiger leben zu&lt;br /&gt;können. Der Vater stirbt bald an einem Nierenleiden; um&lt;br /&gt;Geld einzusparen, vermietet die Mutter zwei Zimmer der&lt;br /&gt;Wohnung an Untermieter: "Einer war der streng orthodoxe&lt;br /&gt;Leiter eines Rabbinerseminars, der andere ein&lt;br /&gt;Peruaner, der bei Goebbels Nazipropaganda ins&lt;br /&gt;Spanische übersetzte." Die Freundin des Peruaners ist die&lt;br /&gt;bekannte Schauspielerin Rosita Serano, abends fährt sie&lt;br /&gt;mit dem Cabrio vor "und die ganze Straße guckte aus&lt;br /&gt;dem Fenster."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis zur Reichskristallnacht 1938 denken die Finkelsteins,&lt;br /&gt;dass es für Juden in Berlin noch auszuhalten sei. Trotz&lt;br /&gt;der Bänke im Tiergarten, auf die sich Juden nicht setzen&lt;br /&gt;dürfen, trotz der Schilder an Gaststätten, auf denen steht&lt;br /&gt;"Juden und Hunde nicht erwünscht." Es sei Teil der jüdischen&lt;br /&gt;Identität, verfolgt zu werden, sagt Max Finkelstein&lt;br /&gt;heute, aber in der eigenen Heimat derartig behandelt zu&lt;br /&gt;werden, sei dennoch schwer erträglich gewesen.&lt;br /&gt;Fieberhaft versucht die Mutter ein Ausreise zu organisieren,&lt;br /&gt;aber immer mehr Länder schließen ihre Grenzen.&lt;br /&gt;Noch heute verbittert es Finkelstein, dass es die Schweiz&lt;br /&gt;gewesen sei, die durchgesetzt hätte, dass in Reisepässen&lt;br /&gt;ein rotes "J" zu stempeln sei. "Damit sie uns gleich an der&lt;br /&gt;Grenze erkennen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mutter fasst schließlich eine Emigration nach&lt;br /&gt;Palästina ins Auge. Max Finkelstein wird einen Monat&lt;br /&gt;vor dem deutschen Überfall auf Polen nach Schweden&lt;br /&gt;geschickt, damit er erst einmal in Sicherheit ist. Dann&lt;br /&gt;gelingt es der Mutter, zwei Visa für Bolivien zu kaufen.&lt;br /&gt;Jetzt wollen sie sich in Genua treffen, von dort aus über&lt;br /&gt;den Atlantik fahren. Inzwischen befinden sich aber&lt;br /&gt;Finnland und die Sowjetunion im Krieg, Dänemark und&lt;br /&gt;Norwegen sind besetzt, Max Finkelstein kommt nicht&lt;br /&gt;nach Italien durch. Die Mutter reist alleine ab, hofft, dass&lt;br /&gt;der Sohn nachkommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bald herrscht wieder Frieden zwischen Finnland und der&lt;br /&gt;Sowjetunion. Aber Schiffspassage und Visa sind inzwischen&lt;br /&gt;ungültig geworden. Deshalb entscheidet er sich&lt;br /&gt;"von hinten herum nach Bolivien zu fahren": Mit der&lt;br /&gt;Transsibirischen Eisenbahn über Moskau nach&lt;br /&gt;Wladiwostok. Mit zwei Koffern in der Hand macht sich&lt;br /&gt;der 16-Jährige auf die Reise, die er im Rückblick als ein&lt;br /&gt;großes Abenteuer empfindet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der sowjetischen Hauptstadt verkauft Finkelstein seine&lt;br /&gt;warme Kleidung an einen Altkleider-Händler, nachdem&lt;br /&gt;er auf einer Karte gesehen hat, wie nah Bolivien amÄquator liegt.&lt;br /&gt;Er bekommt ein dickes Bündel Rubel, hält&lt;br /&gt;sich für reich. Doch dann sagt man ihm, dass der Rubel&lt;br /&gt;im Ausland nicht umzutauschen sei, und in der&lt;br /&gt;Sowjetunion gäbe es nichts Wertvolles zu kaufen. Man&lt;br /&gt;rät ihm, er solle sowjetische Briefmarken erwerben und&lt;br /&gt;diese in Japan an Sammler weiterverkaufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem Finkelstein Sibirien durchquert hat und sich&lt;br /&gt;nach Japan eingeschifft hat, verkauft er dort bei seiner&lt;br /&gt;Ankunft in Kobe tatsächlich seine Marken: "Ich habe ein&lt;br /&gt;dickes Bündel Yen erhalten." Doch die sind wieder nicht&lt;br /&gt;konvertierbar und in Japan wird Finkelstein nicht lange&lt;br /&gt;bleiben. Also kauft er diesmal etwas Handfestes:&lt;br /&gt;"Zuchtperlen und Seidenkimonos." Und die wird der&lt;br /&gt;dann in den USA los, am Ende wird er 1000 Dollar verdient&lt;br /&gt;haben, für damalige Verhältnisse ein kleines&lt;br /&gt;Vermögen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über San Francisco fährt Max Finkelstein dann nach&lt;br /&gt;Bolivien. Dort erwartet ihn seine Mutter in der bolivianischen&lt;br /&gt;Hauptstadt La Paz. Zur Begrüßung gibt es seine&lt;br /&gt;Lieblingsmahlzeit, "Bauernfrühstück mit&lt;br /&gt;Schokoladenpudding." Allerdings kann auch die lang&lt;br /&gt;entbehrte Lieblingsmahlzeit nicht den Kulturschock&lt;br /&gt;dämpfen, den der Jugendliche, der aus dem zivilisierten&lt;br /&gt;Europa kommt, empfindet: "Es war alles so primitiv, ich&lt;br /&gt;dachte, ich sei auf einem anderen Stern."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch er habe nicht mit seinem Schicksal hadern wollen,&lt;br /&gt;seine Mutter sei ihm ein Vorbild gewesen, sagt&lt;br /&gt;Finkelstein: "Meine Mutter fügte sich preußisch in ihr&lt;br /&gt;Leben, von dem sie glaubte, dass Gott es ihr bestimmt&lt;br /&gt;hätte." Sie betreibt in La Paz einen Mittagstisch für die&lt;br /&gt;deutschen Emigranten. Max Finkelstein macht sich&lt;br /&gt;unterdessen auf die Suche nach Arbeit. Bald wird er&lt;br /&gt;Baustellen beaufsichtigen, Krokodiljagdpartien organisieren&lt;br /&gt;oder als LKW-Fahrer für eine Salzmine arbeiten.&lt;br /&gt;Und sogar im Urwald abstürzen: "Ein Freund, der bei der&lt;br /&gt;bolivianischen Luftwaffe arbeitete, hatte ein altes&lt;br /&gt;Flugzeug flott gemacht. Dann lud er mich auf einen Flug&lt;br /&gt;ein." Doch der endet nach 20 Minuten, die beiden landen&lt;br /&gt;auf den Baumkronen. Beide unverletzt: "Ich hatte immer&lt;br /&gt;Glück im Leben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ende des zweiten Weltkrieges erlebt Finkelstein&lt;br /&gt;dann im Urwald, das heißt in der Kleinstadt Trinidad.&lt;br /&gt;Der dortige Bischof sollte auf Veranlassung des&lt;br /&gt;Bolivianischen Oberhirten eine Dankesmesse für das&lt;br /&gt;Ende des Krieges lesen. Doch der Bischof, gebürtiger&lt;br /&gt;Kroate und erklärter Antisemit, weigert sich. Erst nach&lt;br /&gt;Androhung der Exkommunikation bequemt er sich zur&lt;br /&gt;Messe, den Arm zum Hitlergruß ausgestreckt, erinnert&lt;br /&gt;sich Finkelstein. Die Messe wird dann ein Pater feiern,&lt;br /&gt;während der Bischoff mit verschränkten Armen daneben&lt;br /&gt;sitzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1947 dringen auch die ersten Berichte über die Konzentrationslager&lt;br /&gt;nach Bolivien. Überlebende, die&lt;br /&gt;nach Südamerika emigrieren erzählen von den&lt;br /&gt;Gaskammern. "In dem Moment haben wir Jugendlichen&lt;br /&gt;uns geschämt, dass wir während des Krieges das Leben&lt;br /&gt;genossen haben.", erzählt Finkestein. Von Deutschland&lt;br /&gt;habe er da nie wieder etwas wissen wollen. "Aber dennoch&lt;br /&gt;habe ich immer heimlich daran gedacht", fährt er&lt;br /&gt;dann fort. "Meine Heimat, das war die deutsche&lt;br /&gt;Landschaft und die Sprache."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Zukunft sieht Finkelstein also nicht mehr in&lt;br /&gt;Europa. Aber auch nicht in Südamerika: "Ich träumte&lt;br /&gt;davon nach Nordamerika zu emigrieren. Ich brauchte&lt;br /&gt;endlich Kultur, Opern und Theater!" Das Vorhaben&lt;br /&gt;scheitert wegen der restriktiven Einreisebestimmungen&lt;br /&gt;und der schon damals gut bewachten Grenze. Deshalb&lt;br /&gt;geht er 1948 nach Buenos Aires, in die Stadt, die als die&lt;br /&gt;europäischste auf dem Kontinent gilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sofort bekommt er einen Job in einem&lt;br /&gt;Elektronikgeschäft, arbeitet als Automechaniker und vertreibt&lt;br /&gt;dann Versicherungen. Aber sein "Traumberuf", der&lt;br /&gt;ihm immer wieder im Hinterkopf herum spukt, " das war&lt;br /&gt;der Journalismus." Anfang der sechziger Jahre bekommt&lt;br /&gt;er seine Chance beim traditionsreichen Argentinischen&lt;br /&gt;Tageblatt. In einer Anzeige wird ein Redakteur gesucht,&lt;br /&gt;Finkelstein stellt sich vor, wird auf die Probe gestellt und&lt;br /&gt;eingestellt. Diesen Beruf wird er dann 36 Jahre lang ausüben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Finkelsteins neue Heimat Argentinien hat eine lange&lt;br /&gt;Tradition von Militärputschen, Straßenkriegen zwischen&lt;br /&gt;Rechten und Linken, Wirtschaftskrisen und&lt;br /&gt;Hyperinflationen. Und dass Finkelstein jetzt im frühherbstlichen&lt;br /&gt;Moabit sitzt, verdankt er nur dem Umstand,&lt;br /&gt;dass er nie seinen deutschen Pass abgegeben hat: "1976&lt;br /&gt;hatten wir den Militärputsch und die meisten Argentinier&lt;br /&gt;waren froh drüber, dass endlich Ruhe war."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Journalist ist Finkelstein aber dann im Besonderen Maße durch die&lt;br /&gt;Zensur und die eingeschränkte Meinungsfreiheit betroffen.&lt;br /&gt;Als er in einem Artikel schreibt, dass der Unterrichtsminister&lt;br /&gt;ein Faschist sei, erhält er Besuch von der&lt;br /&gt;Staatssicherheit. Man habe ihn verwarnt, und nur sein&lt;br /&gt;deutscher Pass habe ihn vor der Festnahme geschützt, so&lt;br /&gt;Finkelstein. "Und eine Festnahme wegen politischer&lt;br /&gt;Äußerungen führte oft dazu, dass Leute für immer verschwanden."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben seiner Tätigkeit beim Tageblatt arbeitet&lt;br /&gt;Finkelstein auch beim argentinischen Wochenblatt&lt;br /&gt;Semanario Israelita mit, das teils in Deutsch, teils in&lt;br /&gt;Spanisch publiziert wurde. Auch nach seiner&lt;br /&gt;Pensionierung führt er die Tätigkeit fort, wird schließlich&lt;br /&gt;Chefredakteur und Herausgeber. Die Zeitung wird&lt;br /&gt;schließlich sein Lebenswerk. Mit der Zeitung wollte&lt;br /&gt;Finkelstein "eine Art Brücke zur alten Heimat schlagen",&lt;br /&gt;eine Verständigung zwischen jüdischen und nichtjüdischen&lt;br /&gt;Deutschen herstellen. Für sein Engagement erhielt&lt;br /&gt;er 1993 das Verdienstkreuz Erster Klasse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wochenblatt erscheint 1999 zum letzten Mal, das&lt;br /&gt;Publikum war "buchstäblich weggestorben." 1999 kehrte&lt;br /&gt;der 74-jährige auch nach Deutschland zurück. Der Grund&lt;br /&gt;war eine deutsche Praktikantin aus Hamburg, Finkelstein&lt;br /&gt;und die junge Frau hatten sich ineinander verliebt. Er&lt;br /&gt;habe endlich eine Frau getroffen, mit der er über alles&lt;br /&gt;reden könne und die seine Interessen teile, sagt&lt;br /&gt;Finkelstein. Ihr hat er auch seine Lebenserinnerungen&lt;br /&gt;diktiert, die 200 unter dem Titel "Jude, Gringo,&lt;br /&gt;Deutscher" erschienen sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein "Gringo", das war Finkelstein in Argentinien. Da er&lt;br /&gt;seine deutsche Staatsbürgerschaft beibehalten hatte,&lt;br /&gt;durfte er in dem südamerikanischen Land nicht einmal&lt;br /&gt;wählen. Und politisches Engagement war durchaus nicht&lt;br /&gt;das, was man von ihm erwarte: "Ich habe es oft erlebt,&lt;br /&gt;dass ich mit Argentiniern zusammensaß und die über ihr&lt;br /&gt;Land schimpften", sagt Finkelstein. Aber wenn er sich&lt;br /&gt;dann äußert, bekommt er zu hören, "ich solle doch nach&lt;br /&gt;Hause gehen, wenn es mir hier nicht passt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wegen dieser "politischen Unmündigkeit" ist Finkelstein&lt;br /&gt;bald nach seiner Rückkehr nach Berlin in die SPD eingetreten:&lt;br /&gt;"Ich wollte endlich einmal etwas mitgestalten." Er&lt;br /&gt;engagiert sich 2001 sofort für den Wahlkampf. Der neue&lt;br /&gt;Genosse verteilt Wahlprogramme, betreut Info-Stände&lt;br /&gt;und klebt Wahlplakate. Und auch für die Gesellschaft&lt;br /&gt;engagiert sich der 81-jährige: Als Zeitzeuge spricht er in&lt;br /&gt;Schulen über seine Erfahrungen mit dem&lt;br /&gt;Nationalsozialismus. "Ich wünsche mir, dass junge&lt;br /&gt;Menschen lernen, dass Hitler nicht nur die Juden vernichtet&lt;br /&gt;hat, sondern auch Millionen anderer Bürger", sagt&lt;br /&gt;Finkelstein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dass das Wohnhaus im Siegmunds Hof in&lt;br /&gt;Tiergarten, in dem der damals wohnte, ebenso wie die&lt;br /&gt;Synagoge, an die heute eine Schrifttafel und ein&lt;br /&gt;Denkmal in Form des traditionellen siebenarmigen&lt;br /&gt;Leuchters erinnern, nicht mehr steht, ist auch ein Resultat&lt;br /&gt;der Herrschaft des Nationalsozialismus. In den 70er&lt;br /&gt;Jahren war Finkelstein schon einmal in Berlin, hat&lt;br /&gt;Spuren gesucht. Das Wohnhaus damals nicht mehr stand&lt;br /&gt;habe ihn erleichtert, sagt Finkelstein: "Da konnte ich&lt;br /&gt;endgültig einen Schlussstrich ziehen und nach&lt;br /&gt;Südamerika zurückkehren."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass Max Finkelstein jetzt doch wieder in Berlin ist,&lt;br /&gt;hängt mit seiner neuen Liebe zusammen. Und während&lt;br /&gt;Finkelstein auf die Pappeln blickt, sitzt seine Frau&lt;br /&gt;Kerstin Finkelstein im Nebenzimmer und schreibt an&lt;br /&gt;einem Buch über Deutsche, die eingewandert sind, nach&lt;br /&gt;Deutschland. Max Finkelstein aber ist zurück gekommen.&lt;br /&gt;Nach Berlin, nach Hause.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-6057854243383527568?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/6057854243383527568/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=6057854243383527568' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6057854243383527568'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/6057854243383527568'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/ein-gringo-kommt-nach-hause.html' title='Ein Gringo kehrt zurück'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_a8TLtwGsgEc/RdhN0TMybFI/AAAAAAAAAAU/Aw65czwqvJY/s72-c/finkelstein.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-5110435637043592511</id><published>2007-02-09T07:05:00.000-08:00</published><updated>2007-02-19T01:52:48.171-08:00</updated><title type='text'>Der Flaschenblick</title><content type='html'>&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Sie stecken ihre Hände in den Müll, ziehen mit Tüten durch die Stadt. Egal, bei welchem Wetter. Unterwegs mit zwei Pfandsammlern&lt;br&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Andrej, 36, steht am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte, steckt seine Hand in eine dreckige Mülltonne und holt eine grüne Pfandflasche hervor. „Die bringt acht Cent“, sagt er. Dann dreht Andrej die Flasche um, schales Bier tröpfelt auf den Boden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flaschensammler wie der Russe Andrej ziehen täglich durch die Stadt. Egal, zu welcher Uhrzeit. Und egal, bei welchem Wetter. Sie tragen Plastiktüten, schieben Einkaufswagen, voll mit leeren Flaschen. Sie gehen durch Parks, schleichen an all den Clubs vorbei, vor denen am Abend zuvor so mancher noch schnell ein Bier runtergekippt hat, bevor er reingegangen ist. Und bald stehen sie auch wieder vor den Stadionkassen bei Hertha BSC.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An der Lenkerstange von Andrejs Fahrrad hängen an diesem Tag zwei prall gefüllte Plastiktüten. Für die Flaschen bekommt er acht Cent, mal 15, mal 25, je nach Typ. Durch das Sammeln bekommt Andrej pro Tag drei Euro zusammen. Das ist bares Geld für den illegal in Deutschland lebenden Ausländer, der nach eigenen Angaben kein Geld vom Staat bekommt, obdachlos ist und vor allem Wert darauf legt, „ehrlich zu bleiben“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit 1994 lebt Andrej, der aus dem Kaukasus stammt, in Berlin. Als 20-Jähriger war er Funker bei der Westgruppe der Roten Armee, nahm an der Abschiedsparade in Berlin teil. Dann ging er nach Russland zurück, erzählt er, doch dort habe er keine Perspektive für sich gesehen und sei noch im selben Jahr zurückgekehrt nach Berlin. Mit einem gefälschten polnischen Pass.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrej schlug sich erst mit Gelegenheitsjobs durch, half bei Umzügen, Wohnungsrenovierungen und auf Baustellen. Doch jetzt gibt es zu wenig Arbeit für zu viele Leute wie ihn. Und außerdem lohne es sich nicht mehr, erzählt er. „Es sind viele Leute aus dem Osten hier, das drückt die Preise. Die Chefs geben schwarz zwei Euro die Stunde und denken, sie sind großzügig.“ Jetzt verdiene er seine drei Euro am Tag und sei zufrieden mit dem Leben: „Ich bin frei, ich liebe Berlin. Das ist die einzige Stadt der Welt, in der man fast kein Geld braucht, um zu leben.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum „Ullrich“-Markt an der Mohrenstraße in Mitte etwa kommen manche Sammler gleich mit Riesensäcken. Vor allem während Großveranstaltungen bekommen die Supermärkte die sozialen Nöte der Stadt zu spüren: Viele Obdachlose oder andere, denen man ihre Lebensumstände am Äußeren jedoch kaum ansieht, bessern ihren Geldbeutel mit gesammelter Pfandbeute auf. An einem normalen Tag zahlt „Ullrich“ bis zu 400 Euro an Pfandbons aus. Während der Fußball- WM waren es jeden Tag rund 1000 Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Detlef B. sammelt Flaschen. Und wenn er etwa an die WM denkt, dann beginnt er zu schwärmen. Herrliche Zeiten seien das gewesen, sagt der 62-Jährige, während er sich eine Zigarette dreht. Er hat damals am Olympiastadion und auf der Fanmeile rund um den Tiergarten gesammelt. „Damals habe ich nur die PET-Flaschen mitgenommen, für die gibt es 25 Cent.“ Mit seinem „WM-Gewinn“, wie er das nennt, hat er sich ein ordentliches Paar Schuhe gekauft und bei C&amp;A eine warme Winterjacke. Die hilft ihm jetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwas verächtlich werden sie schon angeguckt. An einer Tankstelle in Wedding etwa meint ein Verkäufer, dass „wir so ’ne Leute ständig hierhaben“. Die erst in Mülleimer gucken und die verschmutzen Flaschen dann in der Tankstelle abgeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Glas mit der Rückgabegarantie ist in Berlin sogar schon zum Anlass für einen Raubüberfall geworden. So hatten im August vergangenen Jahres drei Räuber einen Reinigungsfachmann auf dem S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße in Marzahn angesprochen und das Leergut gefordert. Als sich der Mann weigerte, die Flaschen herauszugeben, bedrohte einer der Männer ihn mit dem Messer. Am Ende bekamen sie die Flaschen: sieben Stück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Revier von Detlef B. ist das Scheunenviertel, im Sommer der Rasen vorm Berliner Dom. Während Touristen über die Oranienburger Straße schlendern, wirft der 62-Jährige gewissenhaft einen Blick in jeden Mülleimer. Er verdient am Wochenende bis zu acht Euro. Und unter der Woche? Manchmal nur einen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch er hat eine Geschichte zu erzählen, und auch sie handelt vom Scheitern: Er habe studiert, sei Ingenieur, zu DDR- Zeiten habe er auf vielen Baustellen gearbeitet. Auch am Fernsehturm, in dessen Schatten er jetzt Mülleimer durchforstet. „Ich habe bei der Planung der Rohre mitgewirkt“, sagt er. Wenn er könnte, sagt er, würde er die Zeit zurückdrehen. „Ich bin im Herzen Kommunist geblieben, wenn auch in der DDR nicht alles perfekt war.“ Unter dem „gegenwärtigen System“ habe er jedenfalls keine Chance, meint er. „Ich bin Hartz-IV-Opfer.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Detlef B. muss jetzt weiter, muss in Mülleimer schauen und in dunkle Hauseingänge. Kurz bevor er geht, sagt er noch: „Ich hab’ den Flaschenblick, mir entgeht keine Pulle.“&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Der Tagesspiegel, 07.01.07&lt;br /&gt;Mitarbeit: Anette Kögel&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-5110435637043592511?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/5110435637043592511/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=5110435637043592511' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/5110435637043592511'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/5110435637043592511'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/die-wanzen-sind-da.html' title='Der Flaschenblick'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6314893365287888752.post-467302528915603754</id><published>2007-02-09T06:39:00.000-08:00</published><updated>2007-02-19T01:46:05.898-08:00</updated><title type='text'>Der arabische Bürgermeister</title><content type='html'>&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Zakareia Wahbi arbeitet als Berater für arabischsprachige Ausländer in Berlin. Sein wichtigster Tipp: „Bildung ist das A und O“&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;br /&gt;Besucht man Zakareia Wahbi im Büro in der Tiergartener Kurfürstenstraße 38, dann trifft man einen freundlichen Mann, der hinter einem Berg rosafarbener Ordner fast verschwindet und dem Besucher als Erstes schwarzen Tee anbietet. Wahbi arbeitet als Berater für arabischsprachige Ausländer in Berlin, viele seiner „Kunden“ sind Jugendliche, und die haben eines gemeinsam: Sie leben in Berlin, haben meist nur eine Duldung, sind manchmal auch Intensivtäter. Es gibt aber auch solche, die vor allem eines wollen: einen Platz in der deutschen Gesellschaft, anerkannt werden, so der Ausländerberater.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den schwarzen Tee bringt Wahbis Praktikantin Nevine. In ihrer Biografie spiegeln sich die Probleme wider, mit denen sich der Berater häufig beschäftigt. 1990 kam sie mit ihrer Familie aus dem Libanon nach Deutschland. Die Familie stellte einen Asylantrag, der abgelehnt wurde. Wegen fehlender Papiere konnte sie nicht abgeschoben werden, die Duldung wird seit 16 Jahren alle sechs Monate verlängert. Die Familie sei nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, bestens integriert, und alle Kinder sprächen perfekt Deutsch, sagt Wahbi. Deshalb ist er der Meinung, dass die Familie aus humanitären Gründen eingebürgert werden sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nevine hat den Realschulabschluss abgelegt, besuchte dann eine berufsvorbereitende Schule und bestand dort die Abschlussprüfung. Das Zeugnis durfte ihr aber nicht ausgestellt werden, da die Berufsschule als Ausbildung gilt, und die ist der 19-Jährigen laut „Duldungsbescheid“ verboten. Vor einiger Zeit ist wieder Post von der Ausländerbehörde gekommen: Wahbi hatte eine Sondergenehmigung für Nevines Praktikum beantragt, die lief jetzt ab. Eine Verlängerung wurde abgelehnt, mit dem Hinweis, dass eine Weiterbeschäftigung einer Ausbildung nahe käme, und die sei nicht erlaubt. Dagegen hat Wahbi Klage eingereicht und wartet auf einen Urteilsspruch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fälle wie die von Nevine stecken zahlreich in Wahbis rosafarbenen Ordnern: Wie der des 17-jährigen Hassan Akkouch, der 1990 mit seiner Mutter als Asylbewerber nach Berlin kam. Er hat Breakdance-Wettbewerbe gewonnen und spielte sogar in einer Doku-Soap des ZDF zur Fußball-WM mit. Eigentlich sollte Hassan gar nicht mehr in Berlin sein: Im April 2003 war er mit seiner Mutter und den vier Geschwistern abgeschoben worden, kam aber zwei Monate später wieder zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die traumatische Erfahrung der Abschiebung habe jedoch nicht verhindert, dass der Jugendliche sich weiter für die Gesellschaft, in der er lebe, engagieren wolle, sagt Wahbi stolz: An der Alfred-Nobel-Oberschule in Britz ist Hassan Schülersprecher; gibt sein Können in Jugendtreffs weiter, um Jugendlichen, die eine ähnliche Biografie haben wie er, etwas Positives zu vermitteln. An eine erneute Abschiebung sei natürlich wegen der unsicheren Lage nicht zu denken, fährt Wahbi fort. Zurzeit wird Hassans Fall auch vor der Härtefallkommission behandelt, Wahbi ist zuversichtlich, dass der talentierte Breakdancer „in seiner Heimat Berlin“ bleiben darf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Vergangenheit arbeitete Zakareia Wahbi auch ehrenamtlich als Bewährungshelfer für arabische Jugendliche. Er hat etliche, teilweise bekannte Intensivtäter betreut, ein Klient sitzt gerade für drei Jahre in Plötzensee: „Jetzt hat es bei ihm Klick gemacht: Er weiß, dass er sein Leben ändern muss.“ Der ehemalige Intensivtäter sei jetzt auf dem besten Weg, mache einen Schulabschluss, sagt Wahbi. Weil Bildung wichtig ist für die Integration ehemals krimineller Jugendlicher, befürwortet Wahbi auch das sogenannte skandinavische System: „Man muss Zwangsberufsschule für jugendliche Straftäter einführen, damit sie nicht nach der Strafe vor dem Nichts stehen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schön reden will Wahbi die Problematik arabischer Intensivtäter aber nicht: „Wenn die Jugendlichen sich nicht anstrengen, nicht mit dem Bewährungshelfer zusammenarbeiten und immer wieder straffällig werden, dann muss man andere Mittel anwenden, harte Strafen verhängen, abschieben: „Im Libanon gibt es ein Sprichwort: Man spuckt nicht in die Suppe des Gastgebers!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Grund dafür, dass gerade arabische Jugendliche immer wieder auffällig werden, liegt für Wahbi in deren ungeklärtem Status als geduldete, vormals abgelehnte Asylbewerber, der sie zur Untätigkeit verurteile: „Die haben keine Chance, etwas zu tun oder zu lernen, um legal Geld zu verdienen. Die sind jung und wollen leben, deshalb handeln sie dann mit Drogen oder stehlen.“ Der Familienberater legt aber Wert darauf, dass dies keine Rechtfertigung sei, kriminell zu werden, sondern nur eine Erklärung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine eigenen vier Kinder sind nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen: Die beiden ältesten Söhne haben BWL studiert, der Jüngste geht noch zur Schule: „Bildung ist das A und O. Und das fängt bei den Eltern an. Wenn die das nicht schaffen, dann müssen ausländische Jugendliche speziell gefördert werden, da muss die Politik handeln.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erfahrung, als Asylbewerber in Berlin gestrandet zu sein, kennt Wahbi aus der eigenen Biografie. 1974 besuchte er als 19-Jähriger seinen Bruder, der in West-Berlin studierte. Dann brach im Libanon der Bürgerkrieg aus, und Wahbi entschied sich zu bleiben. Er begann als Aushilfe in einer Backwarenfabrik zu arbeiten und gründete schließlich Anfang der achtziger Jahre eine eigene Bäckerei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er mit einem Partner den Betrieb vergrößern wollte, sprang der ab, der Jungunternehmer geriet unverschuldet in Geldsorgen und fand sich schließlich auf dem Sozialamt wieder: „Dort traf ich viele Landsleute, die waren auch mit den ganzen Paragraphen und Formularen überfordert“, sagt er. Was Wahbi ihnen voraushatte, das waren seine soliden Deutschkenntnisse: Deshalb machte er sich mit den Paragraphen vertraut, dolmetschte und wurde Berater des auf Ausländerrecht spezialisierten Anwalts Thomas Arndt, in dessen Büroräumen er nun seiner Arbeit nachgeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt gilt Wahbi im arabischen Berlin als der „Moktar“, der „Bürgermeister“, weil sich niemand so gut mit Fragen des Ausländerrechtes auskennt wie er und auf Arabisch darüber reden kann. Er helfe seinen Landsleuten gerne, sagt Wahbi. Und hofft, dass er zumindest nicht immer wieder Fälle wie Nevine und Hassan auf den Tisch bekommt: „Deutschland kann viel gewinnen, wenn es diesen Jugendlichen eine Chance gibt.“&lt;br&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:bold;"&gt;Der Tagesspiegel, 01.11.06&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6314893365287888752-467302528915603754?l=glasmacher.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://glasmacher.blogspot.com/feeds/467302528915603754/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6314893365287888752&amp;postID=467302528915603754' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/467302528915603754'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6314893365287888752/posts/default/467302528915603754'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://glasmacher.blogspot.com/2007/02/die-klage-gmbh.html' title='Der arabische Bürgermeister'/><author><name>anglas</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
